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ein Begriff, den es nicht gibt

Depublizieren. Sofort! - “Offline stellen” von Internetinhalten schlägt seltsame Blüten

Depublizieren ist ein Begriff, den es nicht gibt. In keinem Duden findet sich dieses Wort und trotzdem haben wir in den vergangenen Monaten und Wochen häufig darüber gesprochen. Depublizieren bezeichnet das “Offline stellen” von Internetinhalten.

Unter anderem von Inhalten, die künftig nicht mehr über tagesschau.de verfügbar sind - obwohl sie von Ihnen bezahlt wurden. Warum Sie künftig auf tagesschau.de (und bei anderen öffentlich-rechtlichen Angeboten) möglicherweise nicht mehr das finden, was Sie suchen, haben wir Ihnen hier erklärt.

Viele Nutzer sind empört, dass Inhalte, die mit ihren Rundfunkgebühren erstellt und veröffentlicht wurden, ab dem 1.September 2010 nicht mehr verfügbar sein werden.

Aber auch Inhalte und Sendungen, die erst noch produziert werden, verschwinden nach Ablauf einer so genannten Verweildauer. Bei tagesschau.de werden wir künftig Meldungen nach zwölf Monaten, Sendungen (mit Ausnahme der 20-Uhr-Ausgabe und der Tagesthemen) bereits nach sieben Tagen depublizieren.

Einige Nutzer haben gefragt, ob die Beiträge komplett gelöscht würden. Das ist nicht der Fall - die Inhalte verbleiben in unserer Datenbank, werden aber nicht mehr über unsere Webserver ausgespielt. Die Meldungen dürfen wieder “leben”, wenn ein Ereignis eintritt, das eine erneute Berichterstattung rechtfertigt.

“Websites must live forever” - das Ideal eines unbegrenzten und stetig wachsenden Wissens- und Informationsspeichers im Internet wird durch diese gesetzlichen Regelungen ad absurdum geführt.

Deshalb empfehlen einige Nutzer, die derzeit verfügbaren Inhalte zu sichern und auf anderen Servern zur Verfügung zu stellen. Es könnte also sein, dass Inhalte von tagesschau.de künftig länger an anderen Stellen im Netz zu finden sind.

Wieder andere Nutzer sind der Meinung, dass Petitionen an die Landtage zur Änderung des Rundfunkstaatsvertrages der richtige Weg sei, um das absurde Verfahren zu stoppen.

Denn absurd finden selbst einige unserer Kollegen, dass mit Rundfunkgebühren zunächst etwas geschaffen wird, das nach wenigen Tagen (oder Monaten) wieder - mit Gebührengeldern - vernichtet wird.

Heute nun haben sich die Vorsitzenden unserer Rundfunkräte in Berlin getroffen, um über die verschiedenen Drei-Stufen-Tests zu informieren und Bilanz zu ziehen. Viel Zeit, viel Geld haben diese Verfahren und Gutachten gekostet. Und Sie fragen sich bestimmt auch: wozu das Ganze?

Eine ausgewogene, objektive und moderat-öffentlich-rechtliche Antwort zu finden, fällt mir schwer. Im Interessenausgleich zwischen privatwirtschaftlichen und öffentlich-rechtlichen Medien hat die Politik ein bürokratisches Verfahren geschaffen, zu dem mir nur eines einfällt: Depublizieren. Sofort!

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