Verena Gründel, Mitglied der Chefredaktion bei W&V, meint Patagonia hätte eine Mission. Das hatte Rolf Schröter, Mitglied der Chefredaktion bei W&V, letzte Woche noch eine ganz andere Meinung dazu.
Lieber Herr Böhmer,
es ist die vielleicht kleinste und unauffälligste Werbung überhaupt: "Vote the assholes out" steht in winzigen schnörkellosen Buchstaben auf den Etiketten ausgewählter Kleidungsstücke von Patagonia.
Wer die Botschaft lesen will, muss die Etiketten sogar erst umklappen. Und trotzdem sind sie ein Marketingcoup, eine große Idee.
Denn sie sprechen eine Wahlempfehlung aus, die Patagonias Mission konsequent weiterführt. Der Kunde soll sich am Wahltag für eine bessere, sozialere und nachhaltigere Welt entscheiden. Und gegen Donald Trump.
Einer anderen Marke könnte man Populismus oder Greenwashing vorwerfen. Nicht aber Patagonia. Das Unternehmen engagiert sich seit Jahren für den Klimaschutz, spendet beispielsweise ein Prozent seines Umsatzes an Umweltorganisationen.
Man kauft der Marke die textilgewordene Wut auf Politiker wie Trump ab, findet mein Kollege Maximilian Flaig.
Derselben Meinung ist unsere Gastautorin Katrin Seegers. Ihr zufolge ist Patagonia mit dieser wütenden Botschaft ein Vorbild für agile Markenführung. Denn die darf ruhig mal schockieren.
Wie jede Marke ein bisschen wie das Vorbild Patagonia werden kann, erklärt sie in drei Schritten .Aber Vorsicht, die sind nichts für Unentschlossene. Denn für Haltung braucht es Authentizität und Mut.
Mut beweist auch der Möbelhersteller Hartmann. In der Rolle des David legt er sich mit niemand Geringerem als Goliath Ikea an. Jeder Slogan der neuen Kampagne ist ein Seitenhieb in Richtung Schweden.
Nicht nur die Worte sind clever ausgewählt, auch die Mediakanäle passen perfekt zur Botschaft. Ob Ikea wohl schon an einem lustigen Konter arbeitet? Die Chance können sie sich eigentlich nicht entgehen lassen.
Schönen Abend
Verena Gründel


Die wütende Botschaft von Patagonia kommt gut an. Katrin Seegers ist geschäftsführende Gesellschafterin der Agentur Rethink. Foto: Rethink





