Nahe der sizilianischen Küste, unmittelbar vor der Festung Europa, versank 1996 ein Schiff mit fast 300 afrikanischen Flüchtlingen. Danach fanden die Fischer Leichenteile in ihren Netzen. Aber die Küstenwache unternahm nichts und die Fischer warfen die grausigen Funde zurück ins Meer. Der Kutter wurde zum Geisterschiff erklärt und nie gehoben. Keiner fragte nach den Ertrunkenen.
Obexers Stück spielt sechs Jahre später, der Vorfall ist bekannt geworden. Zwei junge Reporter sind unterwegs zum Unglücksort, mit dem Plan «investigativen Journalismus» zu betreiben und einen Preis zu gewinnen. An Bord eines Luxusdampfers nähern sich ein Bestattungsunternehmer und ein Akademiker mit abstrusen Theorien über versunkene Schiffe. Dieser soll am «Forum zum fortgeschrittenen Unbehagen gegenüber den Erscheinungen an den europäischen Rändern» teilnehmen. Daneben eine Kuratorin, die die ultimative Performance für ihren Utopienpark sucht. Unbedarft und mit einer guten Portion europäischen Goodwills nähern sie sich alle dem Ort, zwischen und unter ihnen ein Schiffswrack, ungeborgene Tote, die vielleicht, wie einst der Fliegende Holländer, dazu verdammt sind, unerlöst als Geister die Meere zu durchfahren.
«Das Geisterschiff» ist ein modernes Requiem über die schmerzhafte Auflösung von Sicherheiten, es verbindet historische Fakten mit mythischen Elementen und stellt die Frage nach Mitverantwortung und dem Ursprung von Schuld. Die Autorin hat für dieses Stück intensiv vor Ort recherchiert und untersuchte den ersten publik gewordenen Fall der Vertuschung eines Flüchtlingsdramas zwischen den Küsten Lampedusas und Siziliens.
Margareth Obexer, 1970 in Brixen, Südtirol geboren, lebt als freie Autorin und Journalistin in Berlin und ist Verfasserin mehrerer Theaterstücke, Hörspiele und Erzählungen.
Die Basler Band Kolsimcha besteht seit gut zwanzig Jahren und tourt mit ihrer eigenwilligen Musik, die sich zwischen Jazz, Klezmer und europäischer Klassik bewegt, durch die ganze Welt. Der Pianist und Komponist Olivier Truan komponiert neben der Band-Musik auch Theater- und Filmmusiken («Gripsholm») sowie klassische Musik.
Regie: Florentine Klepper Komposition und Live-Musik: Kolsimcha Premiere am 11.3.2010 Weitere Aufführungen bis zum 27.3.2010 Kontakt Theater Basel Elisabethenstr. 16 CH-4051 Basel Presse Tel. +41-(0) 61 295 14 75 Fax: +41-(0) 61 295 14 77 presse@theater-basel.ch Links http://www.theater-basel.ch/spielplan/stueck.cfm?s_nr=4045 |