Gesellschaft Freunde der Künste

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Donnerstag, den 26.05.2011, 19.30 Uhr

Der Weibsteufel - Birgit Minichmayr spielt bei den Internationalen Maifestspielen in Wiesbaden

Mit ‚Der Weibsteufel’ präsentieren die Internationalen Maifestspiele herausragendes Schauspieler-Theater. Die drei prominenten Darsteller Birgit Minichmayr, Werner Wölbern und Nicholas Ofczarek wurden beim Berliner Theatertreffen 2009 mit dem 3sat-Preis für ihre darstellerische Leistung ausgezeichnet.

Die Inszenierung gewann insgesamt vier Nestroy-Theaterpreise, und Birgit Minichmayr wurde in der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift Theaterheute mit überwältigender Mehrheit zur Schauspielerin des Jahres ernannt.

Ein Mann, der von der Hehlerei geschmuggelter Waren lebt, erfährt, dass ihm der örtliche Polizeikommandant nach vielen vergeblichen Versuchen endlich das Handwerk legen will, indem er einen jungen Grenzjäger auf seine attraktive Frau ‚ansetzt‘.

Der Grenzjäger verspricht sich eine schnelle Beförderung, wenn er die Frau zur Preisgabe von Informationen verführt. Der Mann hingegen treibt seine Frau dazu, zum Schein auf die Avancen des Jägers einzugehen, um so Zeit für seine kriminellen Transaktionen zu gewinnen. So soll die Erotik der Frau den materiellen Interessen beider konkurrierender Männer dienen.

Die Frau sprengt jedoch dieses Kalkül, indem sie echte Gefühle in Umlauf bringt. Aus der von beiden Seiten taktischen Annäherung mit dem Jäger wird wirkliche sexuelle Attraktion und aus der scheinbaren erotischen Freigiebigkeit des Ehemannes im Gegenzug brennende Eifersucht.

Am Ende ist der Jäger zum Mörder des Ehemanns geworden und muss außer Landes fliehen. Die Witwe aber erbt ‚das große Haus am Markt‘, in dem sie nun Männer empfangen wird, die sie sich selber ausgesucht hat.

Dass die Rechnungen der Männer in diesem unmoralischen Spiel nicht aufgehen, liegt einerseits daran, dass sich die Dynamik des Begehrens nicht unter Kontrolle halten lässt, zum anderen aber wird die Frau in der Erfahrung der persönlichen Erniedrigung plötzlich ihres eigentlichen Wertes gewahr.

Von den konkurrierenden Männern zur Ware degradiert, erkennt sie darin ein Kampfmittel. Sie lernt, den ihr zugemessenen Wert zu steigern, einzusetzen, in Tausch zu bringen und die Herren der Ökonomie am Ende mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen.

Karl Schönherrs 1915 am Burgtheater uraufgeführtes Drama ‚Der Weibsteufel’ ist ein rabiates Stück Volkstheater, eine Strindbergiade und eine erotische Gaunerkomödie aus den Tiroler Bergen.

Der Regisseur Martin Kuej hat schon einmal mit ‚Glaube und Heimat‘ gezeigt, wie man die Stücke des einst viel gespielten Tirolers Karl Schönherr inszeniert: kalt-expressiv, ohne Heimat-Tümelei, in einem starken Bild.

Eine Installation aus mächtigen, ineinander verkeilten Baumstämmen ist alles, was Bühnenbildner Martin Zehetgruber den Spielern Birgit Minichmayr, Werner Wölbern und Nicholas Ofczarek gebaut hat.

Kletternd, balancierend, dabei das Kunst-Tirolerisch wie auf dem Tablett servierend, vollziehen die drei das Ritual von Lauern, Balzen, Lieben und Hassen. Wie Tiere in einem Netz bewegen sie sich in diesem Geflecht aus Stämmen.

Die gefällten Bäume türmen sich auf zu einer schroffen, hochalpinen Szenerie. Nicholas Ofczarek macht aus seinem jungfräulich unsicheren und verletzlichen, zugleich aber auch allzu selbstsicher auf seine Kraft bauenden Grenzjäger eine subtile Charakterstudie.

Der Star des umjubelten Abends aber ist Birgit Minichmayr als ‚Das Weib‘. ‚Es ist der Abend der Minichmayr, dieses wilden Mädchens, schmal, energiegeladen, zurückhaltend, exhibitionistisch.

Wie sie den Jäger ausspioniert, seine Hand verbindet, wie sie die Beine spreizt und mit hohen Schuhen über die Bäume klettert, das wird die Besucher magisch anziehen. Das muss man einfach gesehen haben‘, schrieb Die Presse zur Premiere.

Das Theater des Regisseurs Martin Kušej ist in einer sehr besonderen Weise so sinnlich wie intellektuell. Am 14. Mai 1961 im zweisprachigen Teil Kärntens geboren, studierte er Regie in Graz und arbeitete in Salzburg und Ljubljana als Regieassistent.

Seit 1990 arbeitet er als freier Regisseur in Slowenien, Österreich, Italien und Deutschland. Zusammen mit dem Bühnenbildner Martin Zehetgruber und der Dramaturgin Sylvia Brandl hat er 1990 die freie Gruppe ‚my friend martin‘ gegründet, die heute noch existiert.

Am Theater am Neumarkt in Zürich entstand mit den beiden Schauspielern Birgit Minichmayr und Sebastian Blomberg eine kleine, intensive Arbeit: ‚Das Interview‘ nach einem Film des ermordeten holländischen Filmregisseurs Theo van Gogh.

Diese Inszenierung wurde in weniger als drei Wochen Probenzeit erarbeitet und ist gekennzeichnet vom Versuch, sich völlig aus den Produktionsbedingungen der großen Theaterinstitutionen zurückzuziehen. Das kleine Ensemble hat zusammen geprobt, gekocht, gefeiert und gelebt – eine Reminiszenz an ‚my friend martin‘ und die freie Theaterarbeit.


Kušej arbeitet am Burgtheater Wien, am Bayerischen Staatsschauspiel, dem Deutschen Schauspielhaus und Thalia Theater Hamburg, am Opernhaus Zürich, an der Staatsoper Unter den Linden Berlin sowie an der Volksbühne Berlin. Mehrere Produktionen wurden zum Berliner Theatertreffen eingeladen, zuletzt ‚Der Weibsteufel‘.

Kuej war 2005 und 2006 Schauspielchef der Salzburger Festspiele und setzte mit seiner Inszenierung des ‚Jedermann‘ neue Akzente. 2011 wird er Intendant am Bayerischen Staatsschauspiel München. 2010 war Martin Kušejs Inszenierung ‚Baumeister Solness‘ vom Deutschen Schauspielhaus Hamburg zu den Internationalen Maifestspielen eingeladen.

Martin Zehetgruber gehört zu den prägenden Bühnenbildnern im deutschsprachigen Raum und wurde mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem bekam er fünf Mal den Nestroy-Theaterpreis für die Beste Ausstattung.

Im Jahr 2001 erhielt Martin Zehetgruber die Berufung zum Professor des Fachbereichs Bühnenbild an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. 2008 entwarf er den Theaterturm für die in Ludwigsburg neu gegründete Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg, wo er auch lehrt.

Martin Zehetgruber, geboren 1961, studierte in Graz an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Bühnenbild. Noch während des Studiums realisierte er erste Bühnenbilder sowie Arbeiten im Grenzbereich von Performance und Theater.

Es folgten Arbeiten am Staatstheater Stuttgart, am Thalia Theater Hamburg und dem Deutschen Schauspielhaus Hamburg, an der Volksbühne Berlin, an den Münchner Kammerspielen sowie am Burgtheater Wien.

Im Bereich der Oper arbeitet er an internationalen Häusern wie der Opéra Bastille Paris, Gran Teatre del Liceu in Barcelona, Nederlandse Opera Amsterdam, Opernhaus Zürich, Staatsoper Berlin, bei den Salzburger Festspielen – unter anderem mit Dirigenten wie Daniel Barenboim, Nikolaus Harnoncourt und Mariss Jansons.

Zu den wichtigsten Arbeitspartnern unter den Regisseuren zählen Hans Kresnik, Stephan Kimmig, Jossi Wieler, Guy Joosten, Andrea Breth sowie Martin Kušej, mit dem ihn seit Beginn eine enge Zusammenarbeit verbindet.

Seit Birgit Minichmayr 2001 auf der Berlinale als Shooting Star ausgezeichnet wurde, hat die Österreicherin eine beeindruckende Karriere auf der Theaterbühne und vor der Filmkamera hingelegt. Birgit Minichmayr wurde 1977 in Pasching bei Linz geboren und wuchs in einem Bauernhaushalt auf.

Minichmayr studierte Schauspiel am Max Reinhardt Seminar in Wien, u.a. bei Klaus Maria Brandauer. Noch während des Schauspielstudiums wurde sie an das Burgtheater engagiert, wo sie 1999 als Dirne in Arthur Schnitzlers ‚Der Reigen‘ debütierte.

Von Kritikern und Publikum gefeiert, spielte Minichmayr fünf Jahre unter bekannten Regisseuren wie Karlheinz Hackl, Dimiter Gotscheff, Luc Bondy oder Klaus Michael Grüber am Burgtheater, bevor Frank Castorf die Schauspielerin 2004 nach Berlin holte.

Seit 2008 spielt sie erneut am Burgtheater. Ein Jahr später erhielt sie für ihre Rolle in Maren Ades Film ‚Alle Anderen‘ den Darstellerpreis der 59. Internationalen Filmfestspiele Berlin, für den unter anderem Michelle Pfeiffer und Renée Zellweger nominiert waren.

Der 1961 geborene deutsche Theater- und Filmschauspieler Werner Wölbern studierte zunächst Theaterwissenschaft, bevor er 1984 bis 1988 an der Essener Folkwang-Hochschule eine Schauspiel-Ausbildung absolvierte.

Es folgten Engagements an den Theatern in Heilbronn, Esslingen, Köln und Düsseldorf, bevor Werner Wölbern 1995 an das Thalia Theater Hamburg wechselte.

Seit dem Wintersemester 2007/2008 ist Werner Wölbern Professor für Rollenspiel und szenischen Unterricht an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main.

Für seine Darstellung des Leon in ‚Weh dem, der lügt!‘ von Grillparzer und des Doktor Franz Mauer in ‚Das weite Land‘ von Schnitzler wurde er für den Nestroy-Theaterpreis nominiert.

Nicholas Ofczarek, 1971 in Wien geboren, erhielt seine Ausbildung am Konservatorium seiner Heimatstadt. Sein erstes Engagement führte ihn von 1991 bis 1994 an das dortige Theater in der Drachengasse sowie an das Theater der Jugend. Anschließend wurde er von Claus Peymann an das Burgtheater verpflichtet, dessen Ensemble er bis heute angehört.

Dort arbeitete er mit Regisseuren wie Andrea Breth, Claus Peymann, Karin Beier, Sven-Eric Bechtolf, Jan Bosse und Stefan Bachmann. Er war u.a. als Herzog von Alba in Schillers ‚Don Carlos‘und als Richard III. in ‚Die Rosenkriege‘ (nach Shakespeare) zu sehen.

Für diese Rolle erhielt er 2009 den 3sat-Theaterpreis. Im Sommer 2009 führte Nicholas Ofczarek erstmals selbst Regie und inszenierte bei den Festspielen in Reichenau Arthur Schnitzlers ‚Spiel im Morgengrauen‘.

2010 war er als Jedermann bei den Salzburger Festspielen zu erleben; die Buhlschaft wurde von Birgit Minichmayr gespielt. Neben seinen zahlreichen Bühnenauftritten ist Ofczarek auch regelmäßig in Film und Fernsehen zu sehen.

Hinreißend in ihrer Präzision und Vielschichtigkeit sowohl Nicholas Ofczareks Grenzjäger als auch ‚Der Mann‘ von Werner Wölbern. Das umjubelte Wunder des Abends heißt jedoch Birgit Minichmayr. Jede winzige Geste, jede Stimmschattierung, jeder Blick geht unter die Haut.

Die Welt

Eine einfache Geschichte. Und welches Ereignis! 100 Minuten intensivste Theaterdroge, die mit skandiertem Schlussapplaus und lauten Jubelschreien bedankt wurde.

Wiener Zeit

Inszenierung Martin Kušej
Bühne Martin Zehetgruber
Kostüme Heide Kastler
Musik Bert Wrede
Licht Felix Dreyer
Dramaturgie Sebastian Huber
Mit:
Der Mann Werner Wölbern
Seine Frau Birgit Minichmayr
Ein junger Grenzjäger Nicholas Ofczarek

von Karl Schönherr

Eine Produktion des Burgtheaters Wien

Gastspiel in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsschauspiel

Premiere: 12. September 2008, Akademietheater

Eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2009

Donnerstag, den 26.05.2011, 19.30 Uhr

Großes Haus

Aufführungsdauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

Hessisches Staatstheater Wiesbaden
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Christian-Zais-Str. 3
65189 Wiesbaden


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