Cristina Brancos Stimme wird als eine der schönsten Portugals gefeiert. Melancholie, Leid und Ohnmacht gegenüber dem Schicksal - die bevorzugten Themen der 36-jährigen Portugiesin gehören zur Quintessenz des traditionellen Fado. Das gilt allerdings nicht für die Wege, die Cristina Branco in der musikalischen Umsetzung ihrer Texte und Ideen beschreitet. Sie ist eine der herausragenden Vertreterinnen des so genannten Neuen Fado, der das herkömmliche Instrumentarium (Gitarre, Viola, Bass), im Gegensatz zur strengen Tradition, um zusätzliche Instrumente wie Akkordeon, Violine und Klavier erweitert. Anklänge von Jazz und Bossa Nova, die teilweise gewagten Texte und auch mal der eine oder andere fast fröhliche Upbeat-Song: Mit Cristina Branco ist der Fado ganz im Hier und Heute angekommen.
'Als Portugiesin liegt mir der Fado im Blut', sagt Branco. Aber das war nicht immer so. Als Teenager erwachte zunächst ihr Interesse für Jazz und Blues, für Bossa Nova und Rock. Die musikalischen Idiome ihrer Jugendidole Ella Fitzgerald und Sarah Vaughan lässt sie bis heute in den einen oder anderen Song einfließen. Ähnlich ihrer berühmten Kollegin Mísia kam die in der nordöstlich von Lissabon gelegenen Kleinstadt Almeirim geborene Sängerin erst relativ spät zum Fado. Die Schallplatten von der Fado-Legende Amália Rodriguez weckten in Cristina Branco das Interesse für eine Musikrichtung, die von den jüngeren Generationen Portugals lange Zeit als Symbol für den verknöcherten Mief und die Rückschrittlichkeit der Jahre der Salazar-Diktatur abgelehnt wurde. In diesem Zusammenhang ist es bezeichnend, dass Branco sich nicht als Fadista im traditionellen Sinn betrachtet, sondern als Cantora de fado, als eine Sängerin, die Fados interpretiert. Wer Portugals Geschichte kennt, der versteht, dass es sich dabei durchaus nicht um Spitzfindigkeit handelt.
Ihre ersten Auftritte hatte Cristina Branco im Jahr 1997, ihre Debüt-CD entstand im Jahr darauf in Holland. Schon bald wurde sie unter Kennern als neue Hoffnung des Fado gefeiert - eine Hoffnung, die sie mit dem künstlerischen und kommerziellen Erfolg von Veröffentlichungen wie 'Corpo Iluminado' (2001), 'Sensus' (2003) oder 'Ulisses' (2005) längst erfüllt hat. Bei ihrem nunmehr zweiten Besuch in der Centralstation am Donnerstag, dem 3. Dezember, stellt Cristina Branco ihr neues Album 'Kronos' vor, auf dem sie sich ganz dem Thema 'Zeit' widmet. (RED)
Centralstation - Im Carree - 64283 Darmstadt - Saal 3. OG, bestuhlt
am 3.12.2009 um 20 Uhr, siehe Infos unter www.centralticket.de
Weitere Tourdaten:
26.11.2009 München Prinzregententheater
1.12.2009 Basel, Kasino
4.12.2009 Wien, Konzerthaus

