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bei haufekonzept in Köln vom 24.april bis 16. juni

Ausstellung von Kadie Schmidt-Hackenberg - Was ist Realität? Was ist Schönheit und wie wichtig ist sie? Wie nehme ich die Welt wahr?

Hybrid – man assoziiert mit diesem vom lateinischen Hybrida abstammenden Begriff Kreuzung, Mischung – ein aus verschiedenen Arten und Prozessen zusammengesetztes neues Ganzes. Wobei die zusammengebrachten Elemente sehr wohl auch für sich alleine stehen könnten, durch das Zusammenbringen aber neue und wichtige Eigenschaften entstehen. Ähnlich ist das Vorgehen von Kadie Schmidt-Hackenberg in Hinblick auf die so betitelte neue Serie überarbeiteter Fotografien.

Die Künstlerin überlagert die fotografischen Portraits eines vor neutralem Hintergrund abgelichteten Modells mit üppigen zeichnerischen und malerischen Elementen.

Das Projekt Hybrid ist eine Zusammenarbeit mit dem Dipl. Graphikdesigner und selbständigen Fotografen Roland Schmidt, dem Lebensgefährten der Künstlerin.

Die hier als Malgrund verwendeten Fotografien und die Zeichnungen in Mischtechnik könnten rein theoretisch sehr wohl  für sich alleine funktionieren, jedoch bekommen sie durch die Verschmelzung miteinander eine ganz neue Spannung, Qualität und Aussage.

Ein klassisch-schönes weibliches Modell mit elfenhafter Ausstrahlung ist in verschiedenen Posen, stets maximal im Ausschnitt Brustbild vor einem weißem Hintergrund abgelichtet. Teilweise blickt das Modell den Betrachter direkt an, teilweise schaut es zur Seite oder aber hält die Augen geschlossen.

Das Modell wurde bewusst für die Serie Hybrid gewählt, da es durch den zarten, hellen Typ für weibliche Fragilität stehen soll. Eine Frau, die zwar der Betrachter sicher durchweg als schön bezeichnen würde, die aber fernab von einem zeitlich gebundenen Frauenideal allgemeinere, positive weibliche Qualitäten verkörpert.

Die Zeichnung und die Übermalungen symbolisieren hingegen etwas außerhalb der Realität: schemenhafte, teils unheimlich anmutende Gesichter bzw. Ausschnitte von Gesichtern leiten den Betrachter in eine Welt jenseits des Alltags: Hier geht es um emotionales Erleben, phantastische Erscheinungen, um Traum und Alptraum.

Auch in der Oberfläche der verwendeten Materialien ist dieser Gegensatz nochmals verdeutlicht: Hier die glatte, kühle Haptik der Fotografie – da fettige Wachskreide, Verwischungen, Partien in Gouachetechnik, die sich wie Pfützen oder aber undefinierbares Sekret über das Konterfei des Modells ausbreiten.

Fotografie und Überarbeitungen sind nicht getrennt zu sehen, sondern verschmelzen – ganz analog zur Bedeutung des Begriffs „Hybrid“ – zu etwas Neuem. Grenzen der gezeichneten und fotografierten Körperteile werden aufgehoben, miteinander vermischt und ergänzen sich gegenseitig.

Hierbei gewinnen die Übermalungen durch kraftvollen Duktus und stärkere Farbigkeit optisch die Oberhand – die Phantasiegestalten kommunizieren mit dem Modell und vereinnahmen es zunehmend.  

Ist die Gedankenwelt der fotografierten Frau dargestellt, welche sie hier umschwirrt? Sind es ihre Träume, Ängste, Dämonen und Gefühle?

Oder aber nimmt sie ihre Umwelt wahr als eine Art Panoptikum à la Hieronymus Bosch – und fühlt sich eingeengt und bedroht, zum Beispiel in der Bahn, auf Plätzen und Straßen des öffentlichen städtischen Lebens?

Reagiert sie mit Rückzug und Angst auf die um sie herum wabernden Gestalten, die eher männlich konnotiert sind und häufig mit dunkler Augenpartie oder Sonnenbrille dargestellt werden? Oder ist ihr Gesichtsausdruck und die teils geschlossenen Augen eher zu lesen als ein sich freiwillig nach innen wenden?

Deuten die roten Stellen an Gesicht (wie in the wall, artificial eye und guardian) und Körper des Modells auf Blut und Verletzung hin, die bräunlichen Flecken (so bei exchangeof ideas, fusion und the wall) gar auf Vergänglichkeit und Tod? Dies wird noch unterstrichen dadurch, dass das Modell unbekleidet ist, sowie betont durch die Auswahl des Fragilität verkörpernden Frauentypus.

Oder stellt Kadie Schmidt-Hackenberg hier eine Art der Konversation (unter Umständen als Selbstgespräch) dar – worauf die Titel einzelner Arbeiten schließen lassen könnten, wie zum Beispiel exchange of ideas oder fusion

Andere Titel wiederum verweisen auf Fremdbestimmung, Beobachtung, Eingrenzung und Schutz – also auch eine Art der (massiven) Kommunikation beziehungsweise Lenkung: guardian, artificial eye, the wall.

Letztendlich geht es im Werk der Künstlerin um elementare Fragen, wie: Was ist Realität? Was ist Schönheit und wie wichtig ist sie? Wie nehme ich die Welt wahr?

Ist zum Beispiel das portraitierte Modell wirklich reeller und schöner als die freien, starken Konterfeis der Phantasiegestalten? Was tritt in den Vordergrund, was ist nur Untergrund oder löst sich im Bild auf zugunsten eines größeren Zusammenhangs?

Die Arbeiten aus der Serie Hybrid können so als Inszenierung der psychoanalytischen These Sigmund Freuds verstanden werden, das Ich sei nicht Herr im eigenen Hause. Dadurch, dass Triebe unmöglich an einem Ort gehalten werden können, kommt es zu bestimmten Prozessen, bei denen das Vertraute dem Subjekt auf einmal unheimlich wird.

Dieser Effekt wird durch die Überarbeitungen in Hinblick auf das fotografische Portrait des – objektiv nach zeitgenössischen Maßstäben schönen und keineswegs unheimlichen – Modells erzeugt.

Realitäten und Wertmaßstäbe verschieben sich – Spannungen und Gegensätze entstehen.

Diese ganzen Spannungen und Gegensätze irritieren und fesseln den Betrachter – aber es sind sehr nützliche Irritationen und Fesseln, denn: „Wenn wir nicht klar sehen können, wollen wir wenigstens die Unklarheiten scharf sehen“ (Sigmund Freud)

Kurzfassung

Der Ausstellungstitel Hybrid drückt die Vorstellung aus, durch Kreuzung und Mischung etwas Neues entstehen zu lassen. Hierdurch werden Eigenschaften erzeugt, welche die einzelnen Teile für sich nicht besitzen.

Ähnlich ist das Vorgehen von Kadie Schmidt-Hackenberg in Hinblick auf die so betitelte neue Serie überarbeiteter Fotografien.

Die Künstlerin überlagert die fotografischen Portraits eines vor neutralem Hintergrund abgelichteten Modells mit üppigen zeichnerischen und malerischen Elementen.

Das Projekt Hybrid ist eine Zusammenarbeit mit dem Dipl. Graphikdesigner und selbständigen Fotografen Roland Schmidt.

Durch die Verschmelzung von Fotografie und Überarbeitung entsteht eine ganz neue Spannung, Qualität und Aussage. Grenzen der gezeichneten und fotografierten Körperteile werden aufgehoben, hierbei gewinnen die Übermalungen durch kraftvollen Duktus und stärkere Farbigkeit optisch die Oberhand über das fotografische Portrait– die Phantasiegestalten kommunizieren mit dem Modell und vereinnahmen es zunehmend.

Die klare, glatte Kühle der Fotografien vor weißem Hintergrund und die Wahl des zeitlos schönen, einen fragilen Frauentypus verkörpernden Modells stehen für Klarheit, Eleganz, aber auch Verletzlichkeit.

Die Zeichnung und die Übermalungen symbolisieren hingegen eine andere Sphäre: Hier geht es um emotionales Erleben, phantastische Erscheinungen, um Traum und Alptraum.

Ist die Gedankenwelt der fotografierten Frau dargestellt? Sind es ihre Träume, Ängste, Dämonen und Gefühle?

Oder aber nimmt sie ihre Umwelt wahr als eine Art Panoptikum à la Hieronymus Bosch – und fühlt sich bedroht durch Situationen des Alltags?

Deuten die roten Stellen an Gesicht und Körper des Modells auf Blut und Verletzung hin, die bräunlichen Flecken gar auf Vergänglichkeit und Tod?

Diese und weitere Gedanken werden angeregt durch die Arbeiten von Kadie Schmidt-Hackenberg. Letztendlich geht es in ihrem Werk um grundlegende menschliche Fragen:

Was ist Realität?

Was ist Schönheit und wie wichtig ist sie?

Wie nehme ich die Welt wahr?

Ausstellung vom 24. April bis 16. Juni 2010

http://www.kadieschmidt-hackenberg.de/about.html

mail@kadieschmidt-hackenberg.de

Wir laden Sie sehr herzlich ein, sich diese Fragen vor den Werken zu stellen!

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