Der Auseinander-setzung mit dem antiken Stoffkomplex um Phädra, der Gattin des Theseus, die sich wie wahnsinnig in ihren Stiefsohn Hippolyt verliebt, am Umgang mit dieser Situation scheitert und schließlich sich und das Objekt ihrer Begierde ins Verderben stürzt, liegt die Übersetzung Schillers (1805) der Tragödie von Racine (1677) zu Grunde.
Drei Akteure spüren als Phädra, Hippolyt und der von diesem geliebten Aricia (aus dem mit Theseus verfeindeten Königsgeschlecht der Pallantiden) dem komplexen Geflecht dieser Dreierkonstellation im Spannungsfeld von instinktiver Liebe und kategorischen gesellschaftlichen Normen nach.
Über eine naturalistisch-psychologische Deutung hinaus gehend finden sie dafür auch stilisierende, ausdrucksstarke Bilder mit choreografierten Bewegungsabläufen und schaffen musikalische Atmosphären durch Stimmkompositionen und archaische Rhythmen.
Die weiteren Rollen – nahe Vertraute der drei Hauptfiguren – werden von zufällig ausgewählten, schlichten Puppen heutiger Popkultur übernommen, die jeweils von den korrelierenden Personen geführt und gesprochen werden. Sie dringen wie Fremdkörper in die ihnen ferne Sphäre der Tragödie ein, ständig am Rand des Scheiterns an dieser für sie hoch gesteckten Aufgabe.
Dieser Kunstgriff bildet auf ungewohnte Deutlichkeit ständig präsent die Konfrontation von „normaler“ Realität mit der künstlerisch-dramatischen Überhöhung menschlicher Tragik ab und setzt Erkenntnisprozesse in Gang zu Fragen wie:
Was bedeutet die Inszenierung von Tod als Konsequenz eines menschlichen Scheiterns? Ist es überhaupt möglich, den realen Tod in der Kunst abzubilden? Oder ist jede Inszenierung des Todes bereits ein Missverständnis, da Tod genau das Gegenteil davon ist? Ist wahres Leid nicht gerade unspektakulär?
Das bewusst artifizielle Zelebrieren des Todes auf der Bühne der Tragödie erschließt sich so zu einem menschlich-sozialen Erfolg für das reale Leben.
Über Nysa Kultur:
Nysa Kultur ist eine im Januar 2007 gegründete freie Kulturproduktionsinitiative um den Theaterschaffenden Maximilian Ponader. Der Name bezieht sich auf die Insel Nysa, auf der nach dem antik-griechischen Mythos die nysischen Nymphen den Säugling Dionysos zum lustvollen Gott des Theaters großzogen.
Diese dionysisch-exstatische Kraft verbunden mit nymphisch-poetischer Ästhetik ist Programm von Nysa Kultur. Bisherige Projekte waren Umsetzungen u. a. dieser Musiktheaterwerke von Maximilian Ponader:
„Nysas Nymphen“, ein Musiktheaterprojekt auf der Campus-Bühne der Universität Hamburg, „Könixrennerei“, eine Kinderoper an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und „Gräfinnen von Wilhelmsburg“, eine Freilicht-Musiktheaterperformance im Rahmen des IBA Kunst- und Kultursommers 2007.
Termine:
Samstag, 13. November 2010 (Premiere),
Sonntag, 14. November 2010,
Donnerstag, 18. November 2010 und
Freitag, 19. November 2010 jeweils um 20:00 Uhr
Kartenpreise im Vorverkauf: 15,00 Euro / ermäßigt 10,00 Euro zzgl. VVK-Gebühren
Kartenpreise Abendkasse: 18,00 Euro / ermäßigt 12,50 Euro
Besetzung
Phädra: Cornelia Haslbauer
Hippolyt:Maximilian Ponader
Aricia: Sina Magdalena Morcinek
Regie: Maximilian Ponader
Kontakt
Hamburger Sprechwerk
Andreas Lübbers, Klaus-Groth-Str. 23, 20535 Hamburg, Tel. 040 - 2442 3930

