Drei Stücke über visionäres Bauen und reale Katastrophen: »Das Werk«, Kernstück der Trilogie, erzählt von einer fast beispiellosen Herausforderung der Natur an menschliche Technik. Über ein Vierteljahrhundert wurde in den Kapruner Alpen in Österreich eines der größten Speicherkraftwerke der Welt erbaut, in den zwanziger Jahren noch mit Freiwilligen, in der Nazizeit auch mit Zwangsrekrutierten. Sehr viele Arbeiter bezahlten diese technische Großleistung mit ihrem Leben, vor allem die Zwangsarbeiter, die unterernährt und mit mangelhafter Ausrüstung ins Hochgebirge getrieben wurden.
Der zweite Teil der Trilogie »Im Bus« handelt von einem Verkehrsunfall beim U-Bahn Bau, verursacht durch Pfusch und zweifelhafte Ingenieursarbeit. Um das Kölner Stadtarchiv geht es aber erst im letzten Stück »Ein Sturz«, das Elfriede Jelinek eigens für unsere Aufführung geschrieben hat: Auch hier mündet das Duell Natur versus Technik bekanntlich in der Katastrophe. „Was wissen wir von unserem Werk, und wie stehen wir dazu?“ heißt es bei Jelinek. Und sie zeigt, dass Profitgier, Vermessenheit und vor allem die Unfähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, die prächtigen Werke des „faustischen“ Menschen wie Kartenhäuser zusammenbrechen lassen. Karin Beier inszeniert zur Spielzeiteröffnung diese wütenden, traurigen und zugleich sehr komischen Abgesänge auf die menschliche Hybris.
Aufführungen bis zum 28.11.2010
Kontakt
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