Carmen wird von vielen begehrt, ihrem Freiheitswillen aber ist kaum jemand gewachsen. Dem Sergeanten Don José wirft sie eine Blume zu – eine erotische Aufforderung, eine Herausforderung, eine Forderung. Diese Liebe ist ein Kampf auf Leben und Tod. Sie führt Don José, der sich nicht von seinem Streben nach Reinheit, und Geborgenheit lösen kann auf ungesichertes Terrain, wo er, der Entwurzelte, zum Mörder wird.
Die Uraufführung im Jahre 1875 war ein Misserfolg. Allzu unmoralisch, allzu skandalös schien den Zeitgenossen die Titelfigur. Dann setzte der Siegeszug der Oper ein, bei dem Carmen – die sich ihrem Wesen nach so sehr jedem Klischee und jeder Festschreibung widersetzt – von Vorurteilen nicht verschont blieb. Nicht nur die dem „Hispanismo“ verpflichtete, andalusisches Flair atmende Musik fasziniert bis heute das Publikum, sondern auch die Titelfigur: Carmens Liebe kennt keinen Himmel, sie lebt ihr Leben auf eigene Rechnung und sieht dem Tod gefasst ins Auge.
Das lässt sie manchem, der ihr begegnet, als höllischen Dämon erscheinen. Was erwartet José von dieser „femme fatale“, die zur Projektionsfläche erotischer Fantasien wurde? Von Carmen, deren Wesen dem seinen so entgegensetzt ist? – Wie viel Freiheit verträgt der Mensch?
Peer Boysen ist seit vielen Jahren als Regisseur und Bühnenbildner an zahlreichen Opernhäusern tätig, darunter zuletzt am Münchner Gärtnerplatz- und Prinzregententheater, der Dresdner Semperoper, der Oper Köln, an den Theatern in Wien, Innsbruck und Montpellier, bei den Händel-Festspielen Karlsruhe sowie den Ludwigsburger Schlossfestspielen. Am Staatstheater Mainz war – nach seinen Regiearbeiten von Verdis „Don Carlo“ und Webers „Freischütz“ – in der Spielzeit 2008 / 2009 seine Inszenierung von Glucks „La Semiramide riconosciuta“ zu erleben.
Premiere am 11. September 2009, Großes Haus
Libretto von Henri Meilhac und Ludovic Halévy nach Prosper Merimées gleichnamiger Novelle
In Französischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung Catherine Rückwardt
Inszenierung und Bühne Peer Boysen
Kostüme Ulrike Schlemm
Peer Boysen | Regie, Bühne, Kostüm
Peer Boysen stammt aus Bochum. Nach dem Abitur in Hamburg und mehreren Assistenzen erhielt er 1984 sein erstes Festengagement als Bühnenbildner am Mainzer Theater. Daneben arbeitete er für die Theater in Ulm, Gießen, Stuttgart, Kaiserslautern, Hannover, München und Wien. 1990 gab er sein Regiedebüt an der Münchner Schauburg, die ihm darauf ein festes Engagement anbot. Als Opernregisseur debütierte Peer Boysen 1994 in Wiesbaden mit Händels „Oreste“, „Serse“ und „Rinaldo“.
Weitere Händel-Inszenierungen folgten: „Deidamia“ mit La Stagione Frankfurt unter Michael Schneider für die Händel-Festspiele Göttingen, „Giustino“, „Almira“, „La Resurrezione“ und „Giulio Cesare“ für die Händel-Festspiele Karlsruhe sowie „Rodelinda“ für die Händel-Festspiele Halle – alle mit dem Dirigenten Michael Hofstetter, mit dem Peer Boysen seither eine enge Zusammenarbeit verbindet, die mit Glucks „Ezio“ und Cimarosas „Gli Orazi e i Curiazi“ für die Schlossfestspiele Ludwigsburg ihre Fortsetzung fand. Weitere Inszenierungen entstanden ebenfalls in Personalunion als Regisseur und Ausstatter am Münchner Gärtnerplatztheater, Prinzregententheater und der Münchner Biennale, der Dresdner Semperoper, dem Theater an der Wien, der Wiener Volksoper, dem Marinskijtheater St. Petersburg sowie an den Theatern in Freiburg, Weimar, Bremen, Bielefeld, Köln und Montpellier.
Das Landestheater Innsbruck verpflichtete ihn 2004 für einen Zyklus mit Mozarts da Ponte-Opern „Le nozze di Figaro“, „Don Giovanni“ und „Così fan tutte“. Am Staatstheater Mainz waren seine Inszenierungen von Verdis „Don Carlo“ und Webers „Freischütz“ zu sehen. In dieser Saison folgen u. a. Rameaus „Platée“ in Augsburg, Burkhards „Feuerwerk“ in Karlsruhe sowie Händels „Tamerlano“ in Magdeburg.
links:
http://www.staatstheater-mainz.com/typo3/index.php?id=343
http://de.wikipedia.org/wiki/Peer_Boysen
http://www.schauburg.net/php/ensemble.php?code=30&stage=1

