Kinderherzen hängen an dem freien, frechen und unendlich herzlichen kleinen Mädchen mit den roten Zöpfen. Kein Wunder, denn sie ist das stärkste Mädchen der Welt und zeigt den Erwachsenen, was Lebensfreude ist. Das gefällt nicht nur den Kleinsten im Publikum.
Clingenburg Festspiele 2014
Villa Kunterbunt steht auf der Fassade des Häuschens, in dem Pippi mit Pferd Kleiner Onkel und Affe Herr Nilsson wohnt. Sie schlägt Purzelbäume und spricht mit sich selbst und ihren beiden Tieren. Zu Anfang trällert Pippi (gespielt von einer überschäumenden und zugleich einfühlsamen Eva Wiedemann selbstverständlich ihr Liedchen, das keinem mehr aus dem Kopf geht: "Ich hab ein Haus, ein kunterbuntes Haus ...“. Intendant und Regisseur Marcel Krohn hat den Klassiker von Astrid Lindgren als Kinderstück ausgewählt, weil es so zeitlos schön und erfrischend ist. Dabei ist das Ensemble für ein Kindertheater ziemlich groß, denn schließlich spielt Pippis mGeschichte nicht nur in der Villa Kunterbunt, sondern auch auf dem Jahrmarkt, beim Kaffeekränzchen, in der Schule oder am Strand, wo Pippis bärenstarker Seeräuberpapa (Daniel Soran auch in der Rolle als Starker Adolf) am Ende landet, um sein wildes Mädchen wieder mit an Bord zu nehmen.
Immer ist etwas fürs Auge und die Ohren geboten. Egal, ob die allein wohnende Pippi die zwei etwas törichten Diebe (Tristan Fabian und Evgenij Verenin) in die Flucht schlägt, ob sie von stotternden Polizisten (Gernot Endemann und Günter Rüdiger) verfolgt wird oder eine Schulstunde in Anarchie enden lässt, so dass die Lehrerin (Sabine Schmidt -Kirchner) entnervt aufgibt. Dabei ist das clevere Mädchen, das altkluge Erwachsene auch gerne mal dumm aussehen lässt, nie herzlos oder überheblich. Sie ist im Gegenteil so wunderbar naiv gutmütig, dass es den Erwachsenen die Sprache verschlägt. Und während Pippi sich ganz fröhlich alleine durchs Leben schlägt, ist sie doch nie einsam. Denn ihre tote Mama wacht vom Himmel aus über sie.
Und Pippi weiß ganz sicher, dass ihr von Bord seines Piratenschiffs gespülter Papa nicht ertrunken, sondern noch am Leben ist und zu ihr zurück kommen wird. In der Zwischenzeit schließt sie Freundschaft mit den wohlerzogenen Nachbarskindern Annika (Alexandra Kurzeja) und Tommy (Vasilios Zavrakis), die von der Kostümbildnerin Ulla Birkelbach in schwedische Landestracht gesteckt wurden, während Pippi natürlich im Flickenkittel mit den obligatorischen kunterbunten Strümpfen herum wirbelt. Jeder kleine und große Zuschauer hat seine Pippi so im Kopf. Und jeder fühlt das eigene unbändige kleine Kind in sich, wenn er die Aufführung mit dem von der Veranda aus zuschauenden Pappmaché -Pferd und der immer mitgestikulierenden Handpuppe in Äffchenform verfolgt.
Eva Wiedemann fegt putzmunter als Pippi über die Bühne und reißt einfach mit. Als herrlicher Gegenpart stöckeln Pia Lustenberger als Frau Settergren, Nadja Görts als Frau Granberg und Susanne Anders als Frau Prysselius über die Bühne, die andauernd sagt: „Man muss dieses Kind in Obhut nehmen“. Tatsächlich gibt es einen Wendepunkt: Als Pippi in die Torte beim Kaffeekränzchen fällt, jammert sie: „ Ich bin ein Unglückskind, i ch wäre besser auf dem Meer geblieben“. Doch als ihr bärtiger Papa sie tatsächlich holen kommt, entscheidet sie sich, in ihrer Villa und bei ihren Freunden Annika und Thommy zu bleiben.
Freunde der Kunst
Sie, die immer laut protestiert „Wir müssen gar nichts“, ist also auch ein bisschen erwachsener geworden. So birgt das kunterbunte Stück für jedes Alter etwas: Die Kleinen ab mindestens vier Jahren haben viel zu schauen und mit zu klatschen, und die Größeren und Großen freuen sich an Pippis Welt aus Fantasie, Mut und Lebensfreude. Es ist schwer auszumachen, wem Pippi Langstrumpf besser gefallen hat, den Kindern oder den vielen erwachsenen Begleitern. Heftig geklatscht haben jedenfalls alle , als sich das ganze Ensemble am Ende nochmals auf der Bühne versammelte.
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Pippi Langstrumpf wohnt mit ihrem Pferd „Kleiner Onkel“ und dem kleinen Affen „Herrn Nilsson“ in der Villa Kunterbunt und macht, was sie will; © appeal


