Am Johannistag soll der Gesangs-Wettbewerb stattfinden. Veit Pogner lobt den Preis aus: seine Tochter Eva. Der Goldschmied gibt sie zur Heirat frei und seinen ganzen Reichtum dazu. Die Bedingung: Ein Meister soll sein, wer die Tochter bekommt und im meisterlichen Gesang hat er zu bestehen. Der erste Anwärter, Stadtschreiber Sixtus Beckmesser, ist immerhin »Merker« in der Zunft der Meistersinger. Der zweite, ein Fremder, ist unbekannt in der Stadt. Es ist Walther von Stolzing. Dessen Vorteil: Er ist jung, adelig und Eva hat sich in ihn verliebt. Sein Makel: Er ist weder Meister, noch gehört er zur Zunft.
Zwischen diesen beiden gibt es einen weiteren Mann, der Eva zur Frau begehrt: Hans Sachs, Schuhmacher, Poet und Witwer. // Drei Männer, eine Frau. Eine Konstellation also, die unweigerlich dazu führen muss, dass gelogen, getäuscht und geprügelt wird – und die sich nicht zuletzt wie eine komische Geschichte lesen könnte, wäre da nicht Richard Wagner. Zwar waren DIE MEISTERSINGER als heiteres Gegenstück zum TANNHÄUSER gedacht, den er gerade vollendet hatte, als er 1845 sein umfassendes Meistersinger-Konzept entwarf, doch ist Wagners Anliegen ein hintergründigeres. Thema ist wieder Kunst und Kunstproduktion. Sind es im TANNHÄUSER die aristokratischen
Minnesänger, die sich dem Wettbewerb stellen, werden in den MEISTERSINGERN die bürgerlichen Meister aufgerufen, um die Wette zu singen. Sie bilden Wagners Sicht auf das Kunstverständnis des Bürgertums, das im 19. Jahrhundert begonnen hatte, sich über den Verlust der Aufklärungsideale hinwegzutäuschen. Der Komponist lässt seine Oper in einer mittelalterlichen Stadt spielen – in einem fiktiven Nürnberg – hier wollte er verortet wissen, was er für einen Grundkonflikt der Kunst hielt: Künstlerischer Geist (Sachs) versus dilettantischen Künstler (Beckmesser) – aber die Hand Evas gewinnt dann der, der versucht, mit der Tradition zu brechen und ein neues Lied singt: Stolzing.
Sein Probelied schon hätte ihn ob des Neuartigen aus dem Rennen katapultiert, wäre da nicht Sachs, unter dessen Anleitung Stolzing ein Lied vortragen kann, das sich den Regeln der Meister fügt. Stolzing jedoch muss seinen Innovationsgeist zugunsten der Aufnahme in die Zunft der Meistersinger zähmen. // Wenn nun Kunst an die Tradition anzuknüpfen hat, wie man es eigentlich von Stolzing hier fordert, ergibt sich Wagner zufolge die Einsamkeit des modernen Künstlers innerhalb seiner Zunft (also der Gesellschaft) wie auch die Stellung des Genies in derselben. Aber am Ende klatscht das Volk: Es feiert Stolzing, und damit die neue Musik, die neue Poesie, die moderne Kunst. Was für ein Triumph!
Besetzung
Wolfgang Brendel (Hans Sachs, Schuster)
Mario Klein (Veit Pogner, Goldschmied)
János Ocsovai (Kunz Vogelgesang, Kürschner)
Geani Brad (Konrad Nachtigall, Spengler)
Espen Fegran (Sixtus Beckmesser, Stadtschreiber)
Tobias Schabel (Fritz Kothner, Bäcker)
Adrian Cave (Balthasar Zorn, Zinngießer)
Jürgen Appel (Ulrich Eisslinger, Würzkrämer)
Jörn Lindemann (Augustin Moser, Schneider)
Sebastian Kroggel (Hermann Ortel, Seifensieder)
Krzysztof Borysiewicz (Hans Schwarz, Strumpfwirker)
Dieter Hönig (Hans Foltz, Kupferschmied)
Erin Caves (Walther von Stolzing, ein junger Ritter aus Franken)
Johannes An (David, Sachsen´s Lehrbube)
Sara Eterno (Eva, Pogner´s Tochter)
Lona Culmer-Schellbach (Magdalene, Eva´s Amme)
Igor Durlovski (Nachtwächter)
Kinderchor CANTAMUS (Kinderchor)
Premiere am 13.2.100
Weitere Aufführungen bis zum 23.5.2010
Kontakt
Staatstheater Kassel
Friedrichsplatz 15
34117 Kassel
Telefon (0561) 10 94 - 0
Email: info@staatstheater-kassel.de
Presse
Astrid Horst
Telefon: (0561) 1094-102
Email: horst@staatstheater-kassel.de
Juliane Clobes
Telefon: (0561) 1094 - 111
Email: presse@staatstheater-kassel.de
Links
www.staatstheater-kassel.de/stueck_detail.asp

