„Der goldene Drache“ von Roland Schimmelpfennig hat am Samstag, 12. Juni, in der Inszenierung von Maik Priebe am Staatstheater Kassel Premiere. Wie in den vergangenen Jahren hatte das Schauspiel in Kassel eine Position im Spielplan offen gehalten für ein Stück Gegenwartsdramatik. Offenbar hat man in Kassel einen guten Riecher für Neuentdeckungen: Schimmelpfennigs Stück, im September 2009 in der Inszenierung des Autors am Wiener Burgtheater uraufgeführt, wurde inzwischen sowohl zum Berliner Theatertreffen als auch zu den Mühlheimer Theatertagen eingeladen.
Schimmelpfennig befasst sich in „Der goldene Drache“ mit den dunklen Seiten unserer globalisierten Welt, und das zum Teil mit grimmigem Humor: In der winzigen Küche des China-Vietnam-Thai-Schnellrestaurants »Der goldene Drache« wird einem jungen Chinesen ohne Aufenthaltsgenehmigung ein schmerzender Schneidezahn mit einer Rohrzange gezogen. Dieser gelangt aus Versehen in eine Thai-Suppe und von dort in den Mund einer Stewardess, Stammkundin im Schnellrestaurant. Jemand erzählt von der hungrigen Grille, die im Winter zum Opfer der geschäftstüchtigen Ameise wird; die den ganzen dunklen Winter von den anderen Ameisen missbraucht wird, ohne zu merken, dass längst Frühling ist.
Und schmerzhaft vertraut erscheint das Schicksal der kleinen Asiatin, die beim Verlassen ihres dunklen Zimmerchens dem betrunkenen Kumpel des Lebensmittelhändlers von nebenan in die Arme läuft. Der doch nur mal ein bisschen von ihrer Fremdheit kosten wollte. Und als der junge Chinese nach der Rohrzangenoperation verblutet, wickelt man ihn in einen großen Drachenteppich und wirft ihn in den Fluss. Von dort schwimmt er endlich wieder nach Hause, nach China. Leider ohne die Schwester, die zu finden das erklärte Ziel seiner Reise war.
Roland Schimmelpfennig, 1967 geboren in Göttingen, arbeitete zunächst als Journalist in Istanbul, bevor er ein Regiestudium an der Otto-Falckenberg-Schule in München absolvierte. Nach dem Abschluss wurde er Regieassistent und später Mitarbeiter der künstlerischen Leitung an den Münchner Kammerspielen. Er arbeitete außerdem an der Berliner Schaubühne, am Wiener Burgtheater und der Volksbühne Berlin. Bereits sechsmal wurde sein jeweils neuestes Stück zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen, zu denen jedes Jahr die besten Stücke der Saison eingeladen werden.
Maik Priebe, 1977 in Schwerin geboren, studierte Regie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Er arbeitete u. a. an den Städtischen Bühnen Münster, am Maxim-Gorki-Theater Berlin und am Schauspiel Essen. Seit 2006 hat er Lehraufträge in der Abteilung Schauspiel der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin. 2008 erhielt er für seine Diplominszenierung „Sallinger“ von Bernard Marie Koltés den Bensheimer Theaterpreis 2008. Für seine Inszenierung von „Blick zurück im Zorn“ in der Spielzeit 2008/2009 am Staatstheater Kassel wurde er mit dem Eysoldt-Ring ausgezeichnet, der zusammen mit dem Kurt-Hübner-RegiepreisinBensheim vergeben wird.
Am Donnerstag, 10. Juni, bietet eine „Kostprobe“ um 20.15 Uhr im tif für 5 Euro Eintritt Gelegenheit, einen ersten Eindruck von dem Stück und der Inszenierung zu bekommen. Karten für die „Kostprobe“ und Restkarten für die Premiere sind erhältlich an der Theaterkasse, Tel. (0561) 1094-222, und online unter www.staatstheater-kassel.de.
Die nächsten Vorstellungen: 18.6., 20.6.
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