Gesellschaft Freunde der Künste

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Ausstellung von 17. Mai bis 27. September 2009

Die Quadratur des Quadrats - Francois Morellet im Museum Ritter

Mit einer große Einzelausstellung würdigt das MUSEUM RITTER einen der bedeutendsten französischen Künstler der Gegenwart. François Morellet zählt zu den wichtigsten Vertretern der Geometrischen Abstraktion und gilt als Mitbegründer der Konkreten Kunst. Seit über einem halben Jahrhundert schafft er abstrakte Kompositionen in verschiedenen Materialien und Techniken und vereint dabei eine rational systematische Vorgehensweise mit spielerischer Leichtigkeit und hintergründigem Humor.

Der Titel der Ausstellung „Die Quadratur des Quadrats“ ist einer Neonarbeit des Künstlers entlehnt. „Was bedeutet dieser Titel? Natürlich nichts,“ so François Morellet „außer meiner doppelten Obsession für Quadrate und Sinnlosigkeiten….Mir scheinen Humor, Ironie, Spott und Frivolität die notwendige Würze zu sein, um Quadrate, Systeme und alles Übrige verdaulich zu machen.“ Mit dieser Haltung gelingt es dem Künstler immer wieder, mit einfachen Mitteln zu verblüffen und aus geometrischen Formen extrem wirkungsvolle und ironisch-witzige Werke zu schaffen.

Die Ausstellung gibt mit 50 Arbeiten aus allen wichtigen Werkphasen einen Überblick über das umfangreiche Schaffen Morellets. Neben geometrischer Malerei werden Arbeiten aus Rastergittern und Klebeband sowie Lichtinstallationen aus farbigen Neonröhren präsentiert. Die Auswahl der Werke fand in enger Abstimmung mit dem Künstler statt und gewährt dem Betrachter einen persönlichen Blick auf über 60 Jahre geistreich-provokanten Schaffens.

Ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm begleitet die Werkschau. Jeden Samstag, Sonn- und Feiertag finden um 15 Uhr kostenlose Führungen zu unterschiedlichen Schwerpunkten statt. Alle Besucher erhalten zu Ihrem Eintrittsticket eine kostenfreie Audioführung in deutscher oder englischer Sprache.

Zur Ausstellung erscheint ein dreisprachiges Katalogbuch (96 Seiten) im Verlag Das Wunderhorn zum Preis von € 21,80.

"Kunstwerke sind Picknickplätze"

François Morellet im Gespräch mit Gerda Ridler

Gerda Ridler: François, Sie sind einer der wichtigsten Vertreter der Geometrischen Abstraktion und seit den frühen 1950er Jahren einer ihrer Hauptakteure. Wo sehen Sie selbst Ihren Platz innerhalb der Konkreten Kunst?

François Morellet: Bevor ich sage, wo ich meinen Platz in der Konkreten Kunst sehe, möchte ich darüber sprechen, welchen Platz die Konkrete Kunst in den Ländern einnimmt, die sich für abendländische Kunst interessieren. Die ersten Plätze belegen die Schweiz, Deutschland, die Beneluxländer, Brasilien, Argentinien und Venezuela, dann folgen die Länder, in denen man davon gehört hat, wie Italien oder die nordischen Länder, und schließlich jene Länder, in denen die große Mehrheit der Kunstliebhaber noch nie etwas davon gehört hat. Frankreich gehört zu dieser dritten Gruppe. Ich glaube, in der Schweiz und in Deutschland hält man mich für so etwas wie einen Außenseiter der Konkreten Kunst. Manche meiner Werke, wie „La géométrie dans les spasmes“, „cul con non nul“, „RECREATIONS“ und „Après réflexion“, sind tatsächlich viel eher mit Dada als mit Max Bill verwandt. Eigentlich bin ich kein Anhänger seriöser, didaktischer Kunst. Die Vorstellung, die man sich von mir in Zürich oder in Rio de Janeiro macht, ist mit Sicherheit sehr verschieden.

Gerda Ridler: Der Untertitel der Ausstellung lautet: „Eine Introspektive“. Was erwartet uns bei dieser Innenschau? Timm Ulrichs hat 2004 einen introspektiv-autobiografischen Film mit dem Titel „Durchsicht durchs Ich“ gedreht, bei dem eine winzige Kamera den Weg durch den Verdauungskanal des Künstlers dokumentiert. Geben Sie uns bei Ihrer Introspektive ähnlich intime Einblicke?

François Morellet: Ich habe das Substantiv „eine Introspektive“ aus viel frivoleren Gründen gewählt, als Sie vermuten. Zunächst einmal, weil es dieses Wort im Französischen nur als Adjektiv gibt und man im Gegensatz zu „Retrospektive“ nicht an eine Ausstellung denkt. Es handelt sich also nicht um eine Ausstellung, die meine Werke in historischer oder rekapitulierender Manier präsentiert. Nein, es handelt sich nur um eine Ausstellung von mir über mich, die mit dem Museum Ritter-Team realisiert wird. Es wird keine tiefsinnige, intime Botschaft enthüllt, die es nicht schicklich wäre, an einem öffentlichen Ort preiszugeben. Ich bleibe nun mal leider ein unverbesserlich frivoler Greis.

Gerda Ridler: Sie werden oft als bedeutender Vertreter der Konkreten Kunst bezeichnet. Dabei sind Sie doch alles andere als ein orthodoxer Verfechter dieser Zunft. Ihr Œuvre ist nicht puristisch streng, sondern gekennzeichnet von Humor und Ironie. Sie sind ein Meister der geistreichen Anspielung und Andeutung. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch die Kombination von geometrischem Kalkül und Lebensfreude aus. Man hat immer ein Lächeln auf den Lippen, wenn man Ihre Werke betrachtet. Bezogen auf die Konkrete Kunst haben Sie gesagt, dass Richard Paul Lohse ein seriöser Vertreter war, Sie hingegen sind … ?

François Morellet: Ja, ich bin ein ungläubiger Orthodoxer, ein Lästerer aller Glaubensrichtungen! Oder, um mich weniger geschwollen auszudrücken, ich meide das Transzendentale und Seriöse. Mir scheinen Humor, Ironie, Spott und Frivolität die notwendige Würze zu sein, um Quadrate, Systeme und alles Übrige verdaulich zu machen.

Gerda Ridler: Neben der humorvollen Note zeichnet sich Ihr Werk durch Sparsamkeit, Effizienz und einen Hang zur Vereinfachung aus. Frei nach der Devise: größtmöglicher Nutzen durch kleinstmöglichen Einsatz.

François Morellet: Ja, das stimmt, ich bin stolz, wenn sich eines meiner Systeme mit einem Minimum an Aufwand „konkretisieren“ lässt, und außerordentlich froh, wenn das entstandene Werk nicht zu groß, nicht zu schwer und … nicht zu teuer ist (was die Fabrikation angeht natürlich).

Gerda Ridler: Während Sie im Ausland und speziell hier in Deutschland ein sehr anerkannter Künstler sind, hat man den Eindruck, dass die Franzosen sich erst jetzt für Ihr Œuvre interessieren. Woran liegt das?

François Morellet: Ihre Frage habe ich mir natürlich auch schon gestellt. Das Desinteresse der Franzosen bezieht sich meiner Meinung nach auf die gesamte konstruktive, systematische und insbesondere die konkrete Kunst. Das ist umso erstaunlicher, da bis zum 19. Jahrhundert eine gewisse Vorliebe für konstruktive Strenge eine „ausgesprochen französische“ Spezialität gewesen zu sein scheint. Jean Fouquet, Georges de La Tour, Nicolas Poussin, Philippe de Champaigne, Ingres und andere waren nicht Vorläufer der Romantik, des Expressionismus, des Impressionismus, des Surrealismus oder sonstiger Mystizismen. Ihre Enkel im 20. Jahrhundert wären eher Leute wie Mondrian, van Doesburg, Vordemberge-Gildewart, Bill oder Lohse gewesen, die man in Frankreich unterschätzt. Es wäre an den klugen Kunsthistorikern herauszufinden, warum…

Gerda Ridler: „Kunstwerke sind Picknick-Plätze, wo man das verzehrt, was man selber mitgebracht hat.“ Können Sie uns dieses Zitat abschließend kurz erläutern?

François Morellet: Seit 1970/71, nachdem ich gemerkt hatte, dass es „der aufgeklärte Kunstliebhaber ist, der den Werken einen Sinn verleiht“ – ohne Rücksicht darauf, was der Autor zu sagen oder zu schreiben hatte und oft im krassen Gegensatz zur Interpretation anderer Kommentatoren – habe ich (nach vielen Umwegen, die darzulegen der Platz hier nicht ausreicht) den Schluss gezogen, dass „… die bildende Kunst es dem Betrachter erlauben muss, das in ihr zu finden, was er möchte, das heißt das, was er von sich aus mitbringt. Kunstwerke sind Picknickplätze, spanische Wirtshäuser, wo man das verzehrt, was man selber mitgebracht hat…“.

Das MUSEUM RITTER wurde vom Berliner Architekturbüro Max Dudler entworfen und befindet sich direkt neben der Schokoladenfabrik Ritter Sport. Flächige Fassaden aus hellem, warm getöntem Kalkstein und große Fenster verleihen der Architektur einen ruhigen, monolithischen Charakter. Eine großzügige Passage, die sich ins Aichtal hin weitet, leitet zu den Eingängen der beiden Flügel und verbindet sie.

Die zukunftsweisende Haustechnik des Neubaus, die als natürliche Ressourcen Solarenergie und Geothermie einsetzt, dient einer möglichst ausgeglichenen Umweltbilanz. Die Grundfläche des Baus von 44 x 44 Metern greift das für den Schokoladenhersteller kennzeichnende Quadrat auf.

Die Bruttogeschossfläche von etwa 4.450 qm teilt sich in zwei Flügel. Der größere Flügel ist mit seinen etwa 700 qm Ausstellungsfläche der Sammlung Marli Hoppe-Ritter und den Sonderausstellungen gewidmet.    Er enthält zudem das Museums-Café und den Museums-Shop mit exklusiven Angeboten.Der kleinere Flügel beherbergt den SchokoLaden - das Besucherzentrum der Firma Ritter Sport - mit der SchokoAusstellung, der SchokoWerkstatt für Kinder und Jugendliche und dem SchokoShop.

MUSEUM RITTER Sammlung Marli Hoppe-Ritter                                     Alfred-Ritter-Straße 27                                                                          71111 Waldenbuch                                                                                 Telefon +49(0)7157.53511-0                                         besucherservice@museum-ritter.de                                          Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 - 18 Uhr 

Links:

www.francois-morellet.de                                      www.g26.ch/art_morellet.html                                                                     www.museum-ritter.de/n171681/i174929.html               www.swr.de/nachtkultur/angesagt/-/id=3096806/.../index.htmlwww.artcyclopedia.com/artists/morellet_francois.html         www.artnet.de/artist/556058/francois-morellet.htmlwww.kulturbox.de/kuenstler/?a_id=_0C51BCPL9www.kunstaspekte.de/index.php?action=termin...       www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/2572?...                      www.situation-kunst.de/127.htm                                                        www.kunstfreunde-blog.de/.../francois-morellet-die-quadratur-des-quadrats      www.kunstmarkt.com/.../suche.html?...Morellet