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Russlands Glanz und Gloria

Der russische Pianist Nikolai Tokarev auf Konzerttournee bis März 2011

Peter Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 von 1874 und Sergej Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 3 (1909) sind für jeden Pianisten eine Herausforderung. Zumal beide Konzerte, die zu den meisteingespielten der Schallplattengeschichte zählen, mit spieltechnischen Hürden gespickt sind. 1958 war es der legendäre US-Amerikaner Van Cliburn, der sich gleich an beide Konzerte herangewagt hatte, als er bei seinem Siegeszug beim Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb beide Konzerte hintereinander spielte. Seitdem hat kein Pianist von Rang mehr diesen Kraftakt wiederholt. Ein halbes Jahrhundert später ist nun der russische Pianist Nikolai Tokarev ins Aufnahmestudio gegangen, um seine Interpretation dieser beiden spätromantischen Klavierkonzert-Klassiker vorzulegen.

„Beiden Konzerten haftet etwas Tragisches an.“, so Tokarev. „Bei Tschaikowsky ist es die persönliche Tragödie seines unerfüllten Liebeslebens, bei Rachmaninow eher der Schmerz darüber, seine Heimat zurückgelassen zu haben.“ Aufgenommen wurden die Konzerte in Tokarevs Geburtsstadt Moskau. Am Pult stand Dirigent Vladimir Spivakov, als Geiger und Dirigent weltberühmt und einer der ersten Förderer von Tokarevs Talent. Mit der 2003 von Spivakov gegründeten Russischen Nationalphilharmonie hatte Tokarev ein Orchester zur Seite, das inzwischen zu den führenden Klangkörpern Russlands zählt.

Gemeinsam mit den über 100 Musikern der Russischen Nationalphilharmonie stellt Tokarev seine technisch überragenden Möglichkeiten ganz in den Dienst der musikerzählerischen Kunst von Tschaikowsky und Rachmaninow. Mit facettenreichem Ton, Leidenschaft und Lebendigkeit räumt Tokarev so in diesen pianistischen „Schlachtrössern“ mit Klischees und Hörgewohnheiten auf. Und bei aller „jugendlichen Frische“, die Spivakov am Spiel von Tokarev so fasziniert, ist es eine intelligent erfühlte Klangwelt, in der Tokarev zwischen all den Akkord-Kaskaden für hingebungsvolle Kantilenen und lyrischen Zauber sorgt. Genau diese Balance aus Brillanz und „russischer Seele“ hat Nikolai Tokarev live bereits mehrfach mit Bravour gemeistert. Beim renommierten Concours Géza Anda in Zürich bekam Tokarev 2006 für seine Interpretation von Rachmaninows 3. Klavierkonzert op. 30 den „Géza Anda Publikumspreis“ verliehen.

 

09.11.10 Kiel
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