Kleist nennt sein Stück im Untertitel „Ein grosses historisches Ritterschauspiel“ und das ist nicht zu viel versprochen: „Das Käthchen von Heilbronn oder Die Feuerprobe“ ist an Dramatik wie an Romantik kaum zu überbieten. Ein 16-jähriges Mädchen, Tochter eines schwäbischen Waffenschmieds, erkennt in einem zufälligen Laufkunden ihres Vaters den Mann, für den es sich lohnt, von jetzt auf gleich alles hinzuwerfen. Wie der Blitz schlägt der Graf Friedrich Wetter vom Strahl in ihrem Leben ein und fortan folgt sie ihm auf Schritt und Tritt, nicht einmal seine Peitschenhiebe bringen sie davon ab.
Der Graf aber steht bald zwischen zwei Frauen: Die standesgemässe Partnerin Kunigunde von Thurneck arbeitet auf eine baldige Vermählung hin, während Käthchen nichts ausser der Gewissheit und dem (Gott-)Vertrauen auf ihrer Seite weiss. Auf diese Weise besteht Käthchen sogar die von der eifersüchtigen Kunigunde angezettelte „Feuerprobe“…
Um seiner Kusine das Werk anzupreisen, verglich Heinrich von Kleist seine Titelheldin mit der männermordenden Amazone Penthesilea, deren „Kehrseite“ und „anderer Pol“ Käthchen sei: „ein Wesen, das eben so mächtig ist durch gänzliche Hingebung wie jene durch Handeln.“ Kein Zweifel, dass sich Kleist mit beiden leidenschaftlichen Frauengestalten im Innersten identifizierte.
Sein Traumtheater spielt im Kopf und in der Seele und überforderte die Theatermittel seiner Epoche – zeitlebens brachten es nur „Die Familie Schroffenstein“, „Der zerbrochne Krug“ und, 1810 im Theater an der Wien uraufgeführt, „Das Käthchen von Heilbronn“ auf die Bühne. 1811, erst 34-jährig, tötete Kleist sich und seine Seelenfreundin Henriette Vogel am Berliner Wannsee. Die Zürcher Neuinszenierung des „Käthchens“ fällt in das 200. Todesjahr eines Dichters, dessen Unruhe und Unbedingtheit uns ungebrochen beschäftigen.
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