Die Erfahrung eines Misserfolges, egal ob beruflich oder privat, ist ein Augenblick den jeden ereilen kann. Was man aber daraus entstehen lässt, ist die wahre Kunst des Lebens. Dies hat auch die holländische Künstlerin Fleur van Dodewaard durch ihr Schaffen und Werk einerseits selbst erfahren und anderseits direkt schöpferisch umgesetzt.
Ausstellung in Zürich
Ihr Werk «131 Variations» ist eine Neuinterpretation von Sol Lewitt’s «122 Variations of Incomplete Open Cubes». Mit der Hilfe von zwei Mathematikern hat Lewitt 122 Variationen eines offenen, nur durch seine Kanten angegebenen Kubus visualisiert. Statt 12 Kanten weisen die Kuben aber lediglich 3 bis 11 Kanten auf, sodass nur die gedankliche Fortführung der dreidimensionalen Form einen vollständigen Würfel entstehen lässt. Dabei erschlossen sich ihm 122 Möglichkeiten, wie der Würfel unvollendet bleibt.
Bildende Kunst
Als van Dodewaard sich mit diesem Werk auseinandersetzte indem sie es nachbaute und fotografierte – also eine exakte Kopie erstellen wollte - unterlief ihr irgendein Fehler: Plötzlich fehlten einige Kuben, vereinzelte waren doppelt, ein paar existierten nicht oder sie hatte einige Varianten neu erfunden. Dass die 122 aufgelisteten und vorgeführten Möglichkeiten von Lewitt jedoch längst nicht allen denkbaren Variationen entsprechen, zeigt sich nun in den «131 Variations» von Fleur van Dodewaard eindeutig. Dieser «Misserfolg» lässt bewusst Momente der Beliebigkeit, Inkonsistenz und Irrationalität ins Würfelspiel, die die scheinbar mathematische Logik wieder aufbrechen und so den Zufall hineinlässt.
Um ihrem Werk eine theatralische oder performative Qualität zu verleihen, verwendet sie ungleiche und aufgefundene Holzstücke, die sie mit einem rosastichigen Inkarnat bemalt und zur Skulptur verbindet. Im Gegensatz zu Lewitt’s Kuben sind ihre handgefertigt und dadurch teils sogar nachlässig verarbeitet. Sie stehen so durch ihre Farbigkeit und ihre nicht industrielle Herstellung in grosser Opposition zum minimalistischen Charakter des Ursprungswerks.
Freunde der Kunst
Das Werk «131 Variations» spielt auf die Probleme der Authentizität, Aneignung und Reproduktion an. Gleichzeitig hinterfragt es die Rolle der Fotografie, als ein Mittel der Repräsentation der Realität. Die Künstlerin vermittelt durch diese Fotografien ihre ganz eigene Sicht auf die Dinge und leitet sie dem Betrachter weiter. Er soll wie bei Lewitt die Form und Realität im Kopf weiterspinnen können. Doch der Kern des Werkes besteht darin aufzuzeigen, dass der Entstehungsprozess genau so wichtig ist, wie das Resultat und das er durch einen Misserfolg nicht aufzuhalten ist.
Text: Graziella Kuhn
Fleur van Dodewaard (*1983), lebt und arbeitet in Amsterdam. Von 2002 bis 2006 studierte sie an der Universität von Amsterdam Theaterstudien und schloss die Ausbildung erfolgreich mit einem Bachelor ab. Direkt danach wurde die Royal Academy of Fine Arts in den Haag aufgesucht, in der sie ein Jahr lang Fine Arts studierte. Ihren Bachelor of Fine Arts in Fotografie erhielt sie 2010 an der Gerrit Rietveld Academy of Fine Arts wiederum in Amsterdam. Seit 2011 hat sie zahlreiche Solo- und Gruppenshows in europaweit und in der USA bestritten und ist nun zum ersten Mal in der Schweiz zu sehen.
7.3. - 5.4.2014
info@hausergallery.ch


Um ihrem Werk eine theatralische oder performative Qualität zu verleihen, verwendet sie ungleiche und aufgefundene Holzstücke; (c) FLEUR VAN DODEWAARD