Mit Elfriede Jelineks Wirtschaftskomödie „Die Kontrakte des Kaufmanns“ geht die diesjährige Leistungsschau der deutschsprachigen Bühnen zu Ende
Die Wirtschaftskrise, Angst vor dem sozialen Abstieg und Spaltung der Gesellschaft waren die beherrschenden Themen des diesjährigen Theatertreffens. Die Jury hatte mit ihren Voten überwiegend zeitgenössische Stücke ausgewählt.
Sowohl Auswahl als auch Grundthematik erhitzten zum Teil die Gemüter der Zuschauer und führten zu kontroversen Diskussionen, die deutlich machten, wie nahe das diesjährige Festival an den Problemen unserer Zeit war.
Dazu der Intendant der Berliner Festspiele Joachim Sartorius: „Es zwingt uns die Frage auf, wo wir stehen und wie wir unserer Verantwortung gerecht werden. Die Wirklichkeit ist das Skandalon des Theaters.“
Der Fokus auf die Gegenwart zog offensichtlich besonders viele junge Besucher an. Bei insgesamt mehr als 60 Veranstaltungen verkaufte das Festival rund 20.000 Karten. Auch die erstmalig veranstalteten Public Viewings im Sony Center waren gut besucht. Teilweise mit Decken ausgerüstete Theaterenthusiasten trotzten dem schlechten Wetter und verfolgten die mehrstündigen Aufführungen.
„In diesem Jahr gab es weder Tops noch Flops beim Theatertreffen, sondern eine Polyphonie der Stimmen. Dennoch deutete sich ein Riss durch die Generationen an: Ein Teil des Stammpublikums verweigerte sich den theatralischen Krisenszenarien, neue, junge Besucher hingegen ließen sich begeistern. Theater hat Zukunft, und wir können ahnen, wie diese Zukunft aussieht.“, so die Theatertreffen-Leiterin Iris Laufenberg.
Mehr internationale Zusammenarbeit und interkulturellen Austausch hatte der ehemalige französische Kulturminister Jack Lang in seiner Eröffnungsrede zum tt10 gefordert.
Diesen Gedanken verfolgte auch die internationale Fachtagung „Achtung Transit“, die mit der öffentlichen Diskussion „Kulturnation Deutschland – Exportschlager oder Auslaufmodell?“ zu Ende ging.
Bei zahlreichen Preisverleihungen wurden wieder prominente Schauspieler und junge Autoren geehrt. Der Förderpreis für neue Dramatik, verbunden mit einer Uraufführung am Maxim Gorki Theater Berlin, ging an Claudia Grehn für ihr Stück „Ernte“, den Werkauftrag für ein neues Stück, das dann am Deutschen Nationaltheater Weimar gezeigt wird, erhielt Wolfram Lotz für „Großer Marsch“.
Deutschlandradio Kultur entschied sich für die Hörspieladaption des Stückes „Alles Ausschalten“ von Julian van Daal. Mit dem Theaterpreis Berlin der Stiftung Preußische Seehandlung wurde Margit Bendokat für ihre herausragenden Verdienste um das deutschsprachige Theater geehrt.
Im „Preiskampf“, der zum zweiten Mal live ausgestrahlten Verleihung des 3sat-Preises, setzte sich JuliZeh gegen ihre drei Mitstreiter durch und ließ ihre beiden Kandidaten – Annette Paulmann und Paul Herwig den mit 10 000 Euro dotierten Preis gewinnen.
AuchBruno Ganz, diesjähriger Juror des Alfred-Kerr-Darstellerpreises, verlieh die Auszeichnung an Paul Herwig für seine Interpretation des Johannes Pinneberg in der Inszenierung „Kleiner Mann – was nun“ von Luk Perceval.
Das Theatertreffen 2010 geht mit Elfriede Jelineks "Die Kontrakte des Kaufmanns" in der Inszenierung von Nicolas Stemann (Thalia Theater in Koproduktion mit dem Schauspiel Köln) am 24. Mai zu Ende.
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Jagoda Engelbrecht
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