Im Mittelpunkt der Präsentation »Die weite Ferne so nah«, die vom 25. April bis zum 1. August 2010 im Clemens-Sels-Museum Neuss gezeigt wird, stehen rund 180 Zeichnungen und Aquarelle die den künstlerischen Werdegang des bekannten Düsseldorfer Landschaftsmalers Johann Wilhelm Schirmer (1807-1863) dokumentieren. Ausgehend vom Rheinland unternahm dieser von 1827 bis in die 1860er Jahre hinein viele Reisen durch Europa, die ihn von Neuss über die Schweiz und Italien bis nach Frankreich führten. Auf den zahlreichen Freilichtstudien hielt Schirmer die regional unterschiedlichen Landschaften, Vegetationen, Architekturdenkmäler und Menschen fest.
Das Clemens-Sels-Museum Neuss besitzt nach der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe und dem Museum Zitadelle Jülich die drittgrößte Sammlung an Zeichnungen und Aquarellen Johann Wilhelm Schirmers, die nun erstmals wissenschaftlich aufgearbeitet wurden. Die Werke stammten aus dem Besitz von Lisel Schirmer, der einzigen Enkelin des Künstlers, in deren Sammlung auch die Blätter der beiden Schirmer-Söhne Willy und Julius eingegangen waren. Ihr ist es auch zu verdanken, dass der Nachlass ihres Großvaters den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges entging, so dass sie dem Stadtdirektor von Jülich am 26. Juni 1953 berichten konnte: "So bin ich heute Gott sei Dank noch im Besitze des Wertvollsten, was ich besaß: alle Briefe und Tagebücher, das sogen. Familienarchiv, einige Bilder und eine Mappe mit Zeichnungen, etwa 100 Blatt, der sogen. ‚Werdegang', der Zeichnungen von der frühesten Jugendzeit bis zur italienischen Reise enthält."
Im vergleichenden Nebeneinander mit einer Auswahlnamhafter Leihgaben gewähren die Blätter einmalige und aufschlussreiche Einblicke, inwieweit die bedeutenden Skizzenbuch- und Einzelblätter Eingang in seine Gemälde fanden. Ein exquisites Beispiel für die zeichnerische Vorbereitung und detailgenaue Übernahme eines Bildmotivs liefert das berühmte Gemälde »Eine Waldgegend; Landschaft nach eigener Erfindung«, das man gemeinhin unter dem Titel »Deutscher Urwald« kennt. In das großformatige Gemälde, welches den jungen Schirmer 1828 während einer Ausstellung in der Berliner Königlichen Akademie der Künste gewissermaßen über Nacht bekannt machte, übertrug er die Zeichnung des liegenden Schützen mit Hund, die sich im Besitz des Clemens-Sels-Museums befindet.
Für die in späteren Jahren bedeutend freiere Umsetzung der Studien kann die wichtige »Römische Campagna mit Wasserleitung« als beispielhaft gelten, zu der sich Schirmer von einer Bleistiftzeichnung aus dem italienischen Skizzenbuch von 1839/40 inspirieren ließ.
Überraschend sind dabei auch die vielen Figuren- und Kostümstudien, die Schirmer auf den Skizzenblättern des Clemens-Sels-Museums festgehalten hat: Die Genauigkeit und die Vielfalt dieser Momentaufnahmen räumen ein für alle Mal mit dem Vorurteil auf, Schirmer habe keine menschlichen Gestalten darstellen können. Zudem geben die Blätter Aufschluss über seine künstlerischen Vorbilder, die er auf seinen Reisen am Original studierte, modifizierte und in Auszügen in seine Gemälde übertrug.
Besondere Höhepunkte der Präsentation bilden die Hörstationen, die die persönlichen Reiseeindrücke Johann Wilhelm Schirmers anhand von vielsagenden Ausschnitten aus seinen Briefen und Tagebüchern zum Leben erwecken. Außerdem wird das Skizzenbuch des Jahres 1831 mittels eines Touchscreens virtuell vervollständigt, so dass es erstmals wieder in Gänze betrachtet werden kann.
Dauer der Ausstellung bis zum 1.8.2010
Kontakt
Clemens-Sels-Museum Neuss
Am Obertor, D-41460 Neuss
Tel.: +49(0)2131-904141, Fax: +49(0)2131-902472
Öffnungszeiten
Di bis Sa von 11 bis 17 Uhr, Sonn- und Feiertage von 11 bis 18 Uhr
Links
http://www.clemens-sels-museum-neuss.de/cms/front_content.php?idcat=138

