Thomas Demand, Roe Ethridge, Jim Goldberg und Elad Lassry, die Finalisten des Deutsche Börse Photography Prize 2011, dokumentieren mit ihren vielschichtigen Arbeiten beeindruckend das gesamte Spektrum menschlichen Lebens und loten das Medium Fotografie zwischen Dokumentation, Assoziation und Konstruktion aus.
Thomas Demands Fotografien von vertraut wirkenden Orten irritieren den Betrachter durch eine eindeutige Künstlichkeit, so dass durch die Verfremdung der kreative Prozess im Fokus steht.
In seinen Tableaus verweist auch Roe Ethridge von der Originalität auf das Originelle in der Neugestaltung und bricht durch Rekombination und Montage die isolierte Bildbetrachtung auf.
Jim Goldberg hingegen wendet sich der Realität zu und dokumentiert seine Begegnungen mit Menschen, die ihre Heimat verlassen haben und zwischen Freiheit und Elend balancieren.
In seinen Collagen angeeigneter Drucksachen oder neu inszenierter Fotografien spielt Elad Lassry mit dem Verhältnis von analogen und digitalen Bildproduktionsmethoden und thematisiert so die kanonisierten Vorstellungen über die Verwendung von Bildern.
Der Deutsche Börse Photography Prize zeichnet jährlich einen zeitgenössischen Fotokünstler beliebiger Nationalität aus, der im letzten Jahr einen bedeutenden Beitrag zur Fotografie geleistet hat – durch eine Ausstellung oder Publikation.
Internationale Fotografieexperten nominieren Fotografen für den Preis, von denen vier in die Endauswahl gelangen. Die Auszeichnung, die alljährlich einen umfassenden Einblick in die aktuellen Strömungen der internationalen Fotografie gibt, wird seit 1996 von The Photographers’ Gallery, London, vergeben. Seit 2005 ist die Gruppe Deutsche Börse Titelsponsor.
Das Engagement für Fotokunst ist ein wesentliches Element der Corporate Responsibility-Aktivitäten der Gruppe Deutsche Börse. Kontinuierlich unterstützt das Unternehmen Museen und Institutionen bei ihren Ausstellungsprojekten.
Die Art Collection Deutsche Börse umfasst mehr als 800 überwiegend großformatige Arbeiten von rund 80 internationalen Künstlern. Somit ist die Deutsche Börse ein bedeutender Förderer und Sammler zeitgenössischer Fotografie.
Die Photographers’ Gallery zählt heute international zu den wichtigsten Ausstellungsorten für Fotografie. Sie wurde 1971 als erste unabhängige Fotogalerie im Zentrum von London gegründet und gilt als eines der bestbesuchten öffentlichen Ausstellungshäuser in Großbritannien.
Die Ausstellung des Deutsche Börse Photography Prize wurde von Stefanie Braun von der Photographers’ Gallery kuratiert und wird am 5. April 2011 eröffnet.
Im Sommer wird die Ausstellung im neuen Unternehmenssitz der Deutschen Börse in Eschborn bei Frankfurt gezeigt. Begleitend erscheint ein zweisprachiger Katalog auf deutsch und englisch.
Thomas Demand, geboren 1964, wurde für seine Ausstellung „Nationalgalerie“ in der Neuen Nationalgalerie Berlin nominiert, die im Anschluss bei Boijmans van Beuningen in Rotterdam gezeigt wurde. Demands prägnante Bilder durchleuchten das soziale und politische Leben in Deutschland.
Als Vorlage dienen oft bekannte Bilder aus den Medien, deren Setting Thomas Demand in dreidimensionalen, lebensgroßen und akribisch genauen Papiermodellen nachbaut – vom Interieur des Bonner Bundestags aus den späten 1960er Jahren bis hin zum eigenen Kinderzimmer.
Diese rekonstruierten Räume enthüllen subtil die Mechanismen ihrer Herstellung und fordern so durch den permanenten Abgleich von Erinnerung und fotografischer Wirklichkeit die Wahrnehmung des Betrachters heraus.
Roe Ethridge, geboren 1969, wurde für seine Einzelausstellung bei Les Rencontres d’Arles 2010 in Frankreich nominiert. In seinem konzeptuellen Ansatz verwischt der US-amerikanische Fotograf die Grenzen zwischen Kommerziellem und Redaktionellem, zwischen Alltäglichem und Erhabenem – ein spielerischer Angriff auf die Traditionen und Konventionen des Mediums Fotografie.
Nebenprodukte seiner kommerziellen Auftragsarbeiten präsentiert er zusammen mit seinen künstlerischen Fotografien – zum Beispiel ein Modell auf dem Laufsteg neben Stillleben von Kürbissen oder pastoralen Szenen von weidenden Kühen.
Seine individuellen, jedoch flüchtigen und poetischen Zusammenstellungen von Porträts, Landschaften und Stillleben kreieren neue Assoziationen und fassen die Beliebigkeit einzelner Bilder und deren Herstellung zusammen.
Jim Goldberg, geboren 1953, wurde für seine Ausstellung “Open See“ in der Photographers’ Gallery, London, nominiert. Sein Projekt dokumentiert Erfahrungen von Flüchtlingen, Emigranten und verschleppten Bevölkerungsgruppen, die vom Krieg zerstörte, sozial und wirtschaftlich verwüstete Länder verlassen haben, um in Europa ein neues Leben zu beginnen.
Der US-amerikanische Fotograf stellt Polaroids, Videos, Texte, Fundstücke sowie großformatige Fotografien von so unterschiedlichen Orten wie Bangladesch, Ukraine und diversen afrikanischen Staaten in einen Dialog.
Mit dieser vielschichtigen und experimentellen Art des fotografischen Erzählens stellt er Überlegungen zu Migration und den Bedingungen dieser sehnsüchtigen Ausbrüche an.
Elad Lassry, geboren 1977, wurde für seine Ausstellung in der Kunsthalle Zürich nominiert. In seinen verführerisch-losgelösten, fotografischen und filmischen Arbeiten konzentriert sich der israelische Fotograf auf das Überfamiliäre und dessen Klischées – ob Kätzchen, ein attraktives Modell, Lippenstifte oder Eierkartons.
Als Vorlage dient ihm analoges Material wie zum Beispiel Bilder aus der Werbung, die Elad Lassry in seinen saturierten Werken oft als Collagen mit neuen Studiofotografien verwendet und so auf die visuelle Sprache der Produktfotografie anspielt.
Ständig oszillierend zwischen Original und gefundenem Material regt er einen Dialog zwischen Fotografie und bewegtem Bild an. So hinterfragt er Kategorisierungen und Hierarchien in der Fotografie.
Deutsche Börse Photography Prize 2011
Thomas Demand . Roe Ethridge . Jim Goldberg . Elad Lassry
Ausstellung 13. Mai bis 19. Juni 2011
Eröffnung Donnerstag, 12. Mai 2011. 19 Uhr
Öffnungszeiten täglich . 11 bis 20 Uhr
Eintritt 10 Euro . ermäßigt 5 Euro
Ort C/O Berlin . Postfuhramt
Oranienburger Straße 35/36 . 10117 Berlin
Pressekontakt Mirko Nowak
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