Gesellschaft Freunde der Künste

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multimedial inszeniert

Das Große Welttheater. Ausstellung 90 Jahre Salzburger Festspiele vom 17. Juli bis 26. Oktober 2010

Von 17. Juli bis 26. Oktober 2010 findet die Ausstellung „Das Große Welttheater. 90 Jahre Salzburger Festspiele“ in der Kunsthalle des Salzburg Museum in Zusammenarbeit mit den Salzburger Festspielen und der checkpointmedia AG statt. An diesem zentralen Ort wird die Geschichte dieser Kulturinstitution anhand von Originalobjekten und Architektur multimedial inszeniert. Weiters dient eine „begehbare Enzyklopädie“ als Ausstellungsfläche, ihre Buchstaben sind als Informationsstationen in der Stadt Salzburg verteilt. An bestimmten Orten z.B. im Monatsschlössl Hellbrunn, MdM Rupertinum, Dommuseum/in der Langen Galerie der Erzabtei St. Peter, in Mozarts Geburtshaus oder im Foyer des Großen Festspielhauses und an zahlreichen weiteren Punkten werden kleinere, themenspezifische Ausstellungen gezeigt.

 

 

Prämisse

„Gut denn, was stellt ihr nun aber in die Mitte eures Vorhabens, die Oper oder das Schauspiel? Beides und von beidem das Höchste.“

Hugo von Hofmannsthal, Gründungsmanifest 1919

 

Oper, Schauspiel und Konzert werden in ihrer 90-jährigen Salzburger Festspiel-Geschichte aufgerollt: Das Phänomen Salzburger Festspiele wird durch Archivalien, Kostüme, Modelle, audiovisuelle Medien (Foto, Film, Ton, multimediale Inszenierungen) präsentiert.

 

 

Konzept

„So wollt ihr euch auf das deutsche Publikum beschränken? Im höchsten Maß hoffen wir, dass die Angehörigen anderer Nationen zu uns kommen werden, um das zu suchen, was sie nicht leicht anderswo in der Welt finden könnten.“

Hugo von Hofmannsthal, Gründungsmanifest 1919

 

Ambivalenzen prägen die Salzburger Festspiele von Anfang an: traditionell und modern, elitär und breitgefächert, österreichisch und international, große Weltbühne und kleine Stadt. Klingende Namen, historische Fotografien, schillernde Kostüme, detailreiche Bühnenmodelle, animierte Videos und vertiefende Multimediainstallationen zeigen die vielfältigen und opulenten Produktionen und ihre Stars – vor und hinter der Bühne. Der Blick in das Innere „der Weltbühne“ wird von außen und von innen gestattet. Der Besucher ist nicht mehr länger nur ein Zuschauer, sondern er wird ein Eingeweihter.

 

Der Weg führt ins Innere „der Weltbühne“

Die Gründungsväter der Salzburger Festspiele begrüßen und führen in die Ausstellung ein. Nach dem Ersten Weltkrieg, der damals „Der Große Krieg“ genannt wurde und das Trauma einer Generation war, wollten Hugo von Hofmannsthal, Max Reinhardt, Alfred Roller, Franz Schalk und Richard Strauss mit einem „Fest der Kunst“ die Vision eines neuen Europa heraufbeschwören. Speziell Hofmannsthal definierte die „deutsche“ Seele und das Kunstempfinden neu – eine Auffassung, die meilenweit von jener entfernt war, die später von den Nationalsozialisten propagiert wurde. Die Aufführung des Jedermann, der auf mittelalterliche und barocke Formen des (katholisch) geistlichen Theaters zurückgreift, beeinflusste maßgeblich die Gründung des Festivals. Gleich nach dem Eingangsbereich wird ein Jedermann-Themenschwerpunkt gesetzt, sowohl mit einer raumgreifenden, künstlerischen Intervention, als auch mit einem, durch die Geschichte der Jedermänner führenden Film.

 

Eine Zeitleiste begleitet das Publikum durch die Ausstellung, sie führt chronologisch durch die 90 Jahre, setzt aber auch vertiefende Themenschwerpunkte und künstlerische Interventionen. Beispielsweise vermittelt „Being Herbert von Karajan“ die Selbstvermarktung des Stardirigenten. Das Leben und Sterben des reichen Mannes wird durch einen perspektivischen Theatertrick in das Heute transferiert; seltene Requisiten aus vielen Jahrzehnten werden in Reagenzgläsern als Versuchsobjekte gezeigt. Die Genieverehrung Mozarts wird mit einer Büste in einem Leichensack ironisiert. Das Gründungsmanifest von Hugo von Hofmannsthal ist für jeden Ausstellungsbesucher mitzunehmen, Figurinen zu den einzelnen Aufführungen illustrieren die unterschiedlichen Herangehensweisen der Kostümgestalter. Hörbeispiele lassen in Neue Musik eintauchen, Zitate aus der Presse geben die unterschiedlichen Stimmen zu Inszenierungen der Salzburger Festspiele wieder.

 

Weltbühne

Den Abschluss der Ausstellung bildet die „Weltbühne“: In dieser Multimediainszenierung treten prominente Künstlerpersönlichkeiten der Salzburger Festspiele in stilisierter Form auf. Entlang historischer Highlights wird der Bogen von zeithistorischen Begebenheiten und architektonischen Veränderungen bis zu politischen Ereignissen und gesellschaftspolitischen Neuerungen gespannt. Mit Bild und Klang wird ein mehrschichtiges Erlebnis für das Publikum geschaffen: Alles, was wir geliebt haben, was uns aufgeregt hat, was uns im Gedächtnis geblieben ist – und was wir versäumt oder auch vergessen haben.

Konzept Ausstellungsarchitektur

 

novakarchitects

 

 

Einleitung

Wie kann man den Blick in das Innere einer lebendigen Institution gestalten?

Die Festspiele haben in den vergangenen 90 Jahren ausgehend von dem Ansatz Hofmannsthals und geprägt durch die unterschiedlichen Charaktere der handelnden Personen sämtliche kunstgeschichtlichen Epochen der Neuzeit in der einen oder anderen Form aufgegriffen. Wie können diese Inhalte, die Werke und ihre Wahrnehmung nun heute „Gestalt finden“, wie können diese unterschiedlichen Stile zeitgenössisch dargestellt werden?

 

Ein simples „Nachbauen“ der Vergangenheit wird der Aufgabe nicht gerecht. Ein ausschließlich klassisches Ausstellen anhand von Tafeln, Objekten und Modellen ist natürlich möglich, jedoch erscheint dies für eine adäquate Darstellung des vielfältigen künstlerischen Schaffens auf musikalischer, sprachlicher und bildnerischer Ebene nicht ausreichend.

 

Wir lassen uns daher von folgendem Beispiel inspirieren: Mitten in Paris, unweit der Champs-Élysées, befindet sich ein neues Hotel (des Architekten Edouard Francois). Das Gebäude erscheint auf den ersten Blick ein historischer Bau zu sein, bei näherer Betrachtung wird uns jedoch bewusst, dass wir das detailgetreue und geometrisch klare Abbild einer historischen Oberfläche vor uns haben. Die komplette Fassade – Ornamente, Gliederungen, Fenster, Gesimse und sogar die Dachfläche – besteht aus gegossenen Beton-Paneelen, die teilweise mittels Formen, 3-dimensional digital reproduziert wurden.

 

Die Fassade thematisiert als Re-Interpretation das „Alte“ mittels heutiger technischer Möglichkeiten und wird dadurch ein zeitgenössisches Abbild der Vergangenheit. Dieses Prinzip machen wir uns für die Ausstellung „90 Jahre Salzburger Festspiele“ zu eigen.

 

Ausstellungsarchitektur

Ausgangspunkt unseres Konzepts der Ausstellungsarchitektur ist die Idee „Tonspuren“ und „Sprachamplituden“ zentraler Dokumente aus der 90-jährigen Geschichte der Salzburger Festspiele (wichtige Werke/Aufführungen/künstlerische Meilensteine, Reden und Interviews) zu Generatoren der Ausstellungsflächen werden zu lassen.

 

Diese digital generierten Oberflächen aus Zitaten der Vergangenheit werden abstrahiert, indem sie in einzelne vertikale gekurvte „Spanten“ aufgelöst werden, die in ihrer Gesamtheit als Ensemble wieder (imaginäre) Flächen bilden.

 

Der Ausdruck „Spant“ stammt ursprünglich aus dem Schiffbau. Er bezeichnet ein tragendes Bauteil zur Verstärkung des Rumpfes bei Booten, Schiffen, Flugzeugen und anderen Fahrzeugen. Spanten werden heute auch in der Architektur sowie im Modellbau bzw. im Kulissenbau beim Theater eingesetzt.

 

Der Rundweg durch die Ausstellung, gebildet durch die als Spanten gebauten Ton- und Sprachspuren, gleicht einem komponierten Rhythmus. Mit ihren sanften Schwüngen und ihrem variierenden Abstand zueinander erzeugen die Spanten elegante übergeordnete Bewegungen. Ihre unterschiedliche Tiefe (unterschiedliche Abstände zur Museumswand) lassen spannende Schattenspiele entstehen und ermöglichen das Ausstellen von Objekten in unterschiedlichen Tiefen.

 

Größere Bilder und Objekte – sozusagen die offizielle Geschichte der Institution Salzburger Festspiele (wie Karajan etc…) – befinden sich vor den Spanten und sind sofort sichtbar. Kleinere Exponate sind zwischen den Spanten positioniert und werden durch den Besucher durch das Abgehen der Ausstellung selbst entdeckt. Beim Durchschreiten der Ausstellung verschwinden so Bilder hinter den Spanten, während durch das Voranschreiten wieder neue zwischen anderen Spanten auftauchen und vertiefende Informationen freigeben. Ganz Subtiles wird besonders nahe an den rückwärtigen Wänden fixiert und fordert zur intensiven Entdeckung auf.

 

Pressebüro

SALZBURGER FESTSPIELE

presse@salzburgfestival.at

+43-662-8045-450

www.salzburgerfestspiele.at

 

Fotobeschreibung/ © Ellinger:

1) Der Rosenkavalier 1960: Sophie (Hilde Güden) / Octavian (Sena Jurinac)

2) Faust I. 1936: Max Reinhardt bei den Proben

3) Jedermann 1926: Jedermann (Alexander Moissi) / Tod (Luis Rainer)