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Der Künstler ist selbst Teil dieser Welt

Die Illusion von Harmonie im Haus Lange - Der Künstler Blaise Drummond zeigt verstörende Werke

Im Museum Haus Lange sind bis zum 17. Januar 2010 die Werke des britisch-irischen Künstlers Blaise Drummond zu sehen. Sein Thema ist das Verhältnis zwischen Kultur und Natur. Der fast blattlose Baum fängt den Blick des Betrachters ein und hält ihn für einen Moment fest. Er folgt den Zweigen des Rotdorns an dem verlassenen Vogelnest vorbei bis zur Decke, die sie nur scheinbar durchstoßen.

Unten spiegeln sich die dürren Äste sich in einer Lache aus weißer Folie, gruppierte Baumstümpfe laden zum Verweilen ein. Gewachsenes und Geschaffenes hat der Künstler Blaise Drummond in seiner Installation miteinander verbunden. Auf den ersten Blick erzeugen die Elemente den Eindruck einer Harmonie, der zweite bemerkt die Brüche. Die Lache ist eben kein See sondern nur Folie und die einzelnen vertrockneten Blätter gehören gar nicht zu dem Baum, sie sind nachträglich angeklebt.

Der Beziehung zwischen Mensch und Natur, Architektur und Wildnis spürt der Künstler, der selbst irgendwo im irischen Nirgendwo lebt, nach. Seine Werkschau im Haus Lange führt dem Betrachter eine Vision vor Augen, die sich selbst als Illusion entlarvt. Die Collagen beschreiben den Versuch, Architektur und Natur in Einklang zu bringen ebenso wie sein Scheitern.

 Die Äste, die eine Glasplatte balancieren oder Bäume, die wie Pfeiler ein Gebäude im Bauhaus-Stil tragen, sind „Fantasien, die sich in der Realität nicht einlösen lassen. Sie deuten jedoch die Verfassung der Welt an, in der wir leben", betont Museumsleiter Martin Hentschel. Ihre Zerbrechlichkeit beschreibe Drummond ebenso wie die Möglichkeit einer Heilung.

Der Künstler ist selbst Teil dieser Welt, in der er Spuren hinterlässt. Mit einer Tapete aus dem Stoff seiner alten Luftmatratze, einem Sessel, dessen Bezug das Muster von einem Schlafanzug seiner Kinder trägt oder einer toten Meise, die gegen sein Atelierfenster geflogen ist, zitiert er sich selbst zugleich als Schöpfer und Zerstörer. Vergehendes und Vergangenes formt sich in seinem Werk zu etwas Neuem.

Wie ein Architekt so konstruiert auch Blaise Drummond seine Gemälde und Installationen. Er kombiniert Materialien, Farben und Stoffe und fügt sie zu einem Gesamtbild zusammen. Die einzelnen Elemente entnimmt er wie einem Setzkasten der Studiensammlung, die in der Ausstellung ebenso zu sehen ist.

 Sie scheint einen Blick in das Atelier des Künstlers zu gewähren. Getrocknete Pflanzen sind dort ebenso zu sehen, wie kleine Skizzen, das Deckblatt eines Buches, Stoffreste und Postkarten. „In meinem Atelier habe ich viele Dinge gesammelt, die mich inspirieren.

 Es fällt mir sehr schwer, etwas wegzuwerfen, was mir einmal nützlich sein könnte. Manchmal muss es jedoch sein", sagt Blaise Drummond und schmunzelt. Ihn inspirieren diese Dinge genauso wie ein Buch das er mal gelesen oder ein Foto, das er mal gesehen hat. In seinem Werk lässt er sie miteinander in Beziehung treten, im Spannungsfeld von Gewachsenem und Geschaffenem.

Die Werke von Blaise Drummond sind im Mies von der Rohe Bau an der Wilhelmshofallee dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr zu sehen.

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