Ein Abend der Superlative im Understatement: Zwei herausragende Chef d’oeuvres ihrer Choreographen, ihrer Zeit, ihrer Gattung. „Scènes de ballet“ schuf Frederick Ashton 1948 für das noch junge Royal Ballet. Er betrachtete das Werk bis zum Ende seines Lebens als sein eigentliches Meisterstück. 25 Minuten konzentrierte Choreographie: strukturierte Bewegung im gestalteten Raum zu Rhythmus / Melodie / Harmonie von Strawinskys bittersüßer Musik. Ein Solistenpaar, dazu 12 Tänzerinnen, 4 Tänzer. „Es hat“, meint Ashton selbst, „eine distanzierte, kompromisslose Schönheit, die sagt: ich bin hier, ich bin schön, aber ich bemühe mich nicht im Geringsten, Ihnen zu gefallen.“ Das Bühnen- und Kostüm-Design von André Beaurepaire ist trotzig wie die Musik: Die Damen in kurzem modernem Tutu, geometrisch-ornamentalem Oberteil, blitzenden Schmuck um Hals und Kopf. Verstehen wir, was man „englische Choreographie“ nennen könnte, wenn wir uns in dieses Werk verlieben?
Kenneth MacMillans „Das Lied von der Erde“: fast zwanzig Jahre später, 1965, entstanden, gedacht für’s Royal Ballet, kreiert für’s Stuttgarter Ballett - und damit aufgeladen mit der Emotionalität eines noch ganz jungen Ensembles, das konfrontiert ist mit den genialen Abgründen des musikalischen Spätwerks von Gustav Mahler. „...allüberall und ewig blauen licht die Fernen. Ewig...“ Ein Werk, das Tod und Hoffnung und Leben tief und groß im Tanz reflektiert. Bühnenbild und Kostüme aufs Höchste abstrahiert.
Zwischen diesen beiden Gipfelwerken zwei Miniaturen von Ashton, leicht und kostbar wie Diamanten, die eine Rubinkette unterbrechen. Sein walzerseliges Zurückträumen in die Zeiten von Anna Pavlova und ihrem modernen Pendant, Isadora Duncan. „Nach Art von Isadora Duncan“ - das heißt: barfüßig, ekstatisch, pathetisch, tief gefühlvoll; kürzeste Darstellungen von Revolution, Verzückung, Gewalt, Kraft und Seligkeit. Und „Frühlingsstimmen“? Ein Pas de deux, der seinen musikalischen Titel interpretiert – übermütig hingeworfen in Gala-Laune vom größten Choreographen Englands - nicht mehr und nicht weniger.
Musik von Igor Strawinsky, Johannes Brahms, Johann Strauß und Gustav Mahler
Besetzung
Scènes de ballet
Musikalische Leitung Ryusuke Numajiri
Choreographie Frederick Ashton
Musik Igor Strawinsky
Bühne und Kostüme André Beaurepaire
Licht John B. Read
Solistin N.N.
Solist N.N.
Five Brahms Waltzes in the Manner of Isadora Duncan
Musikalische Leitung Ryusuke Numajiri
Choreographie Frederick Ashton
Musik Johann Brahms
Solistin N.N.
Klavier N.N.
Frühlingsstimmenwalzer
Musikalische Leitung Ryusuke Numajiri
Choreographie Frederick Ashton
Musik Johann Strauß
Solistin N.N.
Solist N.N.
Das Lied von der Erde
Bühne und Kostüme Nicholas Georgiadis
Licht John B. Read
Musikalische Leitung Ryusuke Numajiri
Choreographie Kenneth MacMillan
Musik Gustav Mahler
Die Frau N.N.
Der Mann N.N.
Der Ewige N.N.
Von der Jugend N.N.
Von der Schönheit N.N.
Mezzosopran Heike Grötzinger
Tenor Bernhard Berchtold
Solisten und Ensemble des Bayerischen Staatsballetts
Bayerisches Staatsorchester
Vorstellungen:
Donnerstag, 29. März 2012, 19.30 Uhr
Freitag, 30. März 2012, 19.30 Uhr
Sonntag, 1. April 2012, 18.00 Uhr
Samstag, 28. April 2012, 19.30 Uhr
Münchner Opernfestspiele:
Samstag, 7. Juli 2012, 19.30 Uhr
Susanne Ullmann
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© Wilfried Hösl


