Der dramatische Dichter ist in meinen Augen nichts als ein Geschichtsschreiber, steht aber über Letzterem dadurch, daß er uns die Geschichte zum zweiten Mal erschafft und uns gleich unmittelbar, statt eine trockene Erzählung zu geben, in das Leben einer Zeit hinein versetzt, uns statt Charakteristiken Charaktere, statt Beschreibungen Gestalten gibt. Seine höchste Aufgabe ist, der Geschichte, wie sie sich wirklich begeben, so nahe als möglich zu kommen. Sein Buch darf weder sittlicher noch unsittlicher sein, als die Geschichte selbst; aber die Geschichte ist vom lieben Herrgott nicht zu einer Lektüre für junge Frauenzimmer geschaffen worden, und da ist es mir auch nicht übel zu nehmen, wenn mein Drama ebenso wenig dazu geeignet ist. Ich kann doch aus einem Danton und den Banditen der Revolution nicht Tugendhelden machen! [Brief Georg Büchners an die Familie]
Die Revolution ist längst im Begriff, ihre eigenen Kinder zu verschlingen: Danton, der Held der Revolution, ist desillusioniert, längst sind ihm die Parolen der Revolution – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – zu inhaltsleeren Schlagworten verkommen. Sein ehemaliger Mitstreiter Robespierre versucht, die Stabilität im Lande mit Hilfe einer Herrschaft des Terrors wiederherzustellen und geht mit Gewalt gegen seine politischen Gegner vor, zu denen er Danton und dessen Verbündete zählt, denen er Maßlosigkeit und Unsittlichkeit vorwirft. Robespierre wird Danton samt seinen Freunden aufs Schafott bringen, die Diktatur wird die Revolution ablösen.
Aufführungen bis zum 28.5.2010
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