Am Samstag, 16. Januar 2010, bringt Christina Friedrich ihre Bühnenfassung des Romans RUMMELPLATZ von Werner Bräunig im Großen Haus des DT zur Premiere.
Bräunigs Roman spielt vier Jahre nach Kriegsende in einem riesigen Abbaubetrieb für Uranerz im Erzgebirge. Hier treffen Kriegsheimkehrer und Glücksritter, Strafgefangene und Idealisten, deutsche Bergleute und sowjetische Schachtleitung aufeinander.
Dieser Staat im Staate spiegelt die Situation in der neugegründeten Republik, den verbissenen Aufbauwillen ebenso wie sich abzeichnende Fehlentwicklungen, die in der gewaltsamen Niederschlagung des Arbeiterstreiks am 17. Juni 1953 kulminieren.
In keinem anderen Roman sind die Gründerjahre in Ost und West so ungeschönt, problembewusst und dabei literarisch gelungen dargestellt. 1965 wurde auf dem berüchtigten 11. Plenum des ZK der SED die Veröffentlichung des Romans verboten. Erst über vierzig Jahre später wurde RUMMELPLATZ vollständig durch den Aufbau-Verlag publiziert.
Christina Friedrich taucht mit dem Ensemble des Deutschen Theaters tief hinein in Bräunigs Arbeiterroman und das Bergwerk der deutschen Geschichte und fragt, welche Utopien, Ideologien, Ängste, Hoffnungen die Stunde Null prägten, welche Erfahrungen von Krieg, Massaker und Verlust die Entscheidungen von damals bestimmten und noch heute in uns stecken, was Begriffe wie Gemeinschaft und Volk verheißen.
Schicht um Schicht legt sie – 60 Jahre nach der Gründung von BRD und DDR und 20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer – den kolossalen Berg deutscher Vergangenheit frei. Sie gräbt nach Brüchen, Kehrtwenden und Kontinuitäten: in Biografien, in ideologischen Programmen, in politischen Entscheidungen. Mit den Texten Werner Bräunigs wie mit allen anderen Fundstücken ihrer Grabungen
schafft sie einen körperlichen, bildhaften und musikalischen Erinnerungsraum – den Schacht Deutschland.
Am DT hat sich Christina Friedrich in der vergangenen Spielzeit mit der Inszenierung von Ödön von Horváths GESCHICHTEN AUS DEM WIENER WALD vorgestellt. Im Oktober adaptierte sie am Luzerner Theater den Weltbestseller SCHNEE von Orhan Pamuk für die Bühne. In Halle brachte sie Charlotte Roches FEUCHTGEBIETE zur Uraufführung
RUMMELPLATZ Inszenierung Christina Friedrich, Ausstattung Susanne Uhl, Musik Hans Kaul, Dramaturgie Miriam Reimers;
mit Benjamin Berger, Johanna Diekmeyer, Jacqueline Füllgrabe, Johannes Granzer, Philip Hagmann, Karl Miller, Alois Reinhardt, Daniel Sellier, Andrea Strube, Ronny Thalmeyer, Marie-Isabel Walke
Premiere am 16. Januar 2010 um 19.45 Uhr, weitere Vorstellungen am 21. und 26. Januar sowie am 4., 8. und 24. Februar 2010
Sandra Visscher
Deutsches Theater in Göttingen
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