Gesellschaft Freunde der Künste

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"raus aus düsseldorf"

Dorothea Schüle - Ich packe meine Koffer …. Der Aufbruch nach Berlin

Der Aufbruch nach Berlin begann genau genommen im März 2001. Eine Woche nach einem sehr lustigen rheinischen Karneval in Düsseldorf, besuchte ich meine lieben Freunde Jörg und Heidi. Beide waren damals seit kurzem in Berlin gelandet - im Prenzlauer Berg. Ich war in den 90zigern des vergangenen Jahrhunderts öfters in Berlin. Immer toller Ausflug, aber nicht mehr. An jenem Märzwochenende prophezeite mir Heidi 5 minuten nach meiner Ankunft am Ostbahnhof :“ Doro, das ist Deine Stadt – Du musst kommen!“ 

Das Wochenende war spannend, an jeder Ecke was Neues und vor allem mit wenig Schlaf verbunden. Dies führte zu der Idee, vielleicht in Berlin ein Zweitatelier zu haben. Zusätzlich hatte ich mich wieder in eine alte Liebe verliebt, die gerade auf Wohnungssuche in Berlin war und auch nach Berlin zog. Jahrelang hatte ich so eine grosse Liebe und eine einzigartig lebendige Stadt alternativ zu meinem Leben in Düsseldorf." Nur "Düsseldorf war für mich unvorstellbar, doch ganz nach Berlin traute ich mich nicht. 

2001 war ich seit knapp zwei Jahren in meinem ersten eigenen Atelier nach dem Studium in Münster. Ich hatte „DAS Atelier zum Altwerden“ in Düsseldorf gefunden. Bei der Erstbesichtigung wurde mir das Projekt „Kulturofen“ mit den Worten angepriesen:

" Es gibt nur big oder jarnicht!“. Wow, das ist Düsseldorf wohl, dachte ich als eher bescheidene Schwäbin. Wie sind denn die drauf, äh? Doch die Aussicht auf einen 20jährigen Mietvertrag mit Minimiete, als Gegenleistung musste ich den kompletten Innenausbau übernehmen auf 120 qm Grundfläche, das war ein sensationelles Angebot. 

Mit einer kleinen Erbschaft hatte ich mir dann mein Traumatelier nach meinen Vorstellungen gemütlich gemacht. Ungestört konnte ich in Ruhe arbeiten und wenn ich Lust hatte, die Musik so laut aufdrehen, bis die Boxen durchbrannten. Der nächste Nachbar war weit weg. Doch leider hatten unsere damaligen Vermieter den Millionenkredit der Bank sozusagen verzockt, die Bank hatte beide Augen zugedrückt und das Haus wurde in Folge deren Insolvenz zwangsversteigert.

 Jahre die mit viel Nervenkraft verloren gingen und die Sache liegt noch immer vor Gericht. Nach einem BGH-Urteil endlich zu unseren Gunsten! Doch fast 10 Jahre Ärger – mal mehr, mal weniger. Diese Energie hätte ich gerne in meine Kunst investiert und nicht in das nun vergangene (Alp)-Traumatelier. Doch ein herzliches „Danke“ an die Bewohner der Wiesenstrasse, die bis zum BGH gezogen sind.  

Nach dem Landgerichtsurteil (gegen uns!), bin ich dann in die Mintropstrasse gezogen. Die herzliche Unterstützung der Vermieterin  führte dazu, dass ich wieder ein gemütliches und bezahlbares Wohnatelier hatte. Mintropstrasse, wunderbar, Hinterhof, Innenstadt, alles fussläufig, Rotlicht ist vor dem Haus, doch dafür war immer jemand da, der aufpasste, dass nichts passiert.

Ich verlasse dieses Haus ungern. Ein geselliger Treffpunkt für viele Freunde und immer wieder schöne Partys unter einer 80jähirgen Sommerlinde im Hof. In diesen Räumen kam ich zum neuen Thema „Mensch“. Dafür war im alten Atelier kein Platz – es herrschten technische Themen wie die Autos, Boote und Motorräde vor,  bezeichnet für ein Atelier in einer Fabrik im Industriegebiet.  

Dank der Liebe war seit 2001 Berlin ein wichtiger Rückzugspunkt. Wenn ich zu viel Big-Düsseldorf hatte, war das raue und herzliche Berlin das richtige. Düsseldorf ist eine sehr schöne Stadt mit leider etwas viel Hang zu „blingbling“. Ich nenn das gerne Kö-blond und Ferrari-bräune mit immer zu viel Schmuck und gerne auch Botox. Egal ob Mann oder Frau.

 Statussymbole, Markenkleidung und was für ein toller „Hecht“ man ist, gehört zum düsseldorfer Selbstverständnis. Natürlich lässt das Äußere nicht auf das Innere schließen, wie ich auch gelernt habe und viele Echt-Düsseldorfer kennenlerne durfte. Doch vieles ist für mich schwäbischgeprägte Frau sehr unverständig. Ein Schwabe zeigt nicht gern, was er hat.

 Man erfreut sich an Besitz oder Können lieber für sich alleine oder ausgewählten Gleichgesinnte (ganz ausgewählt), der Nachbar soll das bitte nicht wissen. Wobei das zu Ausprägungen führen kann, dass der Benz oder der Feuerbacher Porsche immer das neueste Modell sein muss, aber nur am Wochenende vom Herrn-des-Hauses gefahren werden darf. Bloss niemand neidisch machen und es könnte ja abgenutzt werden (Wiederverkaufswert!). 

Diesen schwäbischen Charakterzug oder übertriebene Reinlichkeits- und Ordnungswahn (Kehrwoche oder Mülltonnen-von-innen-reinigen) machen meine Landsmänner auch nicht gerade sympathisch… 

Da ist dann das rheinische „ mar muss auch jönne könne“ oder „et kütt wie et kütt“ eine Wohltat dagegen, wenn’s nicht übertrieben ist. Das katholisch-rheinisch hat meinem pietistisch-protestantisches schwäbischen Perfektionswahn etwas erweicht und mir sehr gut getan hat.  

Doch: vielleicht ist es das Herbe und Direkte preußisch-protestantische, was mich nach Berlin zieht? Man zeigt direkt, ob einem jemand gefällt oder nicht und nicht auf Besten-Freund-Getue, um einen später nicht mehr zu kennen. Angeblich sind nach den Türken die Schwaben die größte ausländische Gemeinde in Berlin. Auch ich habe aus Schwaben zwei Tanten dort, die seit 50 Jahren in Westberlin leben. Mein noch immer vorhandener Dialekt wird wohl noch immer nicht besser werden, gell. 

Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass ich auch in Berlin immer sehr gut arbeitn konnte. Ideen waren an jeder Ecke. Morbide Bars, schicke Szeneläden oder illegale Partys nur für Insider – die Barbilder der letzten Jahre entstammen alle Berlin. Auch Wasser gibt es jede Menge, die Yachten am Wannsee oder für das neue Thema: die Menschen, die in dieser Stadt leben.

Dagegen gab es in Düsseldorf kein Thema und seltenst Bildideen, die der Stadt selbst entsprungen sind. Zero! Niente! Die Bootbilder haben ihren Ursprung aus Glückstadt an der Elbe und anschließend viel aus Mallorca. Die Motorrad – und Autobilder sind  zu fast 80% Ideen, die Italienaufenthalten entstammen. Die Menschen waren zuerst Filmszenen und nun sind’s eigene Ideen, aber entweder Berlin oder sonst wo.

 Ich weiß nicht warum, aber Düsseldorf hatte für mich keine eigenen Anregungen, wie ich im Rückblick festgestellt habe. Selbst das ruhige und beschauliche Münster, meinem Studienort, entsprangen Bildszenen und den Kneipenbildern nach, kann Münster locker mit Berlin mithalten. Hier sei besonders die legendäre Mocambo Bar erwähnt, wo einige Bilder und Dönekes entsprangen Vorortanalysen des nächtens in diesem Laden. 

Kunsthandelsmäßig habe ich die ganze Bandbreite kennenlernen dürfen. Vom um-die-Welt-jettenden Galeristen, der nonstop auf Tour war ohne Pause und der einen in die Villa Romana beförderte (das Malparadies auf Erden), nach New York mitnahmen oder zu skurrilen Messeaufhalten im wilden Moskau.

 Doch schade, manchmal verlieren sich Menschen aus den Augen. Dann gab’s da auch das Gegenteil dazu: „Aufsteiger“, die einem die Weltkarriere versprachen, um dann einfach abzutauchen, am besten noch mit Geld und Bildern der zukünftigen Top-Künstler der Galerie. 

Doch natürlich gab es auch die Galeristen und Menschen, die mich immer wieder selbstlos unterstützt haben, mit mir tolle Ausstellungen gemacht haben oder beraten haben, wenn ich künstlerisch mal von Außen Input benötigte. Manchmal auch mit den notwendig harten Worten, die bei einem Dickkopf wie mir oft auch angebracht waren. 

Berlin ist nun der berühmte „Sprung ins kalte Wasser“. Ich habe gute Freunde da, Verwandtschaft, doch nicht diese beruflichen Beziehungen wie ich sie mir in zehn Jahren in Düsseldorf aufgebaut habe. Doch ich sehe es als neue Chance, mir Dinge aufzubauen und neu zu gestalten. Die letzten Jahre stagnierte ich irgendwie in Düsseldorf.

 Es ging nicht weiter. Auf Grund einer jähen Zäsur in meinem Leben, überdachte ich mein Leben. Viele Downs im letzten Jahr, doch neue Energie erwachte mit jedem Tief. Ich war fast nur in Düsseldorf und mir fehlte was: Berlin. Die Stadt, in der ich sehr viel glückliche Zeit über die Jahre verbracht hatte.

Seit meine Entscheidung gefällt ist, geht es wieder weiter. Ein Schritt ins Ungewisse, doch buddhistisch gesehen kann die Leere mit Neuem gefüllt werden. Darauf freue ich mich, neue Bilder, neue Menschen, neue berufliche Herausforderungen. 

Seit meine Entscheidung gefällt ist, geht es wieder weiter. Alte Bekannte melden sich wieder, Ausstellungen sind in Aussicht und ich lernte in kurzer Zeit tolle Menschen kennen. Ein Schritt ins Ungewisse, doch buddhistisch gesehen kann die Leere mit Neuem gefüllt werden. Darauf freue ich mich, neue Bilder, neue Menschen, neue berufliche Herausforderungen.  

Nichtsdestotrotz, ich möchte meinen Kontakt mit Düsseldorf und all’ den liebgewonnen Menschen nicht verlieren, Gutes bleibt! An dieser Stelle möchte ich mich vor allem bei der Gesellschaft  Freunde der Künste bedanken, allen voran bei Gottfried Böhmer und Anja Schimmelpfennig mit ihrem unermüdlichen Einsatz in den letzten Jahren.

 Doch auch Leute wie Nora Schuster, Andreas Wildhagen, Heribert Brinkmann, Andreas Grüttner, die Kaiserswerther Doktoren Afschin Fatemi und Martin Jörgens, und Jörg Schwarz, Danke, Danke, Danke! ….und all den anderen Dank, die seit langen Jahren mich unterstützen, fördern und anspornen. Alle sind in meinem Herzen. 

Derweil muss ich nun die Koffer packen, das Umzugschaos meistern und mich für den Aufbruch bereit machen! Doch gegen die verbleibende Zweifel und Traurigkeit hat der Rheinländer ja eine  alte Weisheit: ET HÄTT NOCH IMMER JOT JEJANGE! Das versuche ich, zu meinem Mantra zu machen und freue mich schon auf ein baldiges fröhliches Wiedersehen in Düsseldorf oder Berlin.

Dorothea Schüle

 Die Gesellschaft Freunde der Künste wird vom 31. Juli ab 19.00 Uhr bis zum 2.August 2009 Dorothea Schüle mit einer grossen Ausstellung und einer Party verabschieden.