Zitat Christine Tauber: „Doch mit fortschreitendem Durchschreiten der Räume wächst der Unwille des Besuchers, insbesondere der weiblichen Betrachterinnen, denn abgesehen von einem feigenblattartig mitpräsentierten Mapplethorphe und einigen wenigen Phallus-Fotografien gibt es hier nur nacktes Frauenfleisch und entblößte weibliche Genitalien bis zum Abwinken.“
Zu beliebig: es scheint, dass eine als zu lange Beschäftigung des Themas des männlichen Blicks auf die weibliche Nacktheit dazu geführt hat, sie überall zu sehen oder sehen zu wollen. In einem „Sündenfall des anything goes“ werden hier alle nur denkbaren und göttlich-männlichen Blicke unter das Thema subsumiert und dem zunehmend ennuierten Betrachter in einer Art mythologisch-christlichen Daumenkino dargeboten: und weiter, so Christine Tauber, all dies wird in der saftigen Fleischbeschau zunehmend austauschbar, zudem steht die künstlerische Qualität der Exponate in ungekehrt reziprokem Verhältnis zur Chronologie der Ausstellung von der Antike bis zur Gegenwart.
Ausgangspunkt dieser Ausweitung des Ausstellungsthemas auf alles und jedes „nackt-weibliche“, das damit unfreiwillig die generelle Problematik solcher Themenausstellungen illustriert, ist die „zweite Erzählung“ des Mythos von Diana und Aktaion, die Beat Wismer (Direktor Museum Kunstpalast) zu favorisieren scheint. In einer freudianischen Lesart verletzt der jagende Mann eben nicht nur das Verbot des Blicks auf die entblößte Göttin, sondern durchschreitet den dichten Wald ihres Schamhaares, um am Ende seiner triebhaften Exploration der göttlichen Feuchtgebiete den ultimativen Tabubruch zu begehen, indem er ihre „Nymphae“ erblickt und gar in sie eindringt. Na, dann.
GFDK, 31. Oktober 2008
Ausstellung „Diana und Actaeon. Der verbotene Blick: im Museum Kunstpalast bis 15. Februar 2008. www.museum-kunst-palast.de


Eric Fischl: Bad Boy