„Die Zauberflöte“ in einer Bibliothek? Wie passt das zu Mozarts beliebtester Oper, die doch ein richtiges Märchen ist und von einem Prinzen handelt, der viele Fährnisse bestehen muss, um seine schöne Prinzessin Pamina zu gewinnen?
Aber da sind auch die Königin der Nacht und der weise Sarastro und die gar nicht so eindeutige Frage, wer gut ist und wer böse. Wenn der Schmerz der Königin über den Raub der Tochter durch „einen bösen Dämon“ unecht sein soll, wie steht es dann um Sarastros Methode, mittels Gefangenschaft und strenger Bewachung seine männliche Überlegenheit zu demonstrieren?
„Ein Mann muss eure Herzen leiten. Denn ohne ihn pflegt jedes Weib aus seinem Wirkungskreis zu schreiten.“ Spätestens hier entpuppt sich das einfache Märchen als komplexe Parabel, die nicht nur moralische Positionierungen hinterfragt, sondern das schwierige, weil komplementäre Gefüge von Gefühl und Verstand fassbar machen will.
Nicht von ungefähr gilt „Die Zauberflöte“ als ein Höhepunkt der europäischen Aufklärung im 18. Jahrhundert, auch wenn – oder vielleicht gerade weil – sie zunächst von dem geschäftssinnigen Theaterdirektor eines Wiener Vorstadttheaters als publikumswirksames Bühnen und Maschinenspektakel erdacht worden war.
Dass er sich dafür Mozart als musikalischen Partner auserkor, kann man als geschickten Schachzug werten. Vielleicht aber war es auch ein überaus kluges und weitsichtiges Kalkül, den schwierigen Emanzipationsprozess des Denkens und Urteilens mit der Magie eines phantasievollen Spiels zu umkleiden, in das die Musik einen ganzen Kosmos menschlicher Empfindungen hineinträgt.
Auf diese Spur begibt sich Christof Loy, wenn er zusammen mit seinem Bühnenbildner Herbert Murauer „Die Zauberflöte“ in einer Bibliothek verortet. Für ihn ist sie der Fundort von Geschichten, ein magisches Kabinett, in dem aus papiernen Zeugnissen lebendige gestalten der Phantasie entstehen. Streng bebrillte Bibliothekarinnen verwandeln sich in drei kokette Damen, die einen schönen Jüngling keineswegs nur zum Lesen verführen wollen.
Papageno flattert als wahrhaft seltsamer Vogel in diese Oase der Gelehrtheit hinein, bevor die mondäne Königin auch hier ihren unnachahmlichen Auftritt hat. Und Sarastro erscheint als ein Herr der Eingeweihten, die offenbar alles Bücherwissen in sich gespeichert haben und sich doch am Ende belehren lassen müssen, dass die Liebe das einzig probate Mittel ist, alle Feuer und Wasserproben des Lebens zu bestehen.
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Wolfgang Amadeus Mozart
(1756 - 1791)
DIE ZAUBERFLÖTE
Große Oper in zwei Aufzügen
Text von Emanuel Schikandeder
Musikalische Leitung Rainer Mühlbach
Inszenierung Christof Loy
Bühne und Kostüm Herbert Murauer
Chor Gerhard Michalski
Pamina Anna Virovlansky
Tamino Jussi Myllys
Königin der Nacht Burcu Uyar
Sarastro Thorsten Grümbel
Papageno Dmitri Vargin
Papagena Romana Noack
1. Dame Anett Fritsch
2. Dame Iryna Vakula
3. Dame Geneviève King
Monostatos Simeon Esper
Sprecher / 1.Priester / 2.Geharnischter Stefan Heidemann
2. Priester / 1.Geharnischter Bruce Rankin
1. Knabe Alma Sadé
2. Knabe Jaclyn Bermudez
3. Knabe Melanie Lang
Sie Verena Buss
Er Götz Argus
Orchester Duisburger Philharmoniker
DEUTSCHE OPER AM RHEIN
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Januar 2010
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