»Puppen sind wir, von unbekannten Gewalten am Draht gezogen; nichts, nichts wir selbst.«
GEORG BÜCHNER, DANTONS TOD
»Die soziale Revolution ist noch nicht fertig, wer eine Revolution zur Hälfte beendet, gräbt sich selbst das Grab.« Mit diesen Worten legitimiert Robespierre das Terrorregime, das Frankreich beherrscht. Die Lager sind gespalten, es herrscht Ratlosigkeit. Das Volk hungert und klagt.
Danton will das Morden beenden, für Robespierre Grund genug, Danton und seine Anhänger zu Feinden der Revolution zu erklären. Die Revolution frisst ihre Kinder. Robespierre bringt Danton samt seinen Anhängern aufs Schafott, und die Revolution gebiert die Diktatur.
»Dantons Tod« als Kampf zweier Prinzipien, als Konfrontation der Antagonisten Robespierre und Danton: der radikale Fundamentalist gegen den idealistischen Humanisten – doch so einfach ist es nicht. Denn Danton handelt nicht vorrangig aus moralischen oder ideologischen Gründen – er handelt aus einer fatalistischen Empfindung heraus:
Der Anführer der Revolution ist müde geworden. »Es wurde ein Fehler gemacht, wie wir geschaffen wurden; es fehlt uns etwas, ich habe keinen Namen dafür.« Es ist Ekel vor dem menschlichen Dasein, das Schmerz erleiden und zufügen muss.
Ekel vor der grässlichen Zwangsläufigkeit der Geschichte, die sich ihn gegen das Revolutionsgebaren wenden lässt. Es ist aber auch die Sehnsucht nach der Ruhe des Nichts und die Angst, dass der Tod das Nichts nicht bringen könnte. Danton scheitert nicht an der Revolution, nicht an den Intrigen seiner Gegenspieler, sondern an seinem eigenen Misstrauen in die Revolution und in die Welt überhaupt.
Büchner arbeitete 1835, einundzwanzigjährig, an »Dantons Tod«, während er sich auf sein Medizinexamen vorbereitete und mit der von ihm mitgegründeten »Gesellschaft der Menschenrechte« eine Revolution auf deutschem Boden plante. Trotzdem ist »Dantons Tod« weder ein revolutionäres Tendenzstück noch ein historischer Bilderbogen.
Der Dichter Büchner zerlegt die Revolutionsvorgänge mit der Objektivität des Wissenschaftlers und diagnostiziert ihren Niedergang mit der Kälte des Analytikers. Zentral ist Dantons Reflexion, sein Durchschauen revolutionärer, d.h. aller politischen Prozesse, der Fragwürdigkeit allen politischen Handelns, des Widerspruchs zwischen privatem Sein und öffentlicher Existenz.
»Ist denn nichts in dir, was dir nicht manchmal, ganz leise, heimlich sagte, du lügst, du lügst?« hält er Robespierre vor. An solchen Punkten wird der elementare Widerspruch deutlich, der dieses Stück durchzieht und an dem für Büchner der »grässliche Fatalismus« aller historischen Prozesse aufscheint. Aber was heißt historisch?
PREMIERE 15. Oktober 2009, Schauspielhaus»
Regie und Bühne Dušan David Parizek
Kostüme Kamila Polívková
Musik Roman Zach
Dramaturgie Nora Khuon, Steffen Sünkel
Licht Annette Ter Meulen
Mit Ute Hannig, Lukas Holzhausen, Markus John, Janning Kahnert, Irene Kugler, Julia Nachtmann, Michael Prelle, Aleksandar Radenković
Weitere Termine:
19.10.2009, 20:00 Uhr
23.10.2009, 20:00 Uhr
29.10.2009, 20:00 Uhr
06.11.2009, 20:00 Uhr
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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http://de.wikipedia.org/wiki/Georges_Danton
http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/geschichte/index,page=1080006.html
Lukas Holzhausen, Markus John
Foto: Kerstin Schomburg

