JENNY BROCKMANN: Die Arbeit "das Mal" (galerie gerken Erdgeschoß im gesamten Raum) ist eine interaktive Rauminstallation. Es wird die Bewegung der Besucher aufnehmen und drei an den Charakter eines Hautmals, einer Wucherung angelehnten Strukturen reagieren hierauf mit Bewegungen und Geräuschen. Die eine Struktur bewegt sich wie Anemonen unter Wasser, die andere rauscht und die dritte bewegt sich auf und ab.
Die Reaktionen der drei Strukturen entsprechen den Stimmungen der Angst, der Freude, der Trauer und der Wut. Jede Stimmung hat eine eigene Choreografie der Strukturen. Diese Arbeit ist unverkäuflich; courtesy sammlung gerken.
In „Schutzraum“ (Treppe galerie gerken, 1. OG) untersucht sie die Idee des Blutkreislaufes des Menschen übertragen auf das Raumsystem eines Schutzbunkers.
Im Zentrum ist ein in Granit gearbeitetes schlagendes Herz (H50 x B40 x T60 cm) von dem aus Arterien aus Kupferrohr (Durchmesser 60 mm) die verschiedenen Räume verbinden uns das Akustische Signal in die entlegenen Winkel bringt.
Sie untersucht die Wege, die die Menschen nehmen, die Relevanz der Abfolge der Räume und die Rangfolge der unterschiedlichen Räume im Bewegungsablauf der Menschen.
Jenny Brockmann arbeitet in Berlin; 1976 in Berlin geboren; Studium an der UdK Berlin bei Profesor Rebecca Horn in Berlin in 2009; erhielt eine Begabtenförderung der FES in 2005-2008 und ein Auslandsstipendium von der UdK und dem Hunter College aus New York in 2007 und eine Atelierförderung der Stadt Berlin in 2009.
Erwähnenswerte Ausstellungen sind beispielsweise in 2010 im Technischen Museum Berlin, 2009 im verborgenen Museum, Berlin, in 2007 im Museo de Arte de El salvador in San Salvador und in der Stiftung Starke in Berlin.
CHRISTOPH MÜGGE: geboren 1983 in Bonn, deutsche und schwedische Staatsbürgerschaft, Studium a. d. Kunstakademie Düsseldorf, Klasse R. Braun, ist Schaffenswütiger einer Malerei, die "innerer Notwendigkeit" (Kandinsky) von Formen und Farben entspricht.
Er fügt existenzielle Katastrophen ("auf großer Fahrt"), explosive Abläufe ("Zersplitterung"), Kosmische Visionen ("ohne Titel", 2009), mikroskopische oder technische Details zu autonomen, dramatischen Bildern.
Seine verfremdeten und besessenen Bildformulierungen könnte man als die "systematische Ausbeutung des Zufälligen und künstlerisch provozierenden Zusammentreffens von wesensfremden Realitäten auf einer Bildebene" sehen, wobei der Funke Poesie, welcher bei der Annäherung dieser Realitäten überspringt, aufleuchtet.
Zwar geht Mügge natürlich von erkennbaren Realitätsfragmenten aus (u. a. Gestänge, Klempnerrequisiten, Landschafts- und Naturbruchstücke, Schiffswracks, rote Blutkörperchen und Bakterien, Brücken- und Architekturdetails), ordnet dies jedoch alles unter rein malerischen Aspekten und neuen, meist beunruhigenden Visionen ein.
Der junge Maler huldigt einer scheinbar chaotischen Malweise mit entfesselten Farben und durcheinander laufenden Linien. "Eine überstürzende Comicwelt schreit Weltelend und ertränkt jeden Schrei in und mit Farbe ... sind Pinselschläge Vogelschwingen gleich Raumventilatoren die Luftwirbel erzeugen, in denen dann das Papier kurz vor dem Zugriff zittert und bebt ..." (M. Lüpertz). Christoph Mügges Arbeiten wirken wie ein wilder, schmerzlicher Aufruf an kosmische Kräfte.
Im Atelier "wird ausgetestet und Neues entwickelt. Werte werden respektlos in Frage gestellt, Grenzen und eigene Schranken überschritten, Tabus durchbrochen." (Reinhold Braun).
Nach einem AAA-Stiftung-Stipendium in Schweden (07 - 08) hat Christoph Mügge in der galerie gerken, Berlin seine erste Einzelausstellung im Jahr 2009 und im Jahr 2010 eine weitere Ausstellung zu zweit. Text: Helge Gerken
Christoph Mügge ist 1983 in Bonn geboren, hat die deutsche und schwedische Staatsbürgerschaft; studiert an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. R. Braun. Er erhielt in 2009 seine erste Einzelausstellung in der galerie gerken in Berlin.
HELGA GERKEN-GRIESHABER: Bemerkenswert bei den Bildern Helga Gerken-Grieshabers ist die Spannung aufgrund der Widersprüche, die ihnen zugrunde liegen.
Im Gegensatz zu früheren Bleistiftzeichnungen arbeitet sie jetzt mit Kohle und direkt auf das Papier gegebene Acrylfarbe unmittelbar aus der Flasche. Dabei entstehen feine Fäden in schwungvoller Bewegung, die die figürlichen Teile wie mit dem Stift gezeichnet erscheinen lassen.
Zum Teil werden die Farben auch mit einem Kartonstück in breite Bahnen gezogen: Zeichnung und Malerei gehen eine spannungsvolle Geschlossenheit ein: figurale Zeichnungen von expressiver Kraft.
Die Reduktion auf das Gestische dient Helga Gerken-Grieshaber als Konzentration und Befreiung zum Wesentlichen. Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist das sich Vergewissern der eigenen Existenz, der Blick in den Spiegel, um Entwicklungen und dem Dasein auf die Spur zu kommen.
"Auch wenn es sich bei diesen Bildern nicht um Selbstbildnisse im engeren Sinne handelt, erinnert die Unerbittlichkeit des sich Vergewisserns an die obsessive Konsequenz, mit der Künstler wie Rembrandt oder van Gogh immer wieder in den Spiegel blickten, um reflektierend dem Wesen und Wandel Ihres Daseins auf die Spur zu kommen." (Dr. Hans Gercke).
"Ihre anmutigenden Kombinationen von Acrylfarben und Kreide - auch "Lust- und Frustbilder" genannt - zeigen zudem ein tiefes Verständnis für das Leben, für den Mensch und sein soziales Umfeld. Denn nur so erfüllt die Kunst ihren Sinn - nicht nur gefällig zu sein, sondern auch hinzuführen zum Wesen der Dinge, Verständnis weckend für Geist und Gefühl.
Die Bilder brauchen Raum: bewusst zieht die Künstlerin das weiße Papier in die Gestaltung der Zeichnung mit ein. Dadurch bekommt das Blau etwas strahlendes, wirkt das Rot nicht blutig, das Schwarz nicht erdrückend. Spielerisch lässt Helga Gerken-Grieshaber die aus dem Farbmasiv gezogenen Linieen das Weite suchen. Die zarten Ergänzungen in Kreide verraten die Meisterhand." (Marga Kohr).
Das Weiß des Blattes ist nicht mehr nur Bildträger, sondern auch konstituierender Licht-Raum, in dem sich Energie materialisiert, leibhaftig, greifbar, erotisch - und doch nicht eigentlich fassbar. Wirklichkeit wird als das artikuliert, was sie tatsächlich ist: Präsenz des Augenblicks.
"Verschwunden ist alles, was artistischer Selbstzweck sein könnte, doch geblieben ist die unglaubliche Virtuosität, die Helga Gerken-Grieshaber im Umgang mit den künstlerischen Mitteln an den Tag legt.
Dass diese Mittel vor allem anderen die der Zeichnung sind, kann nicht verwundern: Die Zeichnung, der unmittelbare Niederschlag körperlicher Bewegung, gestischer Expression, ist die wohl elementarste Form künstlerischer Mitteilung überhaupt." (Dr. Hans Gercke).
Helga Gerken-Grieshaber ist 1944 geboren in Wolfach und lebt und arbeitet in Oberwolfach im Schwarzwald. Von 1962 bis 1965 studierte sie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bei den Professoren Herkenrath, Kitzel, Klumbies und Klemm, 1963 an der Academy of Art Cranbrook in Michigan, USA und 1966 bis 1967 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Professor Haegele.
Zahlreiche Arbeiten sind in öffentlichem Besitz und Sammlungen, wie: Städtische Sammlungen Museum Augsbug, Kunstmuseum Düsseldorf, Regierungspräsidium Freiburg, Städtische Museen Heilbronn, Regierungspräsidium Karlsruhe, Galerie der Stadt Stuttgart, Staatsgalerie Stuttgart, etc..
TEGENE KUNBI wurde in Addis Abeba geboren und wuchs in der äthiopischen Hauptstadt auf. Mit ständigem Blick auf seine Heimat; der heimatlichen Landschaft, Kleidung und Wandmalerei; und seine afrikanischen Wurzeln entwirft er rhythmische Kompositionen, die durch ihre flirrende Farbigkeit bestechen.
Kunbi überträgt dabei die Vielfältigkeit von Landschaften und von alltäglichen Strukturen in eine Art Rasterfeld und löst sich damit vom eigentlichen Gegenstand.
Vergleichbar mit Paul Klees ägyptischen Landschaften Ende der 1920er Jahre reduziert er diesen auf seine natürlichen Grundformen, welche sich bei Kunbi vor allem in Drei- und Vierecke ausdrücken. Kunbi findet diese Formen in seiner afrikanischen Heimat ebenso wie in Europa.
Seien es die geomtrischen Strukturen eines Baugerüsts, eines religiösen Talismans oder die Enge von aneinander gedrängten Hütten, stets hält der Künstler an der natürlichen Farbigkeit der Dinge fest, wobei monochrome Kompositionen genauso möglich sind, wie kontrastreiche Gegensätze.
Innerhalb eines festgesetzten Formats entwickelt der Künstler zumeist rhythmische Strukturen und Räumlichkeit, welche sich durch die bewusste Überlagerung von Formen und Farben, sowie die Verschiedenheit des Pinselduktus, in einer dezenten Räumlichkeit zu verlieren scheinen und dabei stets an ihren Bezugsorten festhalten.
Jedes Farbfeld wird dabei zu einer individuellen Fläche, die in engem Kontakt mit der ursprünglichen Form steht. Tegene Kunbis Arbeiten zeugen von einer hohen Aufmerksamkeit gegenüber der eigenen Umwelt, die sich mit dieser verändern und entwickeln.
1980 in Äthiopien geboren, absolvierte er von 1998 bis 2004 an der Addis Abeba University in Äthiopien ein Studium der Bildenden Künste. Seit 2008 studiert er an der Universität der Künste Berlin bei Professor Frank Badur Malerei und ist dort seit 2009 Meisterschüler bei den Professoren Pia Fries und Frank Badur. 2007-9 erhielt er das Daad Stipendium.
Tegene Kunbi ist 1980 in Äthiopien, Afrika, geboren, von 1998 – 2004 studierte er an der Addis Abeba University Kunst und seit 2008 an der UdK Berlin bei Prof. Frank Badur Malerei. Er erhielt in 2007 das Daad Stipendium und ist seit 2009 Meisterschüler an der UdK bei Prof. Badur und Prof. Fies. Er erhielt in 2010 seine erste Einzelausstellung in der galerie gerken in Berlin.
WERNER POKORNY zählt mit seinen prägnanten und eigenständigen künstlerischen Lösungen in der Skulptur zu den bedeutensten deutschen Bildhauern der Gegenwart. Nach dem Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe erhielt er 1988 einen Gastaufenthalt in der Villa Romana in Florenz und 1989 das Stipendium der Kunststiftung Baden- Württemberg.
1998 wurde er zum Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart berufen. Viele Skulpturen sind im öffentlichen Besitz und in öffentlichen Sammlungen. Werner Pokorny, 1949 in Mosbach geboren, lebt heute in der Nähe von Karlsruhe.
Werner Pokorny verwendet als Werkstoffe für seine Skulpturen ausschließlich Holz und Stahl. Während es die Arbeiten aus Stahl in verschiedenen Dimensionen von der Klein- bis hin zur großformatigen Außenplastik gibt, sind die Arbeiten aus Holz immer an die Dimensionen des Baumstammes gebunden.
Ganz im Sinne der klassischen Holzskulptur entnimmt Werner Pokorny seine Werke subtraktiv durch Ausschneiden des Materials, während er bei der Stahlskulptur Segmente aneinanderschweißt, wodurch Formengrenzen und Grenzenlosigkeit sich gegenüberstehen.
Obwohl seine Formen elementar erscheinen, entziehen sich diese unserer Festlegung auf beispielweise das Haus, welches Thema der Ausstellung und zudem als wichtiges Motiv seiner Arbeiten eine zentrale Position einnimmt.
Kaum haben wir eine solche Form erfaßt, entzieht sie sich unserer Vereinnahmung und unser Blick wird auf die innere oder äußere gegenläufige Gestalt gelenkt, mit der die zuerst gesehene existentiell verknüpft ist.
Der vermeintlichen Klarheit antwortet Verunsicherung. Fast glaubt man, einer zur skulpturalen Form verdichteten, konkreten Utopie gegenüberzustehen. Wie keine andere Metapher verkörpert das Haus eine „Schöpfung parallel zur Existenz“.
Werner Pokornys Skulpturen findet man beinahe in jeder Stadt an verschiedenen öffentlichen Plätzen. Zahlreiche Einzelausstellungen sind erwähnenswert, wie z.B. Galerie Schlichtenmaier, Saarland Museum (Saarbrücken), Städtische Museen Heilbronn, Galerie Baumgarten (Freiburg), etc..
Werner Pokorny ist 1949 geboren in Mosbach (Schwarzwald), studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bei Professor Baschang, Kalinowski und Neusel Kunst und Kunstgeschichte an der Universität Karlsruhe und der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe.
1988 erhielt er einen Gastaufenthalt in der Villa Romana; 1989 ein Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg. Von 1989 bis 1990 war er Gastprofessor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe.
Seit 1998 wurde er auf eine Professur für allgemeine künstlerische Ausbildung mit dem Schwerpunkt Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart berufen. 2006 nahm er am Busan Sculpture Project, der Biennale Busan in Südkorea teil. Er ist 1. Vorstitzender des Künstlerbundes Baden-Württemberg und Mitglied des Deutschen Künstlerbundes.
Ausstellungsdauer 12.02.2011 - 26.03.2011
galerie gerken
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Bild 1 JENNY BROCKMANN
Bild 2 CHRISTOPH MÜGGE
Bild 3 HELGA GERKEN-GRIESHABER
Bild 4 TEGENE KUNBI
Bild 5 Werner Pokornys

