Im Rahmen der Marler Medienkunst-Preise wurde in diesem Jahr zum fünften Mal der Deutsche Klangkunst-Preis verliehen.In enger Zusammenarbeit vergeben das Kulturradio WDR 3, das Skulpturenmuseum Glaskasten Marl und die Initiative Hören diesen Produktions-Preis.
Aus 66 eingereichten Bewerbungen lud eine Fachjury nach einer Vorauswahl zehn Künstler nach Marl ein, um ortsbezogene klangkünstlerische Konzepte zu erarbeiten. Drei dieser Konzepte sind nun - als Preis - realisiert.
Ebenso werden zwei Ehrenpreise vergeben, mit denen je ein/e verdienstvolle/r Künstler/in und parallel ein/e Vermittler/in des Genres ausgezeichnet werden, die mit ihrer Arbeit die Klangkunst nachhaltig und entscheidend mitgeprägt haben.
Ehrenpreisträger des Deutschen Klangkunst-Preises 2010
Die Initiatoren des Deutschen Klangkunst-Preises, Prof. Karl Karst und Dr. Uwe Rüth, zeichnen zweiEhrenpreisträger aus, die sich zum einen künstlerisch, zum anderen theoretisch um das Genre der Klangkunst verdient gemacht haben.
Die Ehrenpreisträger des Deutschen Klangkunst-Preises 2010 sind:
Paul Panhuysen (geb. 1934), Eindhoven/NL
entwickelte nach früher Bekanntschaft mit Künstlern des FLUXUS sein Werk immer mehr in Richtung Klangkunst und beeinflusste das Genre seit seiner Entstehung. Parallel dazu gründete er 1980 das 'Apollohuis' in Eindhoven/Niederlande als Stätte des Experimentierens und Ausstellens für klangbezogene Kunst.
Paul Panhuysen zeigt in der Ausstellung seine Installation"Coffee Time. A Mechanical Long String Orchestra", 2010.
Folkmar Hein (geb. 1944), Berlin
leitete von 1974 - 2009 das Eletronische Studio der Technischen Universität von Berlin und war seit den Anfängen ein Unterstützer der Klangkunst. Er gründete zusammen mit dem DAAD das Festival "Inventionen" und rief die Reihe EM-Hören als Forum der Begegnung und das Austausches und als wichtige Plattform zur Präsentation von elektronischer Musik und Klangkunst ins Leben.
Informationen zu den Preisträgern und ihren realisierten Arbeiten
Peter Ablinger (geb. 1959), Berlin
Unterschiedliche Orte im Zentrum Marls werden für "Sitzen und Hören 1 - 6" zum temporären Auditorium: verschieden große Quadrate skulptural aufgesockelter Stuhlreihen verwandeln den Besucher zum Performer. Die Situation vor Ort wird ohne jegliche Zufügung auditiven Materials zum Angebot konzentrierten Hörens, der Hörvorgang selbst wird zur Skulptur, der Ort zum Klangraum.
In der "Konzentration" auf Wahrnehmungsvorgänge werden in Peter Ablingers Arbeit sowohl verschiedene Ebenen der Musikrezeption der Moderne, wie auch gleichzeitig ein Bruch mit ihnen inszeniert.
Florian Dombois (geb. 1966), Köln
Der ironische Titel "Angeschlagene Moderne" ist Programm für Florian Dombois' Marler Konzept. Als Basismaterial sammelt der Künstler die Eigenklänge der modernen Außenskulpturen im Umkreis des Museums, wobei jede Skulptur mit einem kleinen Hammer "angeschlagen" und so zum Klingen gebracht wird.
Diese "spezifischen" Klänge der Skulpturen dienen als Klangmaterial für eine Installation, bestehend aus dem Ziffernblatt einer Uhr und einem Lautsprecher, die viermal in der Stunde nach einem Zufallsprinzip Klänge einzelner Skulpturen tönen lässt.
Durch den Klang entstehen neue Beziehungen der angeschlagenen Skulpturen untereinander - jenseits der "offiziellen" Kunstgeschichtsschreibung, wie auch der Besucher die Skulpturen in erfrischend neuer Sinnlichkeit erlebt.
Denise Ritter (geb. 1971), Saarbrücken
Mit versteckten Klangquellen bespielt Denise Ritter in "Bandfahrung" den 32 m langen Gang zwischen Büro- und Sitzungstrakt des Marler Rathauses mit zwei Klang-Kompositionen, die die starke Wirkung des Ortes in assoziativer Weise mit neuen Bedeutungen aufladen und die subjektive Wahrnehmung/Erfahrung des Raumes über den Hörsinn subtil erweitern und verschieben.
Beide Kompositionen spielen mit Semantiken der Bewegung, einmal mit den Förderbändern des Bergbaus, zum zweiten mit Rolltreppen des Marler Einkaufszentrums, die beide die architektonische Statik des Verbindungsgangs auflösen und seine Funktion als dynamischen Verkehrsweg betonen.
Weiterhin werden in der Ausstellung die Entwürfe und ergänzende Klang-Arbeiten der weiteren sieben nominierten Künstler/innen des Wettbewerbes präsentiert:
Serge Baghdassarians (geb. 1972) / Boris Baltschun (geb. 1974); Monika Golla (geb. 1966) / Nikolaus Heyduck (geb. 1957); Helmut Lemke (geb. 1953); Paul Plamper (geb. 1972); Kirsten Reese (geb. 1968); Martin Riches (geb. 1941); Therapeutische Hörgruppe Köln (*2008)
Den WDR 3 Produktionspreis für eine Produktion im Studio Akustische Kunst WDR 3 erhält in diesem Jahr: Marc Behrens (geb. 1970), Darmstadt.
Marc Behrens präsentiert in der Ausstellung seine mit Originalaufnahmen verschiedener Biotope (Savanne, Wüste, Regenwald) experimentierende Radioarbeit "BUSHDESERTRAINFOREST", 2009.
Der Deutsche Klangkunst-Preis wird 2010 zum fünften Mal verliehen. Seit 2002 wird der europaweit einzigartige Preis vom Skulpturenmuseum Glaskasten Marl, dem Kulturradio WDR 3 und der INITIATIVE HÖREN mit insgesamt rund 20.000,-- € ausgeschrieben.
Die Mitglieder der Jury des Deutschen Klangkunst-Preises 2010 waren:
Prof. Christina Kubisch, Ehrenpreisträgerin des Deutschen Klangkunst-Preises 2008
Markus Heuger, Redaktion Studio Akustische Kunst WDR 3
Prof. Karl Karst, Programmchef WDR 3
Dr. Uwe Rüth, Beauftragter der Stadt Marl für die Marler Medienkunst-Preise
Prof. Bernd Schulz, Ehrenpreisträger des Deutschen Klangkunst-Preises 2008
Harry Vogt, Redaktion Neue Musik WDR 3
Die Preisverleihung 2010 fand am 20. Juni im Rathaus Marl im Rahmen der Vergabe der Marler Medienkunst-Preise statt.
Zusätzlich erhalten die Nominierten und Preisträger die Möglichkeit, sich im Rahmen der SoundART-Ausstellung in Köln mit weiteren Arbeiten zu präsentieren.
Ausstellungsdauer: 22. August bis 3. Oktober 2010
Öffnungszeiten: dienstags - sonntags, 10.00 bis 18.00 Uhr
Weitere Informationen:
www.klangkunstpreis.de
www.soundart-nrw.net
Rückfragen über:info@klangkunstpreis.de /Tel. 02365/992624
Organisation und Künstlerbetreuung: Patrick Dohndorf, Stephan Wolters, Skulpturenmuseum Glaskasten Marl

