Auch in ihrem vierten Jahr sind die Hamburger Ostertöne wieder dem berühmtesten Ehrenbürger der Stadt gewidmet: Johannes Brahms. Und das aus gutem Grund, denn wer sonst steht überzeugender für eine Moderne, die ihre Kraft aus der Selbstvergewisserung in der Tradition bezieht und mutig "neue Bahnen" aufzeigt? Dabei lohnt es sich, diesmal ganz besonders genau hinzuhören – und auch hinzuschauen.
Eine Idee, eine kurze Passage, ein flüchtiger Eindruck: auch in der Musik berühren uns kleine Dinge und "Miniaturen" oft in besonderer Weise. Der "kleinen Form" schenkt das Festival 2009 besondere Aufmerksamkeit. Kurze Werke sind meist keine künstlerischen Leichtgewichte, die musikalische Miniatur bringt vielmehr so unterschiedliche Erscheinungen wie das Kunstlied, die Kammermusik, Etüden und Improvisationen hervor. Genreübergreifend wird im Rahmen der Ostertöne in Musik, Film und Literatur der konzentrierten Momentaufnahme nachgespürt und dabei ein perspektivenreiches Spektrum eröffnet, das von der Romantik mit Brahms über den Anbruch der Moderne bei Webern bis in unsere Gegenwart reicht.
Das Festival versammelt führende Interpreten ihres Fachs. "Artist in residence" ist der Pianist Lars Vogt, dessen Einspielungen von Brahms' Klaviermusik vielfach preisgekrönt sind. Simone Young, künstlerische Leiterin des Festivals, leitet die Aufführung des Deutschen Requiems durch die Philharmoniker Hamburg und den NDR Chor, das Klangforum Wien präsentiert ein spannendes Filmkonzert, Reinhold Friedrich bringt mit dem Bundesjugendorchester Olga Neuwirths Trompetenkonzert "...miramondo multiplo..." zur Hamburger Erstaufführung.
Die Kammerkonzerte werden neben Lars Vogt u. a. vom Arditti Quartet und dem ensemble recherche gestaltet. Für die jüngsten Konzertbesucher wird am Ostersonntag eine musikalische Ostereiersuche geboten.
Rege besucht wurde 2008 das erstmals eingerichtete Brahms-Café im stimmungsvollen Brahms-/Foyer. Bei Kaffee und Kuchen kann man hier auch in diesem Jahr vor dem Konzert Freunde treffen, internationale Presse studieren oder Kurzgeschichten und Aperçus hören.
Das Festival findet über die Säle der Laeiszhalle hinaus erstmalig auch an weiteren Orten Hamburgs statt: In der HafenCity ist eine Klanginstallation von Olga Neuwirth zu sehen und das Abaton-Kino am Grindel zeigt filmische Arbeiten der österreichischen Künstlerin.
Programmübersicht:
Karfreitag, 10. April 2009
| 11.00 Uhr, Großer Saal | Philharmoniker Hamburg NDR Chor Simone Young, Dirigentin Vida Mikneviciute, Sopran Wolfgang Koch, Bariton Wolfgang Mitterer, Orgel und live electronics Wolfgang Mitterer: "Stilles Bild" für Orgel und live electronics (Uraufführung) Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem op. 45 |
| 18.00 Uhr, Kleiner Saal | Arditti Quartet |
| 20.00 Uhr, Kleiner Saal | Arditti Quartet Isabel Charisius, Viola Valentin Erben, Violoncello Wolfgang Rihm: Grave "in memoriam Thomas Kakuska" für Streichquartett Johannes Brahms: Streichsextett Nr. 1 B-Dur op. 18 Arnold Schönberg: Verklärte Nacht op. 4 |
Ostersamstag, 11. April 2009
| 15.00 bis 19.00 Uhr, Brahms-Foyer | Café mit Kurzgeschichten Geschichten von Peter Altenberg, Leo Perutz u.a. Eintritt frei |
| 19.00 Uhr, Kleiner Saal | Lars Vogt, Klavier ensemble recherche Johannes Brahms: Vier Balladen für Klavier op. 10 Gérard Pesson: Nebenstück – filtrage de la Ballade op. 10 Nr. 4 de Brahms "In nomine. The Witten in nomine broken consort book" – Kompositionen von Bryan Ferneyhough, Jo Kondo, György Kurtág, Matthias Pintscher, Luca Ronchetti, Walter Zimmermann, Ase Hedström, Georg Kröll und Enno Poppe (UA) |
| 22.30 Uhr, Brahms-Foyer mit Bewirtung | Internationales Opernstudio der Staatsoper Hamburg Simone Young, Klavier Josef Hussek, Moderation Liedernacht mit jungen Sängern des Internationalen Opernstudios der Staatsoper Hamburg Lieder von Johannes Brahms, Alban Berg, Anton Webern, Olga Neuwirth |
Ostersonntag, 12. April 2009
| 14.00/16.30 Uhr, im ganzen Haus | Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen Wiener Maskentheater Musikalische Ostereiersuche für Kinder von 5 bis 8 Jahren | |||
| 20.00 Uhr, Großer Saal | Klangforum Wien Jean Deroyer, Dirigent "free radicals" – eine Soirée mit Film und Musik Mit Filmen von Man Ray, Pipilotti Rist, Bady Minck, Maya Deren, Mara Mattuschka u. a. Arnold Schönberg: Drei kleine Orchesterstücke Iannis Xenakis: Concret PH (Tonband) Karlheinz Stockhausen: Dr. K. Sextett Morton Feldman: Madame Press died last week at ninety Harrison Birtwistle: Tombeau – In Memoriam Igor Strawinsky Witold Lutoslawski: Slides Iannis Xenakis: O-Mega Emilio Pomárico: In Nomine Georges Aperghis: Heysel David Horne: Disintegration II Misato Mochizuki: Le labyrinthe de la raison James Clarke: 2006-K Theo Verbey: Man Ray, Le retour à la raison Beat Furrer: Ein Lied, das über das Ende des Liedes hinaus. | |||
Ostermontag, 13. April 2009
| 15.00 bis 19.00 Uhr, Brahms-Foyer | Café mit Kurzgeschichten Geschichten von Peter Altenberg, Leo Perutz u. a. Eintritt frei |
| 17.00 Uhr, Kleiner Saal
| Lars Vogt, Klavier Antje Weithaas, Violine Rachel Roberts, Viola Christian Poltéra, Violoncello Alban Berg: Sonate für Klavier op. 1 Anton Webern: Drei kleine Stücke für Violoncello und Klavier op. 11 Anton Webern: Vier Stücke für Violine und Klavier op. 7 Johannes Brahms: Sonate für Viola und Klavier Es-Dur op. 120 Nr. 2 Johannes Brahms: Klavierquartett Nr. 3 c-Moll op. 60 |
| 20.00 Uhr, Großer Saal
| Bundesjugendorchester Peter Hirsch, Dirigent Reinhold Friedrich, Trompete Alban Berg: Drei Stücke für Orchester op. 6 Olga Neuwirth: "...miramondo multiplo..." für Trompete und Orchester Johannes Brahms: Klavierquartett g-Moll op. 25 (Orchestrierung Arnold Schönberg) Mehr Infos unter: www.laeiszhalle.de |


