Gesellschaft Freunde der Künste

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Tübinger Sommertheater im Zirkuszelt

Die Ballade vom großen Makabren im Zimmertheater Tübingen vom 17.7 bis 16.8.2009

Ein Liebespaar auf der Suche nach einem lauschigen Plätzchen, wo uns kein geschätziger Faun mehr stört und unsre nackten Leiber sich schlangengleich umspielen können. Wären da nicht die Steine, die ein Unbekannter aus dem Himmel schleudert.


Nekrozotar wird aus dem Baum geschüttelt. Der große Makabre. Noch ruhet unter dem ewigen Blau des Himmels die friedliche Natur in Unschuld, und die Menschen wandeln ahnungslos die graden und die krummen Wege ihres Daseins. Damit soll noch diese Nacht Schluss sein. Ein Komet wird auf die Erde stürzen. Nekrozotar, Hauptfigur im letzten Akt des großen Welttheaters, reitet auf dem Rücken eines Trunkenboldes, der sich kaum selbst auf den Beinen halten kann, durch Breughelland. Freudig begrüsst vom Philosophen Videbolle, der in seinem Unglück, verkörpert durch seine Frau Salivaine, nur auf das Ende der Welt hoffen kann – und es selbst vorausgesagt hat. Oh, welche Freude! Ich werde Witwer werden, bevor ich sterbe!
Der große Makabre führt das Breughelland als großes, sich an den fleischlichen Lüsten weidendes Welttheater vor. Von der Gosse durch die Philsophenstube bis hin zum Fürstenpalast. Hier lässt sich der Philosoph Wein trinkend von der Ehefrau auspeitschen, der stotternde Fürst übernimmt die Zeche seiner Untertanen, und überhaupt wird alles durchs Trinken geregelt. Mit dem Becher in der Hand / sterben wir für’s Vaterland! Das Ende der Welt ist eben auch das Ende aller Schwierigkeiten. Und so freut sich aufgeregt ein ganzes Land auf den Untergang. DIE BALLADE VOM GROßEN MAKABREN – eine bitterböse Parodie auf menschliche Verhaltensweisen angesichts nahender Katastrophen und lebensbedrohlicher Verhältnisse.


Der belgische Autor Michel de Ghelderode schrieb in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zahlreiche Theaterstücke, die wie die Stücke von Samuel Beckett oder Eugene Ionesco zum „Absurden Theater“ gezählt werden. Seine Liebe zum Mittelalter zeigt sich auch in DIE BALLADE VOM GROßEN MAKABREN, die angesichts des Todes die Lust, die Liebe und das Leben auf sinnlich-derbe Weise als drolliges, dummes Abenteuer feiert. Mit dem makabren Meisterwerk wurde 1971 in der Ära Salvatore Poddine das Gewölbe des Zimmertheaters eröffnet. Eine Neuinszenierung wird unsere Jubiläumsspielzeit spektakulär beenden.

Premiere 17.7.2009 im Zimmertheater Tübingen www.zimmertheater-tuebingen.de bis 16.8.2009