Als Monet sich 1890 in Giverny nördlich von Paris niederließ und dort seinen Garten mit dem berühmten Seerosenteich anlegte, eröffnete er der Kunst damit ganz neue Möglichkeiten. Aus den Spiegelungen im Teich gestaltete Monet Bilder, in welchen das Oben und Unten nicht mehr eindeutig zu bestimmen ist. Welche Pflanzen, Blumen und Blüten befinden sich tatsächlich in dem Teich, welche spiegeln sich nur darin, fragt sich der erstaunte Betrachter dieser Bilder.
Dimensionen und Perspektive geraten aus dem Gleichgewicht, eine getreue Maßstäblichkeit ist in diesen großen Gemälden nicht mehr festzustellen. Monet hat damit alle Dimensionen der Malerei gesprengt. Es ist ihm gelungen, die Malerei aus der Gegenständlichkeit des 19. Jahrhunderts zu befreien und die Fenster zu einer völlig neuen Kunst, zur Abstraktion, zum Absoluten aufzustoßen.
Darin liegt Monets bedeutendste künstlerische Leistung, und deshalb sollen in unserer Ausstellung die berühmten Seerosenbilder eine besondere Stellung einnehmen. Wir zeigen aber nicht nur die grandiosen späten Seerosenbilder, sondern Werke aus allen Schaffensphasen Monets.
In der Hinführung vom Frühwerk über die Zeit, in welcher er sich an die Meister von Barbizon anlehnte, dann die hohe Zeit der impressionistischen Bilder, wird das alle Maßstäbe sprengende Spätwerk umso klarer erkennbar hervortreten.
Wir beginnen daher mit den seltenen Karikaturen, die Monet in seiner Schulzeit anfertigte, zeigen sodann den Einfluss, den der Marinemaler Eugène Boudin auf Monet hatte sowie Werke, die seine akademische Ausbildung widerspiegeln.
1873 malte Monet das Bild „Impression – Soleil levant (Sonnenaufgang), das dem Impressionismus seinen Namen gab. Die Bilder aus dieser Zeit stellen einen ersten Höhepunkt unserer Ausstellung dar. Wir wollen sie verbinden mit Werken der impressionistischen Freunde Monets, mit Gemälden von Degas, Renoir, Pissarro, Sisley, Cézanne und anderen.
1889 und 1892 begann Monet mit zwei für die Geschichte der Kunst ganz neuen Projekten: Er malte die Bildserien der Heuschober und der Fassade der Kathedrale von Rouen, wobei es ihm auf die Darstellung der jeweiligen besonderen Lichtstimmung ankam. Das Arbeiten inBildserien war bis dahin nicht üblich. Monet führte damit mit Bravour eine neue Methode in die Kunst ein. Auch aus diesen Serien zeigen wir in unserer Ausstellung einige Beispiele.
Es ist uns gelungen, eine größere Werkgruppe Monets, vor allem der „Nympheas, aus dem Musée Marmottan-Monet, Paris, als Leihgabe zu erhalten. Diese enge Kooperation mit dem Musée Marmottan-Monet macht unsere Ausstellung überhaupt erst möglich. Die großformatigen Seerosenbilder aus unserem Partnermuseum bilden den Abschluss und Höhepunkt der Ausstellung.
Nach verschiedenen Ausstellungen, die Teilaspekte zum Werk Monets zeigten, etwa „die Felder oder auch Bilder seiner Geliebten und Frau Camille, bieten wir in dieser groß angelegten Ausstellung unserem Publikum einen neuen umfassenden Blick auf dieses Malergenie.
Begleitet wird diese große Ausstellung von einem Katalog, in welchem Experten die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse in allgemein verständlicher Form vortragen und anhand der prächtigen Abbildungen erläutern.
Zur Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem ZDF ein Film, der das Leben und Wirken Monets an den Originalschauplätzen und in den Bildern lebendig werden lässt.
Vita:Claude Oscar Monet
1840 Claude Oscar Monet wird am 14. November als zweiter Sohn des Kolonialwarenhändlers Claude Adolphe Monet und seiner Frau Louise Jusine in Paris geboren.
1845 Umzug der Familie Monet nach Le Havre. Kinderjahre und Schulzeit verbringt Monet in Le Havre.
1855 Monet fertigt Karikaturen an, die er in Le Havre für 10 bis 20 Francs verkauft.
1856 Zeichenunterricht bei Charles- Francois Ochar, einem ehemaligen Schüler von Jaques-Louis David.
1857 Tod der Mutter. Seine Tante Marie-Jeanne Lecadre übernimmt Mutterpflichten.
1858 Begegnung und Freundschaft mit Eugène Boudin, mit dem er im Freien an der Küste erste Pastell- und Ölbilder malt. Erstmals Ausstellung eines Ölgemäldes (Ansicht von Rouelles) in Le Havre.
1859 Beginn des Studiums der Malerei in Paris. Eintritt in die Academie Suisse. Schliesst dort Freundschaft mit Camille Pissarro.
1861 Militärdienst bei den „Chasseurs d'Afrique" in Algerien, wegen Typhuserkrankung nach Frankreich zurückgeschickt.
1862 Erholungsurlaub in Le Havre, dort Begegnung mit dem holländischen Maler Johan Barthold Jongkind (1819- 1891), mit dem er sich eng befreundet. In Paris Schüler im Atelier von Charles Gleyre, wo auch Jean-Frédéric Bazille, Pierre-Auguste Renoir und Alfred Sisley arbeiten.
1863 Bilder von Edouard Manet beeinflussen ihn und seine Palette hellt sich merklich auf. Freilichtmalerei mit seinen Studienkollegen im Wald von Fontainebleau.
1864 Malaufenthalt an der normannischen Küste bei Honfleur. Begegnung mit seinem ersten Förderer, dem Reeder Gaudibert.
1865 Erste Ausstellung im Salon. In Chailly ensteht das große Freilichtgemälde Das Frühstück im Grünen. Malt später in Trouville in der Normandie mit Boudin, Courbet und Daubigny.
1866 Großer Erfolg im Salon mit dem Porträt Camille oder Dame im grünen Kleid, für das seine Geliebte, Camille Doncieux Modell stand. Lobender Artikel von Zola, mit dem er sich eng befreundet. Malt in Sainte-Adresse sowie in Honfleur mit Boudin und Courbet.
1868 Gemeinsames Atelier mit Bazille. Seine Frauen im Garten werden vom Salon abgelehnt. Am 8. August Geburt von Claudes und Camilles Sohn Jean.
1868 Aufenthalt in Bennecourt an der Seine, wo er sich aus Geldnot zu ertränken versucht. Der Salon zeigt ein Hafenbild von Le Havre. Mit Camille und Jean in Fécamp an der normannischen Küste. Pfändung von Bildern, die Gaudibert zurückkauft. .
1869 Zurückweisung durch den Salon. Malt zusammen mit Renoir an der Seine Darstellungen von La Grenouillère.1870Ablehnung durch den Salon. Am 26.Juni Heirat mit Camille Leonie Doncieux. Malt in Trouville mit Boudin. Ausbruch des Krieges zwischen Frankreich und Deutschland. Flucht nach London, dort Studium der Bilder von William Turner und John Constable. Bekanntschaft mit dem Pariser Kunsthändler Paul Durand-Ruel.
1871 Nachricht vom Tode des Vaters. Waffenstillstand zwischen Frankreich und Deutschland. Abreise nach Zaandam in Holland, dort Erwerb japanischer Drucke. Übersiedlung nach Argenteuil, ebenda Haus mit Blumengarten und durch Camilles Erbe und Mitgift Beginn eines sorgenfreieren Lebens.
1872 Bau eines schwimmenden Atelierbootes. Malt in Le Havre (Impression. Sonnenaufgang), im Sommer in Holland und im Winter mit Renoir in Argenteuil.
1873 Freundschaft mit Gustave Caillebotte. Gründung der Vereinigung unabhängiger Künstler, um die eigenen Werke außerhalb des Salons auszustellen. Monet wird führender Kopf dieser Malergruppe.
1874 Erste Ausstellung der Vereinigung im Atelier des Fotografen Félix Nadar am Boulevard des Capucines in Paris. Monets Bild Impression. Sonnenaufgang wird durch einen Artikel des Kritikers Louis Leroy namengebend für die Gruppe der Impressionisten. Malt im Sommer mit Manet und Renoir in Argenteuil.
1875 Materielle Notsituation in Argenteuil. Monet malt Schneelandschaften.
1876 Freundschaft mit dem Kaufhausmagnaten Ernest Hoschedé.
1877 Dritte Impressionisten-Ausstellung mit 30 Bildern von Monet, darunter sieben Werke des Bahnhofs Saint-Lazare. Erste Nummer der Zeitung ,L`Impressionniste`. Bankrott des Mäzens Ernest Hoschedé bringt Monet und seine Familie in finanzielle Schwierigkeiten.
1878 Übersiedlung von Argenteuil nach Paris, dort Geburt des zweiten Sohnes Michel. Im August Umzug nach Vétheuil an der Seine, wohin Hoschedé und seine Frau Alice mit ihren sechs Kindern folgen. Verschlechterung von Camilles Gesundheitszustand.
1879 Vierte Impressionisten-Ausstellung mit 29 Bildern von Monet, Tod der erst 32-jährigen Camille. Alice Hoschedé übernimmt die Fürsorge für die beiden Söhne Monets, zusätzlich zu ihren eigenen sechs Kindern. Im folgenden sehr harten Winter malt Monet mehrere Bilder von der verschneiten Landschaft und dem Eisgang auf der Seine.
1880 Fünfte Impressionisten-Ausstellung ohne Teilnahme von Monet, Renoir und Sisley. Monet ist im Salon mit einem Bild vertreten. Einzelausstellung in den Räumen von Georges Charpentiers Zeitschrift ,La Vie Moderne`mit 18 Werken.
1881 Arbeitsaufenthalt an der Küste der Normandie (Dieppe, Fécamp, Pourville, Varengeville, Etretat, Trouville). Übersiedlung von Vétheuil nach Poissy an der Seine, wohin ihm Alice Hoschedé - gegen den Willen ihres Mannes - mit den Kindern folgt.
1882 Erneuter Malaufenthalt an der Küste der Normandie und Beteiligung an der siebten Impressionisten-Ausstellung mit 35 Bildern.
1883 Anfang des Jahres in Le Havre und Etretat, anschließend Retrospektive bei Durand-Ruel in Paris mit 56 Gemälden. Umzug nach Giverny an der Mündung der Epte in die Seine. Florale Innenraumdekorationen für Durand-Ruels Wohnung in Paris.
1884 Aufenthalt an der französischen Riviera.
1886 Monet malt Figurenbilder im Freien sowie Küstenbilder in Etretat und in Belle-Ile-en-Mer in der Bretagne.
1887 Erfolgreiche Ausstellung bei dem Pariser Galeristen Georges Petit mit 15 Arbeiten, davon 10 Ansichten von Belle-Ile. Durand-Ruel eröffnet eine Galerie in New York und zeigt Bilder von Monet.
1888 Wiederholter Aufenthalt an der Côte Azur. Einzelausstellung in der Galerie Boussod & Valadon in Paris, die der Kunsthändler Theo van Gogh, der Bruder Vincent van Goghs, veranstaltete. Aufenthalt in London. Verweigert das Kreuz der Ehrenlegion. Beginn der Getreideschoberserie.
1889 Malt Creuse-Landschaften in Fresselines. Sensationelle Retrospektive bei Georges Petit in Paris mit 145 Arbeiten von Monet aus der Zeit von 1864 bis 1889 und Werken von Auguste Rodin. Erzielt erstmals Rekordpreise von mehr als 10.000 Francs für ein Gemälde.
1890 Fortsetzung der Getreideschoberserie sowie neue Bilderserien mit Mohnblumenfeldern und Pappeln am Ufer der Epte. Ankauf von Haus und Garten in Giverny, dabei intensive Gartenumgestaltung.
1891 Tod von Ernest Hoschedé. Erfolgreiche Ausstellung bei Durand-Ruel mit 22 Werken, darunter 15 Getreideschober.
1892 Neue Bilderserie mit der Kathedrale von Rouen. Heiratet Alice Hoschedé.
1893 Eisgangbilder auf der Seine bei Bennecourt und Port- Villez. Erwerb des Wiesengrundstücks hinter dem Haus in Giverny, das Monet zu einem Wassergarten mit Seerosenteich ausbaut. Fortsetzung der Kathedralenserie. Weltausstellung in Chicago zeigt Gemälde von Monet und anderen Impressionisten.
1894 Bildpreise von 15.000 Francs pro Einzelansicht der Kathedralenserie.
1895 Reise nach Norwegen, Bau der japanischen Brücke im Seerosengarten und erste Darstellungen davon.
1896 Reise in die Normandie (Dieppe, Pourville und Varengeville) und Beginn der Serie Morgen an der Seine in der Nähe von Giverny.
1897 Bau eines zweiten Ateliers, um dort im Winter zu arbeiten. An der normannischen Küste (Pourville) tätig. Zweite Biennale in Venedig zeigt 20 Gemälde Monets.
1898 Öffentliche Debatte um den französischen Hauptmann Alfred Dreyfus spaltet die Kunstwelt. Monet wie Zola treten für den Freispruch von Dreyfus ein.
1900 In London Fortführung der Themseserie, später in Vétheuil tätig.
1901 Malt letztmalig in London Bilder der Themseserie. Vergrößerung seines Wassergartens und Anbau exotischer Pflanzen sowie Überwölbung der japanischen Brücke.
1902Ausstellung in der Galerie Bernheim-Jeune in Paris mit Arbeiten von Pissarro und Monet.
1903 Erstes datiertes Bild der zweiten Seerosenserie. Tod von Camille Pissarro.
1904 Mit Alice Reise nach Madrid, dort im Prado Studium der Werke der spanischen Meister.
1906 Ausstellung bei Durand-Ruel mit 17 Bildern von Monet. Tod von Cézanne. Clemenceau wird Premierminister (bis Juli 1909 und November 1917 bis Januar 1920).
1907 Arbeitet fast ausschließlich an der Seerosenserie. Staatlicher Ankauf einer Kathedrale von Rouen für das Palais du Luxembourg.
1908 Nachlassen des Augenlichts und nachfolgende Diagnose eines doppelseitigen Grauen Stars. Arbeitsreise nach Venedig mit Alice, dort Bilderserie, die bis 1912 meist aus dem Gedächtnis beendet wird. Wiederaufnahme der Seerosenserie.
1909 Erkrankung von Alice. Ausstellung bei Durand-Ruel mit 48 Bildern der Seerosenserie, die zwischen 1903 und 1908 entstanden.
1911 Monets Sehvermögen verschlechtert sich. Vergrößerung des Seerosenteichs. Tod von Alice.
1912 Fertigstellung der Venedigserie, von denen 29 Bilder mit enormen Erfolg bei Bernheim-Jeune ausgestellt werden.
1914 Plan der Schenkung von Seerosen an den französischen Staat. Tod von Jean Monet. Dessen Witwe, Blanche, übernimmt die Führung des Haushalts und wird Monets enge Vertraute. Ausbruch des Ersten Weltkriegs und Einberufung von Michel Monet.
1915 Ausbau eines dritten Ateliers für großformatige Seerosenbilder und die geplante Seerosendekoration.
1918 Waffenstillstand ist Anlass für eine Schenkung von acht Seerosenbildern an den französischen Staat.
1919 Verschlechterung des Augenleidens, dennoch Weiterarbeit an den Motiven seines Wassergarten. Verweigert Augenoperation aus Angst vor Erblindung. Tod von Auguste Renoir.
1920 Erweiterung der Schenkung von Seerosenbildern an den Staat auf zwölf Bilder. Monet lehnt Mitgliedschaft im "Institut de France" ab.
1921 Augenleiden und arbeitslähmende Depressionen. Idee einer Rücknahme der Schenkung trifft auf Widerstand bei Clemenceau.
1922 Unterzeichnung des Vertrages über die Schenkung der Seerosendekoration für die Pariser Orangerie.
1923 Augenoperation bringt Augenlicht teilweise zurück, danach Wiederaufnahme der Malerei an den Seerosenbildern.
1924 Arbeit an den Seerosenbildern im Freien wie im Atelier. Depressionen und Zweifel an der eigenen Leistung führen zur Zerstörung und Verbrennung mehrerer Seerosenbilder.
1925 Erzielt Höchstpreise von 200.000 Francs (Frauen im Ruderboot). Bettlägrigkeit, verbunden mit schwindendem Augenlicht. Monet stirbt am 6. Dezember im Alter von 86 Jahren iin seinem Haus in Giverny und wird am 8. Dezember in Giverny begraben (auf seinen Wunsch ohne Pomp und Ansprachen).
1926 Öffentliche Einweihung der Seerosendekoration am 17. Mai im Musée de l`Orangerie des Tuileries.
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