Am kommenden Samstag, den 20. November 2010 feiert „Der Turm“ nach dem mehrfach ausgezeichneten Roman von Uwe Telllkamp Premiere im Kleinen Haus. Tilman Gersch inszeniert John von Düffels Bühnenadaption im Bühnen- und Kostümbild von Ariane Salzbrunn.
Nach dem Staatsschauspiel Dresden ist das Hessische Staatstheater Wiesbaden das zweite Theater, das eine Bühnenadaption von Tellkamps Roman auf die Bühne bringt.
„Der Turm“ ist eine Erzählung über Familie und Entwicklung, voller lebenspraller Figuren und detailreicher Schilderungen, und zugleich eine märchenhafte Parabel auf das Leben in einer Diktatur.
Christian, der Sohn des Chirurgen Richard Hoffmann, erlebt in einem Dresdner Villenviertel eine behütete Kindheit. Es sind die achtziger Jahre – eine Zeit der gesellschaftlichen Agonie. In Christians Familie ist man Arzt oder Schauspielerin, Lektor, Wissenschaftler oder Musiker.
Man pflegt Hausmusik, interessiert sich für Malerei und Architektur und verliert sich in Träumereien über die glanzvolle Vergangenheit der Stadt. Die Bewohner dieser ‚Turmwelt‘ schotten sich mit humanistischer Bildung und distanzierter Ironie gegen die Zumutungen des Systems ab und sind entschlossen, in ihrer komfortablen Nische zu überwintern.
Christian muss den ‚Turm‘ verlassen. Auf der Internatsschule in Waldbrunn erlebt er nicht nur die erste Liebe, sondern lernt auch Anpassungsdruck und den Zwang zur Doppelzüngigkeit kennen. Um einen der begehrten Studienplätze für Medizin zu bekommen, verpflichtet er sich für drei Jahre zur Armee.
Diese Welt mit ihren Schikanen und ihrer Stumpfsinnigkeit ist für Christian eine existentielle Herausforderung. Während seine Familie über Ausreise oder Dableiben nachdenkt, verschuldet Christian als Panzerkommandant den tödlichen Unfall eines Soldaten. Im Armeegefängnis lernt er den untersten Höllenkreis des Systems kennen. Aber die Tage der DDR sind bereits gezählt.
Uwe Tellkamps Roman entwirft ein breit angelegtes Gesellschaftspanorama, das die letzten Jahre der DDR mit souveräner Erzählkunst und großer Authentizität beschreibt. Was Tellkamps Roman so attraktiv für Theater macht, ist, dass hier Geschichte in Geschichten erzählt wird.
Dabei konterkarieren Tellkamps detailreiche Schilderungen, seine lebensprallen Figuren und das exklusive ‚Turm‘-Milieu manches Klischee von der ‚grauen‘ und antibürgerlichen DDR und zeigen die verborgenen, vielfältig schillernden Seiten des Lebens in diesem Land.
Als Familiensaga und Bildungsroman knüpft er an die große bürgerliche Romantradition an. ‚Dieses Buch wird bleiben‘, schrieb Gustav Seibt in der Süddeutschen Zeitung. ‚Der Turm‘ trägt autobiografische Züge und wurde 2008 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. 2009 erhielt Uwe Tellkamp den Deutschen Nationalpreis und den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Nach der Uraufführung des ‚Turms‘ in Dresden ist Wiesbaden das zweite Theater, das Uwe Tellkamps Roman in einer Bühnenadaption zeigt (die Fassung von John von Düffel wird hier erstmals aufgeführt; die Dresdner Fassung ist von Jens Groß und Armin Petras).
John von Düffel, der Tellkamps Roman im Auftrag des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden für die Bühne adaptiert, ist Autor zahlreicher Theaterstücke, Romane und Essays. Er wurde ebenfalls mehrfach für sein literarisches Schaffen ausgezeichnet (u.a. mit dem Aspekte-Literaturpreis 1998).
Seine Theateradaptionen von Thomas Manns ‚Buddenbrooks‘ (bei den Maifestspielen 2006 in Wiesbaden gezeigt) und ‚Joseph und seine Brüder‘ wurden von der Theaterkritik einhellig gelobt.
Nach dem Roman von Uwe Tellkamp
Bühnenfassung von John von Düffel, bearbeitet von Dagmar Borrmann und Tilman Gersch
| Inszenierung | Tilman Gersch |
| Bühne und Kostüme | Ariane Salzbrunn |
| Dramaturgie | Dagmar Borrmann |
| Mit: | |
| Christian Hoffmann | Michael von Burg |
| Richard Hoffmann | Lars Wellings |
| Anne Hoffmann / Verena | Doreen Nixdorf |
| Meno / Daniel | Jörg Zirnstein |
| Judith Schevola / Josta | Sybille Weiser |
| Ina / Reina | Lissa Schwerm |
| Dr. Wernstein / Jens / Pfannkuchen | Michael Birnbaum |
| Dr. Weniger / Dr. Sperber / Oberleutnant Fisch | Uwe Kraus |
| Chefarzt Dr. Müller / René Kaminski / Offizier / Fahner / Baron von Abogast / Richtschütze / Militärrichter | Wolfgang Böhm |
| Lehrer Schnürchel / Feldwebel / Unteroffizier Hantsch / Verleger Munderloh | Benjamin Krämer-Jenster |
| Siegbert / Timo Kaminski / Burre | Michael von Bennigsen |
| Das alte Dresden / Asza Burmeister | Zygmunt Apostol |
| Chor / Soldaten / Schüler / Karbidarbeiter / Messegäste u. a. | Ensemble |
Premiere
Samstag, den 20.11.2010, 19.30 Uhr
Kleines Haus
Weitere Termine:
Mittwoch, den 24.11.2010, 19.30 Uhr
Donnerstag, den 02.12.2010, 19.30 Uhr
Freitag, den 10.12.2010, 19.30 Uhr
Samstag, den 18.12.2010, 19.30 Uhr
Sonntag, den 26.12.2010, 19.30 Uhr
Preise: € 9,50 bis € 31,00 (Premiere) bzw. € 7,70 bis € 26,80 (Repertoire)
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