Anhand ausgewählter Objekte aus der MAK-Sammlung Textilien und Teppiche sowie Asien demonstriert die Ausstellung die Vielfalt und Geschichte der höfischen Kunst-produktion dieses Zeitraums, wobei die Trennung nach Materialien und Beständen zugunsten einer umfassenderen Präsentation aufgehoben wurde.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war China eine führende Weltmacht, am Ende des Centenniums ein zerrütteter, von europäischen Mächten abhängiger Staat. Grund dafür waren sowohl äußere als auch innere Entwicklungen. Unruhen und Kriege mit den erstarkenden europäischen Kolonialmächten schwächten das Land, doch die Macht des Kaisertums wurde weiterhin – unbeeindruckt von den politischen Problemen – in extravaganten Kreationen zelebriert. Dabei fanden Motive aus der chinesischen Tradition großen Anklang in Kunst und Kunstgewerbe und wurden im Sinne eines Historismus variiert, während neu entwickelte chemische Farbstoffe begehrte grelle Kompositionen ermöglichten.
Während die Exporte vor allem für die europäischen Märkte stockten, zeigen Porzellane und Luxusartikel aus den kaiserlichen Manufakturen das Fortleben der Tradition hohen handwerklichen Könnens. Die kaiserliche Porzellanmanufaktur in Jingdezhen belieferte den Hof mit kostspieligen Keramiken, die oft auf Vorbilder aus dem 18. Jahrhundert zurückgriffen. Zum Ende des Jahrhunderts wurde versucht, die verlorenen Exportmärkte mit hochwertigen Produkten, etwa großen Ensembles von „Mustervasen“, zurück zu gewinnen.
Das Handelsmonopol mit England in der ersten Hälfte des Jahr- hunderts förderte unter anderem die Exportindustrie rund um die Hafenstadt Kanton / Guandong. Die Elfenbeinverarbeitung nahm zu, wobei in Stil und Verwendungszweck auf den europäischen Markt Rücksicht genommen wurde. In der Ausstellung sind darüber hinaus Aufnahmen des österreichischen Fotografen Wilhelm Burger zu sehen, die 1869 in Hongkong entstanden waren. Sie zeigen jenes China, wie es sich den Europäern im ausgehenden 19. Jahrhundert darbot.
Kuratoren Barbara Karl
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