Gesellschaft Freunde der Künste

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Eine Heldensaga mit Jugendlichen aus Dresden

Die Nibelungen bis zum 3.12.2009 am Staatsschauspiel Dresden

König Gunther und seine Ritter gelten als die mutigsten und stärksten Kämpfer, der Ruhm der Burgunder durchfliegt die Welt. Nur ein Einziger ist stärker als sie alle: der Niederländer Siegfried besitzt magische Waffen und gilt als unsterblich, seit er in Drachenblut badete.

Als Siegfried an Gunthers Hof auftaucht, schließen die beiden einen geheimen Pakt – wenn Siegfried für Gunther die übermenschlich starke Königstochter Brunhild von Island im Kampf besiegt und ihm als Braut nach Burgund bringt, bekommt Siegfried zum Dank die Hand der schönen Kriemhild. Doch Kriemhild hat geschworen, sich niemals zu verlieben.

Die Sage um die Nibelungen gehört zu den ältesten und einflussreichsten Mythen der nordeuropäischen Welt, seit dem 12. Jahrhundert wird ihre Geschichte immer wieder neu erzählt. Die Kämpfer und Königinnen lieben einander ewig oder hassen sich aufs Blut.

Doch was verbirgt sich wirklich hinter den uralten Erzählungen? Kann man sein Schicksal selbst in die Hand nehmen oder ist alles vorherbestimmt? Ist das Recht des Stärkeren unanfechtbar und wie lange währt einmal geschworene Rache? Darf man im Namen der Liebe alles tun und alles opfern? Und wie geht man heute mit der Sprache Hebbels um?

In einem großen Jugendprojekt der Bürgerbühne des Staatsschauspiels machen sich zwanzig Jugendliche aus Dresden und Region im Alter von 12 bis 24 Jahren zusammen mit Regisseur Marc Prätsch auf in eine mythische Welt, um gemeinsam herauszufinden – wer sind die Nibelungen heute?

Marc Prätsch hat mit großem Erfolg Klassiker mit jugendlichen Laien an deutschen Theatern inszeniert, darunter Schillers „Die Räuber“, mit Berufsschülern aus Hildesheim, Shakespeares „Romeo und Julia“ als Eröffnungspremiere des jungen schauspielhannover (eingeladen zum Theatertreffen der Jugend in Berlin) sowie „Die Entführung aus dem Serail“ von Wolfgang Amadeus Mozart an der Staatsoper Hannover, ausgezeichnet mit dem Preis der Stiftung Kulturregion Hannover.

Dauer der Aufführung: 2 ¼ Stunden, eine Pause

Auf der Suche nach dem Mythos

Miriam Tscholl im Gespräch mit Regisseur Marc Prätsch

Miriam Tscholl
: Das Nibelungenprojekt für Dresdner Jugendliche ist das erste seiner Art am Staatsschauspiel. Gesucht wurden Jugendliche im Alter von 13 bis 23 Jahren, die eine Inszenierung unter professionellen Bedingungen erarbeiten. Wie war die Resonanz aus der Stadt?
Marc Prätsch: Überwältigend. Im wahrsten Sinne des Wortes. Zu den Auswahlworkshops haben sich 260 Jugendliche angemeldet. Es hat nicht nur Leute angesprochen, die ohnehin durch das Angebot der Schulen, die vielen Theater-AGs und privaten Projekte eine Nähe zur Schauspielerei haben. Wir sind auf eine bunt gemischte Gruppe Jugendlicher aller Altersklassen und Ausbildungsformen getroffen: Maurer, Geigerinnen, Kickboxer, Tänzer, Bürokauffrauen, Studentinnen, Bandleader, Zivildienstleistende – alles war dabei. Es wurden Witze erzählt, Szenen improvisiert, Choreografien vorgetanzt, selbst geschriebene Geschichten und Kompositionen vorgetragen, sogar Kickbox-Unterricht haben wir bekommen!

Warum haben Sie sich für „Die Nibelungen“ entschieden?

Der Nibelungenmythos ist ein zeitloser Stoff, der viel Raum für die Fantasien der Jugendlichen lässt. Die Suche nach der eigenen Identität, das Infragestellen und die Ablösung von überlieferten Werten sowie der Umgang mit Konflikten, die aus Liebe, Rache, Gier und ungebändigter Kraft entstehen, sind Motive, die die Jugendlichen unmittelbar betreffen, weil sie sie selbst erleben.

In Ihren Projekten haben Sie immer wieder mit Jugendlichen nichtdeutscher Herkunft gearbeitet und wünschten sich auch für Dresden eine Gruppe, die von allen sozialen Hintergründen und unterschiedlichen Nationalitäten geprägt ist. Ist der Nibelungenstoff dafür nicht etwas zu deutsch?
Ich kann bisher nicht genau sagen, was an diesem Stoff so spezifisch deutsch sein soll. Wir werden das in der Arbeit mit den Jugendlichen hinterfragen. Vor kurzer Zeit hat es in der Nähe von Hannover einen Kleingärtner gegeben, der seine Nachbarn aufgrund eines Streits bezüglich der Kleingartenregeln mit einer Keule erschlagen hat. Ist das ein typisch deutsches Phänomen? Die deutsche Vergangenheit, die deutsche Identität, die Angst vor dem Fremden – all das sind Themen, die ich gerne mit meinen jungen Schauspielern besprechen möchte.

Was haben Jugendliche auf der Bühne, was andere nicht haben?

Sie haben noch keine vorgefertigte Vorstellung davon, wie Theater entsteht. Um das wieder zu lernen, müsste ein ausgebildeter Schauspieler lange proben. Ich kann es kaum erwarten, gemeinsam mit ihnen abzutauchen in die Welt der Nibelungen, um unsere Version der Geschichte zu entdecken. Wir werden eine intensive Zeit erleben, tanzen, singen, spielen, kämpfen, rocken, lachen, uns selbst und andere neu entdecken, um am Ende mit zitternden Knien vor 400 Menschen profimäßig Theater zu spielen. Ich freue mich sehr darauf!

Besetzung

Lydia Behring, Kevin Börner, Matti Freitag, Maik Friedrich, Cléo Gelke, Anne Grünig, Clemens Günther, Katharina Hähling, Ron Helbig, Henriette Hölzel, Valentin C. Kleinschmidt, Georgina Koschke, Philipp Marek, Claudia Martin, Josephine Menzel, Steve Mosch, Thanh Tien Nguyen, Franziska Rilke, Richard Sachse, Laura Schneider

Bühne Philipp Nicolai
Kostüme Irène Favre de Lucascaz
Musik Sven Kaiser
Choreografie Axel Hambach
Dramaturgie Beret Evensen

Kontakt

Staatsschauspiel Dresden
Theaterstraße 2
01067 Dresden

Kartenvorverkauf: 0351.4913–555
Zentrale: 0351.4913–50

E-Mail Kartenreservierung: tickets@staatsschauspiel-dresden.de
E-Mail: info@staatsschauspiel-dresden.de

Links

http://www.staatsschauspiel-dresden.de/spielplan/premieren/die_nibelungen/beschreibung/

http://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungenlied