Aufstieg und Niedergang des italienischen Barockdichters Torquato Tasso waren für Goethe Ausgangspunkt für eine poetische Reflexion über das Verhältnis des feinnervigen Künstlers zur Gesellschaft und den Mächtigen, die ihn finanzieren, aber oftmals nicht verstehen.
Die Sonne scheint, die Talente funkeln: Auf einem Landgut in Italien sitzen der Dichter Torquato Tasso und sein Gönner Alfons der Zweite mit dessen Schwester Leonore von Este und ihrer Freundin Leonore Sanvitale zusammen und reden über Kunst und die Bedingungen, Kunst zu produzieren. Zu dieser illustren Runde stößt Antonio Montecatino, ein Freund des Hauses und kühler Verstandesmensch. Schnell geraten der kalkulierende Diplomat und der hochemotionale Künstler aneinander. Eine fatale Mischung aus Verehrung und Verachtung, die Tasso durch seine Gönner erfährt, wachsen sich für ihn zur existentiellen Bedrohung aus. Zusätzlich stürzt ihn die Liebe zu Leonore von Este in Verwirrung. Sie ist gleichermaßen fasziniert von Tassos poetischer Kraft wie abgeschreckt von seiner Unberechenbarkeit. Ein großer, aber gefährlicher Geist?
„Rueb hat das fünfaktige Kammerstück mit wenig Handlung und viel Philosophie auf fast zwei Stunden gekürzt und arbeitet einen zeitgemäßen Sprachduktus heraus. Eine eigenwillige Inszenierung, in der die psychologisch fein ausgestalteten Menschenbilder zwischen den Polen Technokratie und Kunst, Gefühl und Kontrolle tief berühren, weil sie ins Heute tragen. Goethe nicht light, aber ganz nah, getragen von brillanten Schauspielern. Stürmischer Applaus“, schrieb die HNA.
Für die Wiederaufnahme am 14. Oktober, um 20.15 Uhr im tif sind Karten erhältlich an der Theaterkasse unter Tel. (0561) 1094-222 und online unter www.staatstheater-kassel.de
Inszenierung: Gustav Rueb, Bühne und Kostüme: Daniel Roskamp, Dramaturgie: Stephanie Winter
Mit: Björn Bonn (Torquato Tasso), Birte Leest (Leonore von Este), Christina Weiser (Leonore San Vitale); Enrique Keil (Antonio Montecatino), Frank Richartz (Alfons)
Nächste Vorstellungen: 5.11. und 1.12.
STAATSTHEATER KASSEL
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