Burkhard C. Kosminski, Schauspieldirektor des Nationaltheaters, inszenierte Ibsens Baumeister Solness unter der Dramaturgie von Reto Finger, dem ehemaligen Hausautor in der Spielzeit 2006/2007.
Solness hat Angst vor der Jugend, ihrer Kraft und Kreativität. Denn sie könnte den gefeierten, aber auch gealterten Baumeister vom Sockel in die Bedeutungslosigkeit stoßen. In seiner erfolgreichen Laufbahn hat Solness Schuld auf sich geladen. Für seinen Ruhm hat er einen hohen Preis bezahlt. Seinen Lehrmeister, den Architekten Brovik, hatte Solness früh überrundet. Heute verdient Brovik bei ihm als Assistent sein Gnadenbrot. Genauso wie Broviks Sohn Ragnar, der von Solness ausgenutzt und unterdrückt wird. Auch am Tod seiner Söhne, die vor Jahren beim Brand seines Hauses starben, fühlt er sich schuldig.
Eines Tages steht die junge Hilde Wangel in der Tür. Zehn Jahre sind vergangen, da erklomm Solness einen selbsterbauten Kirchturm, um den Richtkranz darauf zu setzen. Damals hat sie ihn bewundert. Jetzt erinnert sie ihn an sein Versprechen, ein Schloss wollte er ihr bauen, und fordert es nun ein. Beflügelt von dem jungen Mädchen erklimmt der alte Solness noch einmal einen Turm …
In seinem 1892 geschriebenen Schauspiel verbindet Ibsen Künstlerdrama und Generationskonflikt. Solness’ Leben war Selbstverwirklichung. Am Ende quälen ihn Zweifel, Schuldgefühle und die Angst vor der neuen Generation. In der Begegnung mit der jungen Hilde Wangel erhofft er, die Widersprüche seines bisher so erfolgreichen Lebens zu überwinden.
Pressestimmen
Mit Ibsens Baumeister Solness hat Burkhard C. Kosminski erstmals ein Stück des norwegischen Dramatikers inszeniert und es ist ihm gleich ein großer Wurf gelungen. Vielleicht ist dies Kosminskis bislang beste Regiearbeit am Mannheimer Nationaltheater. Die Textfassung von Peter Zadeks legendärer Münchner Solness-Inszenierung von 1983, die Ibsens Werk in die Gegenwart holte, hat Kosminski noch einmal gekürzt. Das Stück wurde mit einem Ensemble auf die Bühne gebracht, das bis in die Nebenrollen hinein die Vieldeutigkeiten der Vorlage perfekt ausleuchtet. Ein großer Theaterabend. […]
Jede Szene eröffnet Einblicke in ein ganzes Leben. Sehr konzentriert und detailversessen ist diese Inszenierung bis in ihre Ränder, wunderbar stimmig das Gesamtbild, das daraus entsteht.
Die Rheinpfalz
[…] In Mannheim lassen der Regisseur Burkhard C. Kosminski und der Autor Reto Finger als Dramaturg eine stark (auf eineinhalb Stunden) gekürzte Fassung spielen, die trotz (oder gerade wegen?) der Reduktion, die sie an der Komplexität des Charakters von Solness vornimmt, überraschend schlüssig ist.
Dafür sorgt vor allem Edgar M. Böhlke in der Rolle des Baumeisters. Der Schauspieler, kurzes weißes Haar, markanter Schädel, elastischer Gang, jederzeit spürbare Körperspannung, ist in seinem direkten Zugriff auf unterschiedliche Stimmungslagen der Figur außerordentlich geistesgegenwärtig: Heftig erregt durch die Mädchen, körperlich durch Katja, nach neuem Leben gierend durch Hilde; knallhart in der Absage an den jungen Mitarbeiter und der Zurückweisung von dessen Vater (bemerkenswert anrührend: Peter Rühring); von bitterlicher Schärfe in der Beurteilung der eigenen Existenz Hilde gegenüber.[…] Weil Böhlke, der jede Situation souverän führt und bestimmt, alles Sentimentale und gar larmoyantes Selbstmitleid fremd ist, wirkt sein Solness sympathischer als die Figur bei Ibsen. Ein tüchtiger Zeitgenosse, widersprüchlich, aber ganz klar. […]
Frankfurter Rundschau
An Ibsen wagt er sich […] das erste Mal. Und siehe da: Ausgerechnet mit den weitschweifigen Dialogen des patriarchalen Schwerenöters Solness mit dem kessen Fräulein Wangel gelingt ihm ein großer Wurf. Zum einen liegt das an der mit Reto Finger erstellten Strichfassung. Sie ergibt eine derart homogene Spielvorlage, dass die Inszenierung sich genau auf die Befindlichkeiten im großbürgerlichen Architekten-Loft fokussieren kann.
Florian Etti hat einen Design-Traum aus Stahl und Glas gebaut, worin es Aline Solness mit einem Mann zu tun hat, den es zu blutjungen Frauen zieht. Gabriela Badura macht aus der enttäuschten Gattin eine dunkel umflorte, sarkastische Frau, die der vagabundierenden Libido des Gatten mit spitzen Kommentaren beizukommen versucht. Dass auch die junge Buchhalterin Katja auf des Baumeisters Speiseplan steht, deutet Ibsen nur an, Kosminski akzentuiert es stark. Mit Silja von Kriegstein hat er ein Fräulein Foslo in Gestalt eines heutigen, zielstrebigen Mädchens, das hinter dem Rücken ihres Verlobten auf Tuchfühlung mit dem Mittfünfziger geht. […]
Süddeutsche Zeitung
Isabelle Barth, die neu im Mannheimer Ensemble ist, lässt in der Rolle der Hilde Wangel beachtliches Talent erkennen.
Rhein-Neckar-Zeitung
Aufführungen bis zum 21.3.2010
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