Gesellschaft Freunde der Künste

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fragiles Verhältnis von Mensch und Natur

Ausstellung in Ulm: Olaf Otto Becker - Northern Traces bis 18. März 2012

Atemberaubende Ansichten unberührter Landschaft eines entlegenen Teils unserer Erde, im Licht der arktischen Sommernacht fotografiert, ohne Schatten: Olaf Otto Becker bringt von Exkursionen nach Island und abenteuerlichen Fahrten im Schlauchboot über die Eismeere Grönlands Bilder überwältigender Schönheit mit; Bilder, die in ihrer Ikonografie der Melancholie und Stille etwas von der Erhabenheit romantischer Landschaftsmalerei haben. Und zugleich sind sie durch den unbestechlichen Blick des Forschers und ihre exakte geografische Lokalisierung Zeugnis einer Zeit, in der Gletscher im erwärmten Klima verschwinden.


Seit über zehn Jahren bereist Becker den Norden Europas und geht dort auf Spurensuche. In einer umfassenden Retrospektive gibt das Stadthaus Ulm jetzt erstmals einen Überblick über das in diesen Jahren entstandene Werk des 1959 in Travemünde geborenen Landschaftsfotografen.
Seine ersten Exkursionen führten Olaf Otto Becker ab 1999 nach Island. Das Ergebnis war der Bilderzyklus Under the Nordic Light, den er auch 2011 fortführte. Von 2003 bis 2006 fuhr Becker dann im Schlauchboot 4.000 Kilometer an der grönländischen Küste entlang. Entstanden ist die Bilderserie Broken Line: Fotos von gewaltigen Felsen, tiefschwarzem Wasser und Eisbergen unter sanftem Licht, aber auch von kleinen, ärmlichen Siedlungen. Der daraus hervorgegangene Bildband wurde mit dem Deutschen Fotobuchpreis 2008 ausgezeichnet. Für sein Projekt Above Zero wanderte Becker über das Inlandeis Grönlands. Dort fotografierte er einige der unzähligen Gletscherbäche und -flüsse, die ihren Weg durch die Eisreliefs nehmen, bis sie wieder darunter verschwinden.


Becker arbeitet mit einer großformatigen, analogen Plattenkamera, die es ihm erlaubt, auch bei schwierigen Licht- und Witterungsbedingungen nuanciert und detailreich zu arbeiten. Seine Bilder fassen die Naturformationen aus kühlen Farben in kalkulierte Kompositionen: Weiß, Grau, intensives Türkis. Sie öffnen die Weite, führen den Betrachter aber auch ganz dicht an die Texturen von porösem Schnee und Eis und die Fließbewegungen des Eises. Melancholie, Erhabenheit und ein subtiles Moment von Abwesenheit prägen die Grundspannung dieser Landschaftsporträts, die in ihrer ästhetischen Anlage betont altmeisterlich anmuten.


Die Fotografien von Olaf Otto Becker loten so das zutiefst fragile Verhältnis von Mensch und Natur aus. Sie offenbaren die überwältigende Schönheit dieser Eislandschaft und dokumentieren zugleich deren existenzielle Bedrohung. Denn selbst in dieser vollkommen unbelebten Gegend hat der menschliche Einfluss fatale Folgen: Staub und Ruß aus der Luft lagern sich als schwärzliche Krusten ab, was zusätzlich zur globalen Erwärmung das Abschmelzen des Eisschildes noch beschleunigt – mit wohl unabwendbar katastrophalen Folgen.

Olaf Otto Becker über seine Fotoserien:


In meinen Projekten beschäftige ich mich mit den Spuren, die die Menschen durch ihren zunehmend wachsenden Bedarf und Verbrauch an Rohstoffen, Energie, Wasser und Land auf dieser Erde hinterlassen.
Mir geht es dabei sowohl um die Dokumentation einer Kette von Beobachtungen wie auch um das poetische Einzelbild. Das Buch ist für mich ein wichtiges Medium um das Gesehene in meinem subjektiv erlebten Zusammenhang darzustellen. Ich arbeite in zusammenhängenden Serien, bei denen ich ein Hauptthema herausarbeite.


„Broken Line“ Grönland 2003 - 2006


So beschäftige ich mich in dem Projekt und Buch „Broken Line“ mit der Küstenlandschaft und den Gletschern Westgrönlands, die durch die Klimaerwärmung nun einer deutlichen Veränderung unterworfen sind. Mit einem Schlauchboot fuhr ich ca. 4000 Km allein an der Westküste Grönlands entlang, um diese mit einer Großformatkamera zu dokumentieren. Die Küsten Grönlands sind die ersten, die sich durch die Klimaerwärmung verändern.


„Above Zero“Grönland 2007 - 2008


In insgesamt zwei Expeditionen, bei denen ich mit einem Begleiter ca. 450 km zu Fuß in der Schmelzzone des grönländischen Inlandeises unterwegs war, entstand die Serie „Above Zero“. Das gleichnamige Buch zeigt im ersten Kaptitel Portraits von Schmelz-wasserflüssen, die durch die Klimaerwärmung in zunehmendem Maß auf dem Eis entstehen. Im zweiten Kapitel beschäftige ich mich mit Wissenschaftlern auf dem grönländischen Inlandeis, die dort Daten über die Veränderungen des Klimas und der abschmelzenden Eisschichten sammeln. Im dritten Kapitel beschäftige ich mich mit dem einzigen Ort in Grönland, an dem auch Touristen dem Inlandeis begegnen können.
„Under the Nordic Light – A Journey through Time” Island 1999 - 2011
Wie verändert sich Landschaft in einem Zeitraum von 9 bis 12 Jahren? Mit vergleichenden Aufnahmen aber auch Einzelbildern über einen Zeitraum von 12 Jahren beobachte ich das Areal Island. Was verändert sich, was ist geblieben? Welche Spuren werden in einer Landschaft in einem größeren Zeitraum sichtbar, wenn der Mensch Einfluss nimmt oder auch nicht. Neben Beobachtungen zu Landschaftsveränderungen, wirft das Projekt auch Fragen zu unserer subjektiven Zeitwahrnehmung auf.


Ausstellungseröffnung: Sonntag, 11. Dezember 2011, 11 bis 13 Uhr Es spricht Dr. Petra Giloy-Hirtz, Kunsthistorikerin und Autorin, München
Projektleitung: Dr. Raimund Kast, Ulm
Öffentliche Führungen mit Dr. Raimund Kast
Donnerstag, 29. Dezember 2011, 18 Uhr
Sonntag, 18. März 2012, 11 Uhr


Die drei im Hatje-Cantz Verlag erschienenen Bildbände Under the Nordic Light. Iceland 1999 – 2011 (2011), Above Zero (2009) und Broken Line (2007) sind im Stadthaus erhältlich.


Die Ausstellung wird unterstützt durch Kaufmann Lichtwerbung, Ulm

Dr. Sabine Presuhn

Stadthaus Ulm

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