Seit 1995 vergibt der Bellevue-Saal jedes Jahr zwei Stipendien an junge Künstlerinnen und Künstler, vornehmlich aus dem Ausland. Die Gastkünstler leben und arbeiten für vier Monate in Wiesbaden und stellen am Ende ihres Aufenthalts ihre Arbeit im Bellevue-Saal aus. Diesmal ist es der Berliner Künstler Matthäus Thoma. Eine neue Ausstellung mit einigen seiner Werke ist nun vom 2. bis 26. Juli 2009 im Bellevue-Saal zu sehen.
Matthäus Thoma ist Bildhauer. Sein Material ist Holz. Am liebsten wählt er rohe Hölzer, Kanthölzer, Dachlatten und Bretter, die noch Gebrauchsspuren an sich haben. Die entstehenden Skulpturen oder Installationen sind immer situationsbezogen und werden am Ort – in diesem Fall im Bellevue-Saal – gebaut. Aus diesem Grund ist der Bellevue-Saal während der Aufbauphase ab Mitte Juni geöffnet, um die Entstehung verfolgen zu können (work in progress). Im Vorfeld experimentiert Matthäus Thoma im Freiluftatelier neben dem Kunsthaus auf dem Schulberg mit unterschiedlichen Formen.
Marc Wellmann schreibt zu den Arbeiten von Matthäus Thoma:
„Matthäus Thoma baut aus ‚armen‘ und gefundenen Materialien – vor allem aus unbehandelten Brettern und Holzstücken – komplexe Gebilde, die den Raum durchdringen und sich ihm gleichzeitig öffnen. Man assoziiert spontan das Oberflächennetz von Computergrafiken, doch holt der Künstler den Betrachter unversehens in die Realität zurück durch die physische Präsenz des harten, splitternden genagelten und verschraubten Werkstoffes, der zu kraftgeladenen Formationen aufgetürmt ist. Durch die Strukturen scheinen gewaltige Energien zu strömen, die Thoma in eine Form presst, welche jederzeit wieder bersten kann. Das plastische Bauen von Bewegungen vermittelt den Eindruck spontaner Hervorbringung.
Tatsächlich fußen Matthäus Thomas großformatige Skulpturen auf durchdachten Kalkulationen, Zeichnungen und kleineren Modellen, die er jedoch als eigenständige Arbeiten versteht. Er befindet sich dabei an einer Nahtstelle zur Architektur, deren konstruktive Prinzipien teilweise aufscheinen, wenngleich er dem Statischen und Festgemauerten dieser Kunstgattung das Transitive, Spielerische und Provisorische entgegenstellt. Das Gemachtsein der Dinge ist ein wesentlicher Aspekt seines Skulpturenbegriffes, der einem Zustand an der Grenze zwischen Form und Nicht-Mehr-Form entgegen strebt.“
Der Bellevue-Saal und die aktuelle Ausstellung von Matthäus Thoma ist ab dem 2. Juli dienstags bis freitags von 16 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.
Eröffnung: Donnerstag, 2. Juli 2009, 19:00 Uhr
Einführung: Ulrich Meyer-Husmann
Ausstellungsort: Bellevue-Saal, Wilhelmstraße 32, 65183 Wiesbaden, www.bellevue-saal.de
Öffnungszeiten: Di. bis Fr. von 16 – 19 Uhr, Sa. und So. von 14 – 18 Uhr

