Oper in drei Akten Francis Poulenc
Libretto vom Komponisten nach dem Drehbuch (1947)
von Georges Bernanos, Raymond Bruckberger
und Philippe Agostini in der Bearbeitung als Drama
«Dialogues des Carmélites» (1951) von Albert Béguin
und Marcelle Tassencourt
Nach der Novelle «Die Letzte am Schafott» (1931)
von Gertrud von Le Fort
Uraufführung 1957 in Mailand
In Originalsprache. Mit deutschen Übertiteln.
Angst ist eines der stärksten Gefühle,sie kann vor Gefahr warnen, aber auch ein normales Leben verhindern. Ist religiöser Glauben ein Mittel gegen Lebens- oder gar Todesangst? Dieses urmenschliche Thema faszinierte Francis Poulenc auf der Suche nach einem geeigneten Opernstoff für sein Auftragswerk der Mailänder Scala.
Das Libretto, voll emotional-psychologischer, aber auch historischer Brisanz, basiert auf Georges Bernanos gleichnamigem einzigen Bühnenstück. Dieses wiederum entstand nach Gertrud von Le Forts Novelle Die Letzte am Schafott aus dem Jahr 1931. Die Erzählung, geschrieben in der dunklen Zwischenkriegszeit, geht auf ein Schreckenskapitel der französischen Revolutionszeit zurück, ein Massaker an den Nonnen eines Karmeliterinnenklosters.
Poulenc selbst suchte nach dem Schockerlebnis des Unfalltods seines Freundes verstärkt religiösen Trost. Dem Komponisten gelang jedoch die musikalische Formulierung des Stoffes über eine reine «Glaubensoper» hinaus.
Aus der Sicht der furchtsamen Nonne Blanche erzählt, scheut sie die direkte Schilderung nicht, ist aber auch von tiefer Einfühlsamkeit und sensiblem Verständnis gegenüber kreatürlichen Grundschwächen geprägt. Blanche verliert durch die Konfrontation mit dem natürlichen Sterben der alten Priorin und dem Mord an ihren Mitschwestern letztlich die Angst vor dem irdischen Tod, indem sich ihr Blick auf das ewige Leben richtet.
Im Umgang mit Orchester und Gesangsstimme grenzt sich Poulenc unter Berufung auf Monteverdi, Mozart, Verdi und Mussorgski von jeglicher musikalischen Avantgarde seiner Zeit ab. Impressionistische Klangfarben und ein sprachnaher Vokalstil prägen sein Werk. Der Trauermarsch «Salve regina», mit dem die Nonnen singend zur Hinrichtung ans Schafott treten, und der veristische Schockeffekt des niedersausenden Fallbeils gegen die lärmende Revolutionshymne «Ça ira» lassen das Ende zum dramatischen Höhepunkt werden.
Besetzung
Musikalische Leitung: Srboljub Dinić
Inszenierung: Bernd Mottl
Bühne: Alain Rappaport
Kostüme: Dagmar Fabisch
Choreinstudierung: Alexander Martin
Marquis de la Force: Kristian Paul
Blanche, seine Tochter: Rachel Harnisch, Hélène Le Corre
Der Chevalier, sein Sohn: Fabrice Dalis
Madame de Croissy, Priorin: Ursula Füri-Bernhard
Madame Lidoine, die neue Priorin: Fabienne Jost
Mutter Maria, Subpriorin: Claude Eichenberger
Schwester Constance, eine junge Novizin: Hélène Le Corre, Anne-Florence Marbot
Mutter Johanna, Dechantin: Qin Du
Schwester Mathilde: Silvia Oelschläger
Beichtvater: Andries Cloete
Erster Kommissar: Tomi Kuusisto
Zweiter Kommissar, Offizier, Kerkermeister: Erwin Hurni
Thierry: Rolf Scheider
Javelinot: Ivaylo Ivanov
Chor und Extrachor des Stadttheater Bern
Berner Symphonieorchester
Premiere am 23.1.2010
Weitere Vorstellungen bis zum 16.6.2010
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Links
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