Ein Platz in einer nicht weiter benannten Stadt und die Menschen, die ihn überqueren und bewohnen: Frauen, Männer, Normale, Verrückte, Menschen in Gruppen, Menschen alleine. Sie gehen aneinander vorbei, begegnen sich, lösen sich wieder voneinander. Das Allgemeine wird hier zum Besonderen, der Alltag zur Vielfalt. Dabei fällt der Blick auf Dinge, für die man gewöhnlich kein Auge hat. In einem zauberhaften Reigen der Bilder und Töne wird die Welt zum Fest des Augenblicks erklärt.
Handkes Platz bildet die Grundlage dieses außergewöhnlichen Theaterprojekts, in dem es zum ersten Mal zu einer Begegnung zwischen dem Ensemble des Grazer Schauspielhauses und den Mitgliedern von Viktor Bodós Budapester Theatertruppe Szputnyik Shipping Company kommen wird.
Nach Kafkas Das Schloß und Alice nach Lewis Carroll (ausgezeichnet mit dem Nestroy-Theaterpreis 2008) ist es bereits die dritte Arbeit Bodós am Schauspielhaus Graz.
Ich möchte lieber ahnen statt wissen.
Sprache ist ja in aller Regel zerstörerisch.
Wenn sie nicht den richtigen Augenblick findet, zerstört sie das Ungesagte.
Peter Handke
Termine: 26./27.5. sowie 4./5./10./20.6.2009 jeweils 21.30 Uhr
Infos unter: www.buehnen-graz.com
Bearbeitung von Viktor Bodó
In Zusammenarbeit mit der Szputnyik Shipping Company, Budapest
Besetzung:
| Regie: | Viktor Bodó |
|---|---|
| Bühnenbild: | Viktor Bodó, Pascal Raich |
| Kostüme: | Fruzsina Nagy |
| Musik: | Klaus von Heydenaber |
| Dramaturgie: | Andreas Karlaganis, Anna Veress |
| mit: | Andrea Wenzl, Sophie Hottinger, Martina Stilp, Lóte Koblicska, Steffi Krautz, Anna Hay, Peter Jankovics, Sebastian Reiß, Thomas Frank, Marina Gera, Zoltán Szabó, Jan Thümer, Kata Petó, Gábor Fábián, Simon Ferenc Tóth |
| DJ / Toneinspielungen: | Gábor Keresztes |
| Geige: | Stephanie Grandpierre |
| Cello: | Maria Serafin, Lana Berakovic |
| Klavier: |
Pressestimmen:
„Die Stunde da wir nichts voneinander wußten“, die dem Grazer Schauspielhaus einen ungemein temporeichen, sinnlichen und vielstimmigen Theaterzauber-Abend beschert: Mit Sicherheit der Höhepunkt der laufenden Saison, ein Glanzlicht in der Ära von Intendantin Anna Badora. Der 31-jährige Ungar Viktor Bodó bricht Handkes Stück ohne Worte furios auf, erweitert die Vorlage zu einem tolldreisten Panoptikum, ohne dass der poesievolle Versuch über das Stadtleben gröbere Dellen erleidet. Unbarmherzig und witzig, kurios und monströs, dann wieder leichtfüß0ig, beschwingt und nahezu immer fesselnd. Live Musik und eingespielte Töne sind klug eingesetzt, schaffen manchmal Stummfilmatmosphäre, dann wieder Discozombieambiente oder (ironisches) Musicalflair. Das 15-köpfige Ensemble ist permanent im schweißtreibenden Einsatz, um Augenblicke, Situationen, Beziehungen zu konstruieren und wieder zu verwerfen.“
(Martin Behr, Salzburger Nachrichten, 16. Mai 2009)
„Sternstunde hoher Bühnenkunst im Schauspielhaus Graz: Viktor Bodós Handke-Inszenierung lässt keine Wünsche offen. Man schaue und staune. Nestroy-Preisträger Viktor Bodó entlässt Peter Handkes Stück ohne Worte in ein rund 100-minütiges, pralles, bezauberndes, verblüffendes Bühnenleben, mit einem Spannungsbogen, der keine Sekunde lang absackt. Unmöglich wäre es, auch nur einen Teil der Mini-Episoden zu schildern. Sie berühren, sie rühren, sie schüren die Neugier mit gesundem Suchtfaktor. Und, Geniestreich zwei, Bodó lässt das Geschehen live per Handycam mitfilmen und auf die Leinwand übertragen. Stummfilmtheater in Vollendung, adäquat unterlegt mit viel Musik. Frenetischer Beifall war der Lohn. Staunen, sagt man, verursacht kein Geräusch. Hier wurde es hörbar.“
(Werner Krause, Kleine Zeitung, 16. Mai 2009)
„Viktor Bodó schenkt dem Publikum im Grazer Schauspielhaus einen prallen, kurzweiligen Abend, der Sehgewohnheiten über den Haufen wirft und tiefe Einblicke in gesellschaftliche Ordnungen gewährt. Schon von Anfang an ist klar, dass Handke in dieser Version eine untergeordnete Rolle spielt und Bodó eher als Ideenlieferant dient. Bodó verdoppelt manche Szenen, wechselt dabei die Perspektiven und gibt ihnen so eine neue Bedeutung. Dass er dann auch noch mit der Künstlichkeit einer Theateraufführung und der vermeintlichen Realität des Films spielt, ist nur eine weitere spannende Ebene in dieser Inszenierung. Ganz hervorragen agieren die Darsteller, die sich aus dem Schauspielhaus-Ensemble und Bodós eigener Szputnyik Shipping Company zusammensetzen. Soviel Spiel- und Improvisationsfreude hat man am Grazer Haus selten gesehen.“
(Michaela Reichert, Kronen Zeitung, 16. Mai 2009)
„In der Grazer Aufführung lässt der 31-jährige Ungarische Theatermann Vikto Bodó Handkes Stück aufgehen in eigene Phantasmagorien. Das Heraus-Lesen und das Hinein-Interpretieren verschwimmen, und das ist sehr gut so. Viktor Bodó hat sich von Pascal Raich gleich eine kleine Stadt bauen lassen, mehrere Guckkasten-Container links und rechts der Bühne. Pralle Lebensfiguren da, eigenwillig-verspinnene Kunstfiguren dort. Scharf geschnittene Charaktere bevölkern die Bühne. Einfach toll, wie das alles getimt ist, wie in szenischer Konglomeraten von aberwitziger Turbulent und Hektik doch ein jeder seinen individuellen Takt und die Aufführung insgesamt ihren Rhythmus findet. Das pulsiert mit System."
(Reinhard Kriechbaum, Nachtkritik, 15.Mai 2009)

