Dionysos, Gott des Weines und des Rausches, zieht – in Menschengestalt – in seine Heimatstadt Theben ein. Im Schlepptau: eine Schar von Bakchen, Anhängerinnen seiner im ganzen Land sich ausbreitenden vitalistischen Sekte. Der Grund seiner Rückkehr ist Rache. Denn der regierende König, sein Cousin Pentheus, und mit ihm seine ganze Familie wollen nicht anerkennen, dass er der legitime Sohn von Zeus ist, und damit ein Gott.
Die Verzauberung durch Dionysos wirkt: Als hätten die Frauen von Theben auf ihren Erlöser gewartet, folgen sie ihm in die Wildnis des Berges Kithairon und feiern dort rauschhafte Orgien. Sogar Pentheus’ Mutter Agaue schließt sich dem bunten Haufen an. Die öffentliche Ordnung ist bedroht, Chaos droht. Pentheus lässt den Anführer der Bakchen verhaften. Nach wie vor will er in seinem Gefangenen nicht den Gott erkennen.
Damit ist sein Schicksal besiegelt: Dionysos hetzt die Bakchen gegen ihn auf. In mörderischer Trance zerstückelt Agaue ihren eigenen Sohn, von dem sie glaubt, er sei ein junger Luchs. Das Erwachen aus dem Wahn ist schrecklich: Untröstlich bleibt Agaue an der Leiche ihres Sohnes zurück.
Euripides’ Tragödie, vor etwas mehr als 2400 Jahren entstanden, zeigt, wie in eine aufgeklärte Welt, in der die Götter abgeschafft und die Vernunft regiert, das Irrationale einbricht. Der Ordnung fällt buchstäblich der Himmel auf den Kopf. Dionysos "religiöser" Anschlag trifft den Nerv der Zeit. Die Menschen wähnen sich frei, scheinen aber in Wirklichkeit Marionetten zu sein.
Dionysos gibt den Spieler, der die Fäden in der Hand hält, undurchschaubar und unberechenbar, versteckt hinter einer "lächelnden" Maske. Nur vorübergehend darf sich der Mensch in einer friedlichen, rauschhaft-sinnlichen Idylle verlieren, dann plötzlich wird er, ohne Vorwarnung, ins Chaos gestoßen, in den Sexualität, Gewalt und Blut feiernden Exzess.
Raoul Schrotts Neudichtung gibt der zeitlosen Tragödie des Euripides die Kraft, Musikalität und Vielstimmigkeit einer heutigen Sprache.
von Raoul Schrott nach Euripides
Premiere am 26.11.2009
Weitere Aufführungen
6,11,12,16,19,22,30.12.2009
Regie: Thomas Krupa
Komposition/Choreinstudierung/Musikalische Leitung: Mark Polscher
Bühnenbild: Thilo Reuter
Kostüm: Pia Janssen
Dramaturgie: Tilman Neuffer
Regieassistenz: Matthias Bauerkamp
Mit:
Dionysos: Staatsschauspieler Sebastian Kreutz
Pentheus: Timo Tank
Chorführerin/Agaue: Ursula Reiter
Tiresias: Hannsjörg Schuster
Kadmos: Staatsschauspieler Stefan Viering
Hirte: Jochen Neupert
Sklave: Marc-Philipp Kochendörfer
Soldat: Olaf Becker
Chor: Anne-Kathrin Bartholomäus
Anna-Magdalena Beetz
Barbara Behrendt
Claudia Frost
Ursula Grossenbacher
Annika Martens
Lisa Schlegel
Teresa Trauth
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