Gesellschaft Freunde der Künste

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von Jörg Widmann und Roland Schimmelpfennig

Das Gesicht im Spiegel am 27.3.2010 Düsseldorf

Der Traum von der Erschaffung eines künstlichen Menschen ist so uralt wie aktuell. Mit ihrem Musiktheater „Das Gesicht im Spiegel“ brachten der Komponist Jörg Widmann und der Autor Roland Schimmelpfennig ihn 2003 auf höchst packende Weise auf die Opernbühne: Bruno und Patrizia – Manager eines Konzerns für Biotechnologie und Ehepartner – erhoffen sich mit der Erfindung ihres Mitarbeiters Milton Rettung für ihre angeschlagene Firma. Dem Bioingenieur ist es gelungen, Patrizia zu klonen.

Die Kopie der Konzernchefin erhält den Namen Justine, lernt sprechen und kann sogar Schmerz empfinden, auch wenn ihr Körper unverletzbar ist. Verhindert muss allerdings werden, dass sie in einen Spiegel sieht, müsste sie dabei doch erkennen, dass sie kein individuelles Wesen ist. Bruno, der gegenüber Patrizia nichts mehr empfindet, verliebt sich in Justine. Um sie überall und so oft wie möglich reproduzieren zu können, stiehlt er Miltons Aufzeichnungen, kommt aber bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Als Patrizia feststellen muss, dass auch Justine sich in Bruno verliebt hat, offenbart sie ihr, wer sie ist: „eine Maschine, ohne eigenes Gesicht“. Justine ist verzweifelt und will Selbstmord begehen. Doch da sie kein Mensch ist, kann sie auch nicht sterben. Patrizia und Milton beschließen, einen neuen Klon zu entwickeln, der unfähig ist, Gefühle zu empfinden ...

Jörg Widmann, 1973 in München geboren, zählt zu den vielseitigsten und erfolgreichsten zeitgenössischen Künstlern. Als Klarinettist eroberte er bereits alle wichtigen Konzertpodien der Welt. Zum Komponisten bei Hans Werner Henze, Wilfried Hiller, Heiner Goebbels und Wolfgang Rihm ausgebildet, kann er inzwischen nicht nur einen stattlichen Katalog von Werken vorweisen, sondern auch zahlreiche Auszeichnungen, darunter so bedeutende wie der Schneider-Schott-Musikpreis, der Förderpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung, der Kompositionspreis des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden/Freiburg sowie der Claudio-Abbado-Preis der Berliner Philharmoniker. „Das Gesicht im Spiegel“ wurde nach der Uraufführung an der Bayerischen Staatsoper München von der Zeitschrift Opernwelt zur wichtigsten Uraufführung der Saison 2003/04 gewählt.

Mit seinen tastenden Klängen, in denen sich Dissonanzen wie in Zeitlupe unerhört schön übereinander schieben, und seinen intensiven Orchesterfarben, die sich immer wieder aus bombastischen Clustern und äußerst expressiven Passagen in ein zartes Verhauchen am Rande der Stille abbauen, entführt Jörg Widmann den Opernbesucher in die ganz eigene Welt seines hochpolitischen, zutiefst ethische Fragen des Menschseins berührenden Endspiels.

Der in Düsseldorf geborene Regisseur Gregor Horres machte in den letzten Jahren vor allem durch seine Inszenierung von Werken des 20. und 21. Jahrhunderts bundesweit auf sich aufmerksam, darunter seine eindringliche Interpretation von Richard Strauss’ „Die Frau ohne Schatten“ am Nationaltheater Mannheim sowie am Theater Mönchengladbach Wolfgang Rihms „Oedipus“ und die deutsche Erstaufführung von Friedrich Cerhas „Der Riese vom Steinfeld“.

Besetzung

Musikalische Leitung Axel Kober
Inszenierung Gregor Horres
Bühne Jan Bammes
Kostüme Yvonne Forster
Licht Volker Weinhart
Videoinstallation Mischa Kuball
Chor Justine Wanat
Dramaturgie Anne do Paço
 
Patrizia Sarah Maria Sun
Justine Anett Fritsch
Bruno James Bobby
Milton Stefan Heidemann
 
Orchester  Düsseldorfer Symphoniker

Aufführungen bis zum 23.4.2010

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