Beatrice von Bismarck geht in ihrer neuesten Publikation „Auftritt als Künstler“ der Frage nach, was Künstler-Sein nach 1960 bedeuten könnte. Für die Konstitution von „Künstlerschaft“ zeichnet sich nach 1960 eine deutliche Verschiebung ab.
Bewusster und offensiver als dies in der Moderne der Fall war geht die Kunst der letzten 40 Jahre – von Vito Acconci bis Mike Kelley, von Daniel Buren bis Renée Green, von Lynda Benglis, Gilbert & George, Bruce Nauman oder Martha Rosler bis Elke Krystufek – mit überlieferten, mythisch behafteten Konzeptionen von Künstlerschaft um.
Für die Fragen, die die Erweiterung des Kunstbegriffs, die Diskursivierung der Kunst und die Entgrenzung ihrer Orte für die Konstruktion von Autorschaft aufwerfen, erlangen diese tradierten Künstlerbilder nicht selten operative Funktionen.
Dieser Rekurs, der gesicherte Annahmen und aktuelle Anforderungen gegeneinander ausspielt, lenkt den Blick weniger darauf, was Künstler/innen „sind“, als darauf, wie sie dazu werden und was sie sein könnten.Prof. Dr. Beatrice von Bismarck ist Autorin und Professorin für Kunstgeschichte und Bildwissenschaften an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und Programmleiterin der dortigen Galerie.
Sie lebt in Berlin und Leipzig. Im Zentrum ihrer aktuellen Untersuchungen stehen der künstlerische Arbeitsbegriff, die ästhetischen, sozialen und politischen Potentiale kuratorischen Handelns, die Konsequenzen der Globalisierung für das kulturelle Feld und die Funktionen des postmodernen Künstlerbildes. Eintritt frei
Mittwoch, 13. Januar, 19 Uhr
Künstlergespräch mit Paule Hammer
Die Malereien von Paule Hammer sind durchzogen von einem Labyrinth aus kurzen Erzählungen, philosophischen Erörterungen, Alltagsbeobachtungen, Träumen und Gedanken. Die schriftlichen Narrationen und Erörterungen lässt Hammer in überbordende, malerische und skulpturale Labyrinthe aus Zusammenhängen und Bezügen einfließen.
Diese münden im großen Saal des Frankfurter Kunstvereins als Beitrag zur Ausstellung „Bilder vom Künstler“ in eine raumgreifende Inszenierung. Um eine zentrale Stufenpyramide installiert der Künstler seine großformatigen Malereien, die er teilweise mit Skulpturen kombiniert und mit Wandmalereien illustriert.
In Riesenlettern findet sich der Titel seiner Installation im Raum wieder: „Weltenzyklopädie III“. Paule Hammer erschafft sich mit seiner Arbeit seine ganz eigene Welt, in die er am 13. Januar einlädt, um seine Geschichten kennen zu lernen und mit ihm ins Gespräch zu kommen.
Der Künstler Paule Hammer (geboren 1975) lebt und arbeitet in Leipzig. Von 1997 bis 2002 hat er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studiert.
Eintritt frei
Ausstellungen
Bilder vom Künstler
bis 17. Januar 2010
Die Ausstellung „Bilder vom Künstler“ thematisiert gesellschaftliche Rollenvorstellungen vom Künstler. Sieben zeitgenössische künstlerische Positionen beleuchten soziokulturelle Erwartungen, mit denen Künstler in ihrem speziellen Tätigkeitsfeld konfrontiert werden.
Der „Künstler“ ist eine Projektionsfläche: Ob er als Freigeist oder als Sonderling, als Genie oder als Zweifler, als Lehrer oder Vermittler, als Erfinder, Unterhalter, Popstar oder als Unternehmer angesehen wird, hängt vom zeitlichen Kontext und von kulturellen Milieus ab.
Dennoch haben diese verschiedenen Rollenvorstellungen einen gemeinsamen Nenner: Künstlerische Tätigkeit genießt gemeinhin einen Sonderstatus und wird als Manifestation der Freiheit des Subjekts gesehen, an der eine Gesellschaft ihre Fähigkeit zur Toleranz und Selbstbefragung überprüfen kann.
Gleichzeitig lässt sich eine lange Tradition aufzeigen, in der gesellschaftliche Handlungsfelder in die künstlerische Produktion eingeschlossen oder sogar direkt zum Material dieser Produktion werden.
Die Ausstellung „Bilder vom Künstler“ zeigt verschiedene Verständnisse von Kunst und Künstler-Sein, die beispielsweise durch die Infragestellung von Autorenschaft, durch Selbstinszenierungen, Selbstbefragungen oder durch Appropriationen formuliert werden.
„Bilder vom Künstler“ präsentiert Projekte und Arbeiten von Marc Aschenbrenner (geb. 1971), Wim Delvoye (geb. 1965), Stephan Dillemuth (geb. 1954), Michael Franz (geb. 1974), Paule Hammer (geb. 1975), Manuela Kasemir (geb. 1981) und Andreas Wegner (geb. 1958), die im Kontext von Rollenvorstellungen lesbar sind. Sie diskutieren in kritischer oder ironischer Weise das Bild vom Künstler und fragen nach dessen gesellschaftlichen Bezügen.
Projekt-Display OTHER: Michele Horrigan „Conspiracy“
bis 4. Januar 2010
Michele Horrigans Videos und Fotografien stellen häufig eine theatralische Beziehung zu ihrem Gegenstand her, indem sie Sachverhalte und Wirkungen der Darstellung von vertrauten Gegebenheiten untersuchen.
In den letzten Jahren hat Horrigan diese Angelegenheit häufig begriffen als Rolle eines Tierfotografen.
„Conspiracy“ (2009) zeigt sechs Fotografien von Raben und Elstern in Kanada, jede mit starkem Kontrast und Körnung gedruckt. Horrigan spielt mit der Vorstellung eines unheimlichen volkskundlichen Aberglaubens um Vögel, nämlich, dass Raben verlorene Seelen repräsentieren und Elstern düstere Vorahnungen und Sorgen verursachen.
Dabei erzeugt sie eine Beziehung zwischen den einzelnen Arbeiten und erschafft eine bedrohlich wirkende Natur. Wer wird hier abgebildet? Vögel, ihre Betrachter oder des Künstlers Kamera? Horrigan macht die ungeklärten Folgen der Art und Weise von Darstellungen sichtbar, indem sie mit dem Vorurteil des Gegenstands spielt.
Das Projekt-Display OTHER befindet sich neben der Rolltreppe Ausgang Domplatz auf der B-Ebene der U-Bahnhaltestelle Dom/ Römer. Die Ausstellungen werden kuratiert von Shane Munro und Oliver Heinzenberger.
Deutsche Börse Residency Program
Das „Deutsche Börse Residency Program“ ist eine Initiative des Frankfurter Kunstvereins, die dank der Unterstützung der Gruppe Deutsche Börse umgesetzt werden konnte. Im zweiten Stock des Frankfurter Kunstvereins gelegen, bietet die Residenz ein Appartement als Wohn- und Produktionsstätte für internationale KünstlerInnen, KuratorInnen und KunstvermittlerInnen.
Sie dient der Integration unserer Gäste in das Programm des Kunstvereins und in das kulturelle Leben der Stadt Frankfurt im Allgemeinen. Kultureller Austausch, künstlerische Produktion und Bildung stehen im Zentrum dieser ganz speziellen Initiative.
Im Januar sind der deutsche Künstler Pol Malo und die Kunsthistorikerin und Autorin Beatrice von Bismarck zu Gast im Frankfurter Kunstverein. Veranstaltungen - Donnerstag, 7 Januar , 19 Uhr
Aktuelle Ausstellungen:
Bilder vom Künstler
bis 17.01.2010
Projekt-Display OTHER: Michele Horrigan „Conspiracy“
bis 04.01.2010
Frankfurter Kunstverein, Steinernes Haus am Römerberg, Markt 44D
60311 Frankfurt am MainTel. +49 (0)69 219 314 0,
Fax. +49 (0)69 219 314 11 post@fkv.de / www.fkv.de
Öffnungszeiten: Di-So: 11-19 Uhr Öffentliche Führungen: 1. und 3. Do im Monat, 17.30 Uhr; 2. und 4. So im Monat, 16.30 Uhr, oder nach Vereinbarung.
Abbildungen
Marc Aschenbrenner; “Zweite Sonne“, 2005;
Copyright: the artist; Courtesy Galerie Olaf Stüber, Berlin
Manuela Kasemir,“Urd”, 2008; Copyright the artist; Courtesy the artist

