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Ehrgeiz, Korruption und rücksichtslose Ausbeutung

Die Hölle sind die anderen - Simone Young dirigiert die Deutsche Erstaufführung von Brett Deans »Bliss«

Harry Joy, Führungskraft einer Werbeagentur, scheint das Glück für sich gepachtet zu haben: Erfolg im Job, eine schrecklich nette Familie und ein Häuschen im Grünen. Doch mit einem Schlag wird alles anders – und Harry steht vor den tragikomischen Abgründen seiner heilen Welt.

Im Zivilisationsmüll aus Ehrgeiz, Korruption und rücksichtsloser Ausbeutung findet er zu den wahren Werten und zu einer Liebe, die für ihn tatsächlich »Bliss« (»Glückseligkeit«) bedeutet.

 

1981 traf der australische Autor Peter Carey den Nerv der Zeit: das erwachende ökologische Bewusstsein spiegelt sich in seinem Roman »Bliss«, der weltweit den Status eines Kultbuchs gewann. Die Verfilmung wurde für die Goldene Palme in Cannes nominiert.

Mit bizarrer Fantasie und skurriler Komik schildert »Bliss« die Reise eines modernen Business-Jedermann zu den Pforten der Hölle: Harry entdeckt, dass seine Geschäftspartner in einen Umweltskandal verwickelt sind und krebserregende Produkte vermarkten. Seine Einstellung zum Job verändert sich bald – erst recht, nachdem er sich in die junge Prostituierte Honey B. verliebt.

Denn die ist eine Aussteigerin aus dem Regenwald und damit das perfekte Gegenmodell zu seiner Frau, die ihr Karriereheil in Ölgeschäften sucht und schließlich selbst Opfer der schleichenden Umweltvergiftung wird.

Peter Carey wusste, worüber er schrieb – als Werber war er Teil des Systems. Die Botschaft von »Bliss« sandte ein frühes Signal an eine profitorientierte Gesellschaft, deren Durchbruch zum globalen ökologischen Denken noch weit entfernt war.

 

Rund zwanzig Jahre später griff der Australier Brett Dean, einer der wichtigster Komponisten der Gegenwart, den Faden wieder auf. Damals noch als Bratscher bei den Berliner Philharmonikern engagiert, trug er sich mit dem Plan, eine Oper nach »Bliss« zu schreiben.

In Berlin traf er damals mit der australischen Dirigentin Simone Young zusammen, die diese spannende Idee mit ihm weiterentwickelte. Nun ist es soweit: nach ihrer umjubelten Uraufführung in Sydney feiert Brett Deans Oper »Bliss« ihre deutsche Erstaufführung an der Hamburgischen Staatsoper.

In dieser von Simone Young dirigierten Neuinszenierung werden der Londoner Regisseur Ramin Gray und seine Ausstatterin Lizzie Clachan die Konflikte des Stücks noch einmal schärfen – und sicher auch schwarzen britischen Humor servieren.

Ramin Gray hat in Hamburg mit der erfolgreichen Neuproduktion von Benjamin Brittens »Death in Venice« im April 2009 seine künstlerische Visitenkarte abgegeben und kehrt nur für diese zweite Arbeit an die Staatsoper zurück.

 

»’Bliss’ ist ein urbaner Alptraum«, sagt Simone Young. »Die gleichzeitig komische wie prophetische Story behandelt Themen, die über den Einzelfall hinausgehen: das Stück ist eine Allegorie über die Absurdität unserer modernen Welt und die Suche nach Erkenntnis in der Natur«.

Unter ihrer Musikalischen Leitung singt Wolfgang Koch die Titelpartie, der Bariton konnte hier zuletzt als Alberich in der neuen »Ring«-Produktion einen großen Erfolg verbuchen.

Seine Ehefrau Betty wird von Hellen Kwon gesungen, Ha Young Lee übernimmt die Partie von Harry Geliebten Honey B. In den anderen Rollen singen: Viktor Rud (Alex, Harrys Freund und Kollege), Jun-Sang Han (David, sein Sohn), Katarina Tretyakova (Lucy, seine Tochter), Markus Petsch (Johnny), Wilhelm Schwinghammer (Reverend Des/Nachbar/Krankenpfleger), Renate Spingler (Mrs. Dalton), Gabriele Rossmanith/Maria Markina (Zwei Krankenschwestern), Dovlet Nurgeldiyev (Polizist/Bettys Arzt), Dong-Hwan Lee (Polizist/Arzt in der Nervenheilanstalt), Peter Galliard,/Frieder Stricker/Peter Veit/Moritz Gogg/Wilhelm Schwinghammer (Fünf Manager).

Die Einstudierung des Chores übernimmt Florian Csizmadia, die Dramaturgie hat Kerstin Schüssler-Bach.

 

Premiere A:   12. September 2010, 18.00 Uhr
Premiere B:   15. September 2010, 19.30 Uhr


Aufführungen:  19., 21., 25. September und 2. Oktober 2010, 19.30 Uhr

 

Vor der Premiere: Einführungsmatinee mit Mitwirkenden der Produktion am 5. September 2010, 11.00 Uhr.

 

Karten sind an der Tageskasse der Hamburgischen Staatsoper, unter der Telefonnummer
040 / 35 68 68, im Internet unter www.staatsoper-hamburg.de sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.

 

Gerne sende ich Ihnen das Libretto zu.

Bettina Bermbach
Pressesprecherin 

Hamburgische Staatsoper GmbH

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