Marianne träumt von der großen Liebe. Mit wenigstens ein bisschen Romantik. Sie will aus ihrer engstirnigen, tristen Vorstadtwelt ausbrechen, um das Glück zu finden. Deshalb lässt sie die Verlobung mit dem vermögenden, aber spießigen Schlachtermeister Oskar platzen. Sie schafft es einfach nicht, ihn zu lieben. Stattdessen wirft sie sich dem charmanten, gut aussehenden Spielertypen Alfred an den Hals.
Daraufhin wird sie von ihrem Vater verstoßen. Der kann nicht akzeptieren, dass seine Tochter sich in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten gegen die die abgesicherte Existenz bei dem Metzger entscheidet. Alfred und Marianne ziehen in eine winzige Wohnung und bekommen ein Baby. An allen Ecken und Enden fehlt das Geld. Ihr Kampf um ein selbstbestimmtes Leben führt Marianne auf einen Leidensweg.
Auf der Kippe zwischen böser Komik und melancholischer Tragik erzählt Horváths berühmtes Volksstück von entwurzelten Menschen, die sich in einem Vakuum der Werte und Sinnangebote bewegen. Getrieben von der nackten Existenzangst und sich selbst fremd geworden, betrachten sie den anderen vor allem mit dem Blick merkantiler Verwertbarkeit.
Horváth zeichnet diese Figuren als verhärtete Kreaturen und zugleich als verlorene Seelen, die sich mit einem Panzer aus Gefühlskälte gegen die Unerbittlichkeit des Lebens wappnen. Und die sich mit billigen Vergnügungen betäuben und in kitschige Scheinwelten flüchten. Es fehlt diesen Menschen die Sprache, ihre Gefühle authentisch zum Ausdruck zu bringen. So besteht ihre Kommunikation vor allem aus vorgeprägten Floskeln.
Klaus Weise, Theater-, Film- und Opernregisseur, hat vom Düsseldorfer Schauspielhaus bis zur Wiener Burg an zahlreichen Bühnen gearbeitet und ist seit 2003 Generalintendant von THEATER BONN.
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