Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren des Rates,der Zuschuss für Ihre Bühnen, der in den letzten Jahren immer weiter geschrumpftist, hat mit Sicherheit nicht zu der desaströsen Finanzlage Wuppertals geführt.
Im Gegenteil, die Wuppertaler Bühnen haben als ein positiver Standortfaktor verhindert, dass es noch schlimmer gekommen ist. Die Verursacher Ihrer bedrohlichen Situation sind die Entscheidungsträger auf Landes und Bundesebene, die Ihr Ausgabeverhalten bestimmen und Gesetze beschließen,die Sie finanzieren müssen.
Seien Sie mutig, indem Sie sich gegen die Verursacher wehren! Sie brauchen eine Lösung, die Ihrer Stadt dauerhaft hilft. Machen Sie es sich nicht leicht und vergreifen Sie sich nicht an den Lobbylosen und schwächsten Bereichen, wie hier die Kultureinrichtungen. Selbst wenn Sie alle Kultureinrichtungen Ihrer Stadt schließen, würde die Finanzsituation der Stadt Wuppertal nicht gelöst werden.
Kürzungen im Theater, die zur Vernichtung von Kunst führen, hätten für Ihre Stadt verheerende Folgen. Der Deutsche Städtetag warnt in diesem Zusammenhang vor nicht mehr rückgängig zu machendem Schaden:
„Die wirtschaftliche Entwicklung und die Ertragssituation von privatwirtschaftlichen Unternehmen stabilisiert sich in der Regel nach Krisen. Das gilt aber nicht für die in der Finanzkrise verlorene Kunst und kulturelle Infrastruktur. Im Kulturbereich einmal „abgewickelte“ Einrichtungen und aufgelöste Netze bleiben für die Menschen verloren.
Anders ausgedrückt: „Materielle Werte können nach deren Verlust wieder geschaffen werden, immaterielle hingegen nicht“. Darüber hinaus ist die Frage zu beantworten, „ob nicht vielmehr die der Kunst innewohnende Kreativität den wirklichen Schutzraum für die Gesellschaft zur Abwehr der Folgen der Finanzkrise darstellt.
Materiell ist das nicht möglich, immateriell gewiss“ (Deutsche Bühne 7/09).Wenn das größte und wichtigste Kulturinstitut Ihrer Stadt die Bürger künstlerisch nicht mehr ausreichend versorgen kann, führt dies zu einer Bildungsarmut,die das Leben verdüstern lässt.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde aus dem Nichts der Wiederaufbau des Theaters mit großer Priorität vorangetrieben,was die Entwicklung unseres Landes sehr positiv beeinflusst hat. UnsereTheaterlandschaft wird auf der ganzen Welt als etwas besonders Spezifisches angesehen und findet immer mehr Nachahmer auf allen Kontinenten.
Sie sind dabei, die Axt an ein unverzichtbares Kulturgut zu legen. Sowohl eine lineare Kürzung der Zuschüsse als auch eine Spartenschließung bedeutet überproportionale Verarmung des Angebots. Als föderaler Staat darf die Kulturversorgung nicht nur auf Leuchttürme beschränkt werden!
Das Recht auf gleiche Lebensbedingungen, die uns unsere Verfassung garantiert, ist bei den vorgeschlagenen Kürzungen in Wuppertal nicht mehr gewährleistet. Kultur ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit! Im Vergleich zu allen anderen Städten in der Region ist die Finanzierung des Wuppertaler Theaters sehr niedrig.
Trotzdem erhält die Wuppertaler Bevölkerung ein vielfältiges und hervorragendes Angebot verschiedener Kunstgattungen. Dies haben wir in erste Linie dem besonderen Einsatz und den gebrachten Opfern aller Mitarbeiter dieses Institutes zu verdanken, die mit großer Leidenschaft ihren Beruf ausüben.
Mehrmals hat das Theater Einsparungen über sich ergehen lassen und trug mehrmals einen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung bei. Die Gagen der Ensemblemitglieder in Wuppertal gehören zu den geringsten in Deutschland. Eine nochmalige Zuschussreduzierung - die beabsichtigt ist - wird automatisch zum Abbau des Angebots, der Qualität und zu Einnahmenverlusten führen.
Ein Teufelskreis wird ausgelöst, der das Ende des Theaters einläutet - ein irreparabler Schaden des kulturellen Lebens in Wuppertal! Zu den Grundversorgungen eines Theaters gehört eine auskömmliche Finanzierung seitens der Stadt. Eine dauernde Debatte über Einsparungen lenkt von der eigentlichen Aufgabe des Theaters ab.
Wenn die Stadt Wuppertal glaubt, ihre problematische Finanzsituation durch mehrmalige Einsparungen im Theater lösen zu können, dann begeht sie ein Vergehen gegenüber dieser Institution und verkennt die Realität. Die Folgen für die Kultur in Ihrer Stadt wären unverantwortbar.
Wie soll das Theater mit solchen finanziellen Sorgen planen und erfolgreich sein? Wollen Sie als Totengräber des Theaters in Erinnerung bleiben? Wir hoffen und wünschen es nicht. Ein klares „JA“ für Ihr Theater wird sich auszahlen! Die letzten 200 Jahre sind ein Beleg dafür. Wir brauchen mehr Kultur und nicht weniger!
Vergessen Sie nicht, dass die Existenz aller Mitarbeiter des Theaters und deren Familien, die eine wertvolle Aufgabe für unsere Gesellschaft erfüllen, von Ihrem Handeln abhängt. Wir wünschen Ihnen und uns weise Entscheidungen! Mit freundlichen Grüßen Adil Laraki GDBA Landesverbandsvorsitzender
eMail: adil.laraki@tup-online.de
Internet: www.buehnengenossenschaft.de
Anmerkung der Redaktion:
Anfang des Monats hat die Stadt Worms angekündigt, ihre Nibelungenfestspiele 2010 ausfallen zu lassen. Hier wie in Wuppertal geht es um lächerliche zwei Millionen Euro. Die Einschläge kommen näher.

