Die Produktion der Compagnie Käfig beginnt mit ihrer allerneuesten Choreografie ‚Correria‘. Im entfesselten Tanz der Mitwirkenden kommt die Energie und Leidenschaft für die diversen Tanzstile besonders gut zum Ausdruck. In der Bewegungssprache lässt sich die manchmal bis zur Wut gesteigerte Energie ablesen, die nötig ist, um sich in einer bisweilen gnadenlosen Welt zu behaupten und einen von der Gesellschaft akzeptierten Platz zu erkämpfen. ‚Correria‘ beschreibt einen Wettlauf, der sich als hektischer, lebhafter und von pulsierenden Rhythmen bestimmter, aber auch lustvoller Kampf gegen die unerbittliche Zeit darstellt.
‚Agwa’ ist das Resultat einer Begegnung des Choreografen Mourad Merzouki mit Tänzern aus Rio de Janeiro bei der Biennale de la Danse in Lyon im Jahr 2006. Die Ausdruckskraft der Darsteller inspirierte Mourad Merzouki zu einem Tanzabend, der ganz im Zeichen des Wassers (portugiesisch: agoa) steht und 2008 zuerst in Rio de Janeiro und später in Lyon gezeigt wurde. Das Wasser, aus dem der menschliche Körper größtenteils besteht, symbolisiert das Leben in seiner Entwicklungsmöglichkeit und Wandlungsfähigkeit. Bedroht von Verschmutzung und Knappheit ist das nasse Element eine der wichtigsten natürlichen Ressourcen, die des Schutzes bedarf.
Mourad Merzouki lässt die Gruppe so lange tanzen, bis das Wasser verschwunden ist und es in seinem Fehlen erst recht eine fühlbare Präsenz gewinnt. Mit ‚Agwa’ ist der Compagnie eine berührende und sinnliche Produktion gelungen, die nicht nur die Ökologie, sondern auch soziale Zusammenhänge ins Blickfeld rückt.
Wenn man die Biografien der elf Tänzer studiert, gewinnt die Arbeit von Mourad Merzouki eine zusätzliche Dimension. Alle stammen aus den Favelas um Rio de Janeiro, den Armenvierteln, die sich an den Rändern praktisch jeder großen Stadt Brasiliens befinden. In diesen unzureichend erschlossenen Vierteln riesigen Ausmaßes beansprucht der tägliche Kampf um die Grundversorgung mit Nahrung, Strom und vor allem Wasser einen großen Platz im Leben der Bewohnerinnen und Bewohner.
Das ambitionierte Projekt von Künstlern aus Frankreich und Brasilien zeigt in der Produktion ‚Correria/Agwa‘ die Begegnung verschiedener künstlerischer und sozialer Welten. Die Tänzer vermischen ohne Vorurteile Elemente aus Hip-Hop, Capoeira, Samba, Bossa Nova und Akrobatik zu einem atemberaubenden, energiegeladenen und erfindungsreichen Tanz.
,Käfig’, die erste Produktion aus dem Jahr 1996 der Compagnie Käfig aus Lyon, gab der Gruppe zugleich ihren Namen. Sowohl auf Deutsch als auch auf Arabisch bezeichnet das Wort das Gleiche. Für Mourad Merzouki steht der Name für die Offenheit gegenüber verschiedenen Tanzstilen und Tanzsparten, die sich nicht isoliert, sondern im Austausch mit anderen Tanz- und Theaterformen weiterentwickeln sollen. Ausgehend von den Bewegungssprachen des Hip-Hop und des modernen Tanzes strebt die Compagnie einen Dialog an zwischen den verschiedenen Künsten, die sich dem Thema Bewegung verschrieben haben. 1998 wurde die Compagnie Käfig mit ihrer zweiten Produktion ‚Récital‘ weltbekannt. Vorstellungen fanden in 40 verschiedenen Ländern statt.
2001 schuf Merzouki den Tanzabend ‚Dix Versions‘ für die Tanzstätte Maison de la Danse in Lyon. Zusammen mit Tänzern aus New York entstand ein Abend, der sich mit geometrischen Formen und abstrakten Plastiken auseinandersetzte. Im Stück ‚Terrain vague‘ aus dem Jahr 2006 widmete sich die Compagnie zum ersten Mal mit großem Erfolg einem erzählerischen Stoff. Zwei Jahre später entstand die Produktion ‚Agwa‘ mit elf Tänzern aus Brasilien. Die neue Fassung von ‚Agwa‘ wurde zusammen mit ‚Correira‘ am 20. Januar dieses Jahres in Lyon uraufgefüh
Mourad Merzouki ist eine der wichtigsten Figuren in der Hip-Hop-Szene seit den frühen 90er Jahren. Er arbeitet an der Verbindung verschiedener Disziplinen und kombiniert Techniken aus der Zirkusartistik mit Kampfsportarten und modernem Tanz, wobei es ihm ein Anliegen ist, die verschiedenen Bewegungs- und Ausdruckssprachen nicht zu verwässern. Mit 7 Jahren nahm Mourad Merzouki Unterricht an einer Zirkusschule in Lyon und besuchte Kurse in Karate und Boxen. Den Hip-Hop entdeckte er mit 15 Jahren. Zuerst zeigte er sein Können auf der Straße und begann dann zusammen mit Kader Attou für andere Tänzer zu choreografieren. Ab 1994 bildete er sich weiter bei zeitgenössischen Choreografen wie Jean-François Duroure und Josef Nadj. Seine erste vollständig unabhängig produzierte Choreografie ‚Käfig‘ präsentierte Merzouki mit großem Erfolg an den Rencontres Urbaines de la Vilette in Paris. Seither ist die Gruppe auch einem internationalen Publikum bekannt, woran auch die Zusammenarbeit von Merzouki mit ausländischen Künstlern und Compagnien großen Anteil hat.
So erarbeitete kürzlich die auch bei den Internationalen Maifestspielen auftretende Beijing Modern Dance Company Merzoukis Choreografie zu seinem Stück ‚Recital‘.
Mourad Merzoukis Produktion ‚Agwa‘, die er mit brasilianischen Tänzern entwickelte, ließ das Publikum von den Sesseln aufspringen. Neben tausend Ideen genügt ihm ein einzelnes Requisit. (L’Echo) Merzouki schafft es tatsächlich, ein Kollektiv zu präsentieren, in dem jedes Individuum präsent bleibt. (ballettanz)
Aufführung
Montag, den 31.05.2010, 19.30 Uhr
Großes Haus
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