Gesellschaft Freunde der Künste

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Am Anfang steht die Forderung nach Liebe

Die Tragödie des König Lear bis zum Juni 2010 am Deutschen Theater Göttingen

Am Anfang steht die Forderung nach Liebe, am Ende liegt die Welt in Schutt und Asche. Der alte Lear will abtreten. Sein Reich soll unter seinen drei Töchtern aufgeteilt werden. Doch zuvor verlangt er von ihnen ein Eingeständnis ihrer Liebe zum Vater. Was wie ein Märchen beginnt, verkehrt sich alsbald zu einem apokalyptischen Endspiel.

Denn während die zwei älteren Töchter Lear mit heuchlerischen Liebesbezeugungen blenden, weigert sich seine jüngste – den Vater als einzige aufrichtig liebende - Tochter Cordelia, an diesem Lügenspiel teil zu nehmen. Enttäuscht und voller Zorn über ihre ehrlichen und nüchternen Worte enterbt Lear Cordelia, verstößt sie und den guten treuen Kent, der Partei für Cordelia ergreift.

Seine älteren Töchter Regan und Goneril nehmen Rache für die jahrelang erlittenen Demütigungen unter dem selbstgefälligen Vater. Sie weigern sich, den heimatlosen Lear bei sich aufzunehmen und berauben ihn seiner Gefolgschaft. Vollkommen entrechtet gerät Lears Glaube an die durch ihn installierte väterliche Ordnung ins Wanken. Verzweifelt über die Unmenschlichkeit seiner Töchter verliert er sich zunehmend im Wahnsinn.

In Begleitung eines geistreichen Narren zieht er durch die sturmgepeitschte Nacht. Dort trifft er auf den Sohn des Grafen Gloster, Edgar, der von seinem Halbbruder Edmund, dem illegitimen Sohn Glosters, verleumdet wurde. Getarnt als Irrer flieht Edgar vor seinem zürnenden Vater, der zwischenzeitlich zum Opfer einer grausamen Gewalttat geworden ist.

In einem Ausbruch entsetzlichen Hasses sticht Regans Ehemann Cornwall dem alten Gloster beide Augen aus, da Cornwall ihn verdächtigt, aus alter Treue zu Lear für dessen Interessen zu arbeiten. Letztendlich bringt Lears anfängliche Forderung nach Liebe eine verhängnisvolle Ereigniskette ins Rollen, die fast alle in den Untergang zieht. Das Irren durch Nacht und Sturm verdichtet sich zu einem Prozess existenzieller Bewusstwerdung von apokalyptischer Wucht.

Die durch die Nacht irrenden Blinden, Narren,Wahnsinnigen und Scheinverrückten entfesseln ein groteskes Narrenspiel über den Zerfall des Menschen und die Auflösung aller Bindungen. Erst nachdem Lear alles verloren hat und auf das Geringste reduziert ist, kann er seine frühere Realitätsblindheit und die Sinnlosigkeit der Macht erfassen. Erst jetzt erkennt er denMenschen in seiner Kreatürlichkeit und damit sich selbst als ein armes, nacktes, zweizinkiges Tier.

KÖNIG LEAR ist Shakespeares kraftstrotzendes Meisterwerk von einer ungeheuer rohen Gewalt und apokalyptischer Wucht, das gleich einem Endspiel nach den letzten Fragen des Seins forscht.

ZUR INSZENIERUNG

Regisseur Mark Zurmühle liest Shakespeares groteskes Endspiel als Kommentar
zur gegenwärtigen Krisensituation. So wie die Kapitalblase mit dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 platzte, und damit ein bis dahin scheinbar unverrückbares System, das seineWerte auf imaginäre Sinnkonstruktionen stützt, fragwürdig werden ließ, muss auch Lear nach dem Machtverlust einsehen, dass seine bisherige Herrschaft auf bloßem Schein basierte.

Lears Kontrollverlust und Ohnmacht beschwören eine finstere Endzeitstimmung herauf, die vom Niedergang des Menschen erzählt. So entwirft Shakespeares überlebensgroßes Drama ein apokalyptisches Krisenszenarium, in dem plötzlich nichts mehr von Wert ist, was bis gestern noch das Sein bestimmte.

Die vertrauten Sicherheiten von Macht, Herrschaft, Besitz und familiärem Zusammenhalt entlarven sich als hohler Schein in einer auf ökonomischen Status bedachten Welt, in welcher der Mensch die größte Entwertung erfährt. Doch bei Shakespeare bleibt die Hoffnung, in der Stunde des totalen Zusammenbruchs und der Reduktion das Menschliche im Trümmerfeld des Kapitalismus’ wieder zu entdecken.

Regie Mark Zurmühle

Bühne Eleonore Bircher

Kostüme Ilka Kops

Musik Fred Kerkmann

Dramaturgie Daniel Richter

Mit Benjamin Berger, Gaby Dey, Johannes Granzer, Nikolaus Kühn, Gerrit Neuhaus, Jan Pröhl, Ronny Thalmeyer, Meinolf Steiner, Andreas Jeßing, Marie-Isabel Walke, Sybille Weiser; Andreas Bestert, Reinhardt Lupp.

Bild 1

Von links nach rechts:

Andreas Jeßing, Meinolf Steiner, GerdZinck, Marie-Isabel Walke,

Johannes Granzer, Ronny Thalmeyer

Bild 2

Benjamin Berger, Johannes Granzer, Jan Pröhl

Bild 3

Johannes Granzer (links), Ensemble

Bild 4

Marie-Isabel Walke, Gerd Zink, Jan Pröhl, Johannes Granzer

Aufführungen

3. November 2009, 19:45 Uhr

14. November 2009, 19:45 Uhr

20. November 2009, 19:45 Uhr

26. November 2009, 19:45 Uhr

weitere Termine

http://www.dt-goettingen.de/flycms/de/screen/3/-QyYmOWGAIin0dEw+DzVsdA==/Spielplan.html

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Links

http://www.dt-goettingen.de/flycms/de/screen/3/-/Spielplan.html

http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nig_Lear

http://de.wikipedia.org/wiki/William_Shakespeare

http://www.william-shakespeare.de/fo_lear.html